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07.02.1986 - 

Für die Entwicklung in diesem Jahr ist der US-Zins entscheidend:

Viele Technologiewerte waren 1985 enttäuschend

MÜNCHEN (aw) - Europäische Technologiewerte schnitten im vergangenen Jahr besser ab als amerikanische. Daran dürfte sich auch 1986 wenig andern. Die Folge der US-Konjunktur zeigten sich bei vielen DV-Unternehmen auf der Verlustseite oder zumindest in herben Gewinneinbrüchen. Börsenfachleute haben offensichtlich erstmals auch die Wachstumskraft der IBM unterschätzt.

Trendsetter für die Weltbörsen ist der US-Zins! Die Börsenweisheit "Geld ist das Blut der Börse" ist zwar einfach aber richtig. Nur, wenn ausreichend Liquidität vorhanden ist, können die Kurse - wie zur Zeit - weltweit steigen. Die Verschuldung insbesondere der US-Banken und die weiterhin hinter den Erwartungen zurückbleibende US-Konjunkturentwicklung sind paradoxerweise die Ursache für die ausreichende Liquidität. Dies zwingt die amerikanische Notenbank zu Geldmengensteigerungen von zur Zeit zwölf Prozent pro Jahr. Dem steht ein Bruttosozialprodukt von unter vier Prozent pro Jahr gegenüber. Acht Prozent überschüssige Liquidität suchen Anlage. Diesem Überfluß steht ein knappes Wertpapierangebot gegenüber. Folge: Die Aktien- und Anleihkurse steigen weltweit.

Daran wird sich auch 1986 wenig ändern. Trotz der üppigen Geldmengensteigerungen ist Inflation noch kein Thema (sinkende Rohstoffpreise, hoher Realzins). Ein Störfaktor für eine Fortsetzung der Hausse wäre ein zu kräftiges konjunkturelles Wachstum. Es würde Unternehmern zu mehr Direktinvestitionen anregen, dieses Geld fehlte dann an der Börse.

Die fundamentalen und monetären Voraussetzungen für die Hausse an den Weltbörsen seit 1982 - wachsende Preisstabilität, mäßiges konjunkturelles Wachstum mit steigenden Unternehmenserträgen, Rückbesinnung auf die Kräfte des Marktes und zwangsläufig reichliche Versorgung der Märkte mit Geld - bleiben nicht nur bestehen, sondern haben sich teilweise sogar noch verbessert.

Die meisten Technologiewerte waren 1985 für den Anleger eine Enttäuschung, insbesondere, wenn er in Mark oder Schweizer Franken rechnete und im US-Dollar investiert war. Auf die Verwundbarkeit des Dollars und die - im Gegensatz zum US-Markt überdurchschnittlichen Chancen der europäischen Börsen, wurde wiederholte Male hingewiesen. An dieser Konstellation wird sich nichts ändern. Verantwortlich für das enttäuschende Abschneiden der DV-Werte in den USA waren vor allem der Rückgang des industriellen Wachstums. Die Investitionsbereitschaft nahm extrem ab. Jetzt sollte lediglich auf Werte gesetzt werden, die von einer Fortsetzung der Dollarschwäche profitieren.

US-Dollar bleibt verwundbar

IBM muß zum ersten Mal seit 1979 einen Rückgang des Jahresgewinns vermelden. Wieder einmal waren zu optimistische Gewinnerwartungen formuliert worden. Daraufhin wurden die Schätzungen für 1986 auf 12,5 US-Dollar zurückgenommen. Aufgrund der wachsenden Wettbewerbsfähigkeit im Export kann dieses Ergebnis übertroffen werden. Die häufig zu optimistische Sicht der Entwicklung in den vergangenen Jahren hat die Analysten vorsichtig gemacht. Erstmals kann von einer Unterschätzung der Gewinnkraft von IBM durch die Wall Street-Analysten ausgegangen werden. Ein interessantes neues Produkt im CAD/CAM-Bereich: IBM RT PC. IBM versucht hier ein neues Feld zu erobern und in den Wettbewerb kleiner Wachstumsriesen einzudringen, die sich bisher diesen expandierenden Markt teilen konnten. Der US-Umsatz bei computerunterstützten Zeichnen und Konstruieren könnte sich 1986 gegenüber 1984 verdoppeln und bis 1989 nochmal um den Faktor 2,5 zu steigen.

Deutscher Aktienmarkt ist weiterhin labil

Bei einer weiteren Steigerung der Auslandsumsätze, die schon 1985 um 16 Prozent auf 21,55 Milliarden Dollar zugenommen haben (trotz Dollaranstieg im ersten Halbjahr) kann davon ausgegangen werden, daß sich die Ertragsqualität von IBM im laufenden Geschäftsjahr verbessern wird. Dies war 1985 nicht der Fall, nicht zuletzt wegen der beschriebenen Diversifikationsbestrebungen sollte 1986 ein deutlich besseres Ergebnis erwirtschaftet werden. Die Fortsetzung des US-Dollar-Rückgangs wird dies unterstützen.

Nachfolgend einige Gewinnmitteilungen der US-Computerindustrie für das vierte Quartal 1985: Abbott Laboratories 3,88 Dollar nach 3,34 Dollar im Vorjahr, Automatic Data Process 0,68 (0,57) Dollar Digital Equipment Corporation 3,17 (1,81) Dollar. Honeywell Inc. 6,16 (5,10) Dollar, Intel Corporation 0,1 (1,7) Dollar, Data General 0,4 (0,87) Dollar, United Technologies 2,12 (4,90) Dollar.

Apple (2,4 Dollar) konnte sich um sechs Dollar verbessern. Jedoch wurde auch hier die vorausgesehene Kurssteigerung der Aktie durch einen Dollarrückgang um 20 Prozent verwässert. Das Unternehmen konnte trotz Umsatzrückgang kräftig steigende Gewinne vermelden. Das neue Selbstbewußtsein von Apple, Abkehr vom agressiven Wachstum, Hinwendung zu einer mehr gewinnorientierten Geschäftspolitik zeigt sich jedenfalls im Ergebnis des vierten Quartals 1985.

Der deutsche Aktienmarkt befindet sich in einer labilen Phase. Nach dem traditionell guten Januar könnten Februar und März schwierigere Monate werden. Hinzu kommt, daß einige Anleger, die in der ersten Januarhälfte Großbankaktien oder Automobilwerte gekauft haben, schon jetzt nicht unerheblich im Verlust sind (Deutsche Bank fiel von 940 auf 775 Mark).

Bevorstehende Kapitalerhöhungen, wie etwa die Emission der Optionsanleihe der Dresdner Bank mit gut einer (Milliarde Mark Emissionsvolumen werden den Markt zusätzlich belasten (Abzug von Liquidität). Allerdings sind die mittelfristigen Indikatoren, wie etwa das Investment-Verhalten der Fonds oder der Investitionsgrad der Versicherungen weiter positiv. Kurzfristig ist der Markt technisch überreizt. Per Saldo sollte jedoch das Jahr 1986 für den deutschen Aktienmarkt ein gutes Jahr werden.

Der Siemens-Gewinn stieg um fast 50 Prozent auf 1,66 Milliarden Mark. Die Dividende wird von 10 auf 12 Mark erhöht werden. Ein genehmigtes Kapitel von 500 Millionen Mark plus die bestehende Berechtigung zur Ausgabe einer Optionsanleihe, zeigt, daß Siemens bestrebt ist, den Beteiligungserwerb weiter voranzutreiben. Die Aktie ist im Moment aufgrund der fundamentalen Daten (Kurs/-Gewinn-Verhältnis) schwer zu beurteilen. Als preiswerte deutsche Standardaktien wird das Unternehmen zur Zeit von Auslandsanlegern mehr unter Mark-Blickwinkel (Aufwertung) gesehen.

Siemens und Nixdorf steigern Gewinne

Nixdorf wächst weiter. Der Umsatzanstieg um 20 Prozent fiel ähnlich kräftig aus wie im Vorjahr (Steigerung auf 1,5 Milliarden DM nach 1,61). Auch der Jahresüberschuß soll überproportional gestiegen sein. Die Börse bewertet die Aktie mit dem mehr als 30-fachen Gewinn. Das heißt, sie nimmt sehr positive Erwartungen vorweg. Um die gegenwärtige Bewertung mit 570 Mark zu rechtfertigen, wird davon ausgegangen, daß Nixdorf sein Wachstumstempo fortsetzt. Dies wird jedoch bei zunehmender Größe - schon wegen der problematischeren Finanzierungsbedingungen - immer schwieriger. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung wurden um 18 Prozent erhöht. Besondere Anstrengungen werden im Bereich der Vernetzung der Computer-, Büro- und Nachrichtentechnik unternommen. Nixdorf ist zur Zeit ausreichend bezahlt.

Bei Neuengagements sollte jetzt auf Spezialsituationen und Gewinner des ÖIpreisrückgangs gesetzt werden. Besonders aussichtsreich Technologie-Holding Heinrich Industrie (760 Mark Handel in Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg). Kern der Holding sind die Wickmann Werke GmbH. Das Unternehmen fertigt verschiedene elektronische Erzeugnisse. Darunter Bauelemente für die Bereiche Energietechnik und Geräteschutz. Umsatzzuwachs um 20 Prozent und ein kräftiger Gewinnschub für 1986 können erwartet werden.

Neben den Wickmann Werken besitzt Heinrich Industrie, die 51 Prozent der Compononta Elektronik Bauelemente GmbH. Auf die verbleibenden 49 Prozent des Kapitals besteht eine Option. Die Gesellschaft betreibt als Distributor den Großhandel mit elektrischen und elektronischen Bauelementen. 1985 konnte ein durchschnittlicher Ertragszuwachs erwirtschaftet werden. Mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von unter zehn, für das Jahr 1986 geschätzte Ergebnis und weiterhin überdurchschnittlichen Wachstumserwartungen ist Heinrich Industrie niedrig bewertet.

Enka mit Aramitfaser erfolgreich im Rennen

Besonderes Know-how im Bereich der technischen Fasern hat Enka (400 Mark). Die Tochter des niederländischen Textilkonzerns Akzo ist wesentlich an der Entwicklung der Aramitfaser beteiligt. Aramit dient der Beimischung zu Kunststoffprodukten. Die Faser ist fünfmal härter als Stahl und leichter als Aluminium. Wegen einer patentrechtlichen Auseinandersetzung zwischen Akzo/ Enka und Du Pont darf Enka die Aramitprodukte zwar nicht in die USA ausführen, im Gegenzug ist für Du Pont jedoch auch der europäische Markt gesperrt. Der Marktwert für Aramitfaser dürfte 1986 auf fast zwei Milliarden Mark ansteigen.

Als Hersteller von Textilfasern, textilen Garnen sowie technischen Garnen aus Kunststoff profitiert Enka außerdem unmittelbar vom Ölpreisverfall. Die Aktie, die mit dem

etwa zehnfachen Gewinn bewertet ist, sollte deshalb wegen Kostenrückgängen im Rohstoffbereich überdurchschnittlich abschneiden können.

Guter Geschäftsgang bei Knürr

Die Elektronik 2000 Gruppe konnte 1985 ihre Marktposition weiter stärken. Der Auftragseingang verbesserte sich um knapp 40 Prozent auf 141 Millionen Mark. Hierbei schnitt das vierte Quartal besonders gut ab. Positiv zu werten ist, daß dieses Ergebnis während einer Zeit drastischen Preisverfalls für elektronische Bauelemente erwirtschaftet wurde. Einzelne Speicherbausteine verbilligten sich bis zu 80 Prozent. Die Aktie ist mit dem etwa elffachen Gewinn bewertet. Bei der Beurteilung der Umsatzentwicklung ist jedoch zu beachten, daß die neu erworbene Tochter Positron Bauelemente Vertriebs GmbH hierin erstmals enthalten ist. Das vergleichbare Umsatzwachstum in der AG dürfte damit deutlich niedriger ausgefallen sein. Für den Ertrag wird mit einem Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr gerechnet. Die Aktie ist mit 560 Mark ausreichend bewertet.

Ein guter Geschäftsgang zeichnet die Knürr AG aus (215 Mark). Schor binnen der ersten drei Quartale wurde der Vorjahresumsatz fast erreicht. Diese Gesamtleistung konnte bei unterschiedlichem Kostenanstieg (Personalaufwand plus 13,3 Prozent, Sachaufwand plus 21,4 Prozent) erreicht werden. Die Aktie ist mit weniger als dem neunfachen des erwarteten 85er Gewinns bewertet. Laut Auskunft des Vorstandsvorsitzen den Alois Knürr wird sich diese positive Entwicklung im Geschäftsjahr 1986 fortsetzen.

An der Ergebnisverbesserung, zu der im wesentlichen eine rationellere Serienfertigung im Industriemöbelbereich und erhöhter Anteil ertragstarker Standardprodukte beitrugen, sollten auch die Aktionäre teilhaben.

Weniger anfällig als der deutsche Aktienmarkt ist Holland. Allerdings dürfte sich auch hier zunächst eine Marktberuhigung durchsetzen. Durch Steuerrückgänge (wegen des Gaspreisverfalls) entstand im niederländischen Budget ein Loch von mehreren Milliarden Gulden. Die Schließung dieser Lücke dürfte die Kapitalmärkte kurzfristig belasten.

Philips verbessert Ertragslage

Festgehalten werden sollte jedoch an dem immer wieder empfohlenen Philips-Optionsschein. Die Verbesserung der Ertragslage in sämtlichen Unternehmensbereichen macht Philips zu einer aussichtsreichen Daueranlage. Auch das 1983 zusammen mit AT&T gegründete Joint-venture, AT&T und Philips Communications BV in Großbritannien entwickelt sich jetzt besser. In Großbritannien ist die Errichtung eines Werkes zum Bau von Nachrichtenübertragungssystemen geplant.

Der französische Technologiekonzern Thomson CSF vereinbarte eine Zusammenarbeit mit General Elektric Company. Ziel: Die gemeinsame Entwicklung von spezifisch integrierten Schaltkreisen. Die Unternehmen erwarten, daß bis 1990 diese Bauelemente einen Marktanteil von rund 30 Prozent erreichen (heute weniger als 5 Prozent).