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20.08.1993

Viele verschiedene Wege aus der Misere Die Hersteller von Festplatten kaempfen sich durch die Flaute

MUENCHEN (kk) - Dank Windows und damit speicherintensiver Applikationen steigt der Speicherbedarf in Rechnern stetig. Die Vernetzung der PCs sowie neue Anwendungen, etwa im Multimedia-, Audio- und Videobereich, vermehren die Anzahl der zu sichernden Bytes ebenfalls betraechtlich und sollten eigentlich den Herstellern von Festplatten - denn diese sind auch heute noch das gaengigste Speichermedium - dicke Umsaetze und zufriedenstellende Gewinne verschaffen. Doch die Realitaet sieht anders aus.

Die Ergebnisse der Laufwerkhersteller fuer das zweite Quartal 1993 lesen sich wie der Schwanengesang einer sterbenden Industrie: Conner Peripherals meldet einen Verlust von 58,8 Millionen Dollar, die Maxtor Corp. einen von ueber 72 Millionen, Micropolis rutschte mit 2,5 Millionen in die roten Zahlen, und der Wechselplattenhersteller Kalog steht unter Chapter eleven.

Die Digital Equipment GmbH, die in Ingolstadt Festplatten fertigt, veroeffentlicht zwar keine separaten Ergebnisse, ist aber nach Auskunft der Presseabteilung mit dem Geschaeft "auch nicht zufrieden". Vom Allrounder HewlettPackard, der insgesamt ein erfolgreiches Quartal absolvierte, waren ebenfalls keine konkreten Zahlen ueber den Festplattenverkauf zu erfahren. Allerdings bewege man sich zumindest innerhalb der Planzahlen fuer das laufende Jahr. Aehnlich aeussert sich die IBM, fuer deren Tochter Adstar sich neben dem internen Kanal die Moeglichkeit des OEM-Geschaefts eroeffnet hat und die sich dort offensichtlich gut plazieren konnte.

Seagate Technology, nach dem Zukauf von ehemaligen Konkurrenten zum umsatzstaerksten Festplattenhersteller avanciert, meldet fuer das vergangene Quartal einen Gewinn in Hoehe von 33,5 Millionen Dollar. Das positive Ergebnis darf aber nicht darueber hinwegtaeuschen, dass auch bei Seagate die Gewinne wegbrechen und nur mehr 4,4 Prozent des Umsatzes ausmachen. Im Vergleichsquartal des Vorjahres lag diese Quote noch bei 7,6 Prozent.

Auch die Quantum Corp. bewegt sich noch im schwarzen Zahlenbereich und schloss die Dreimonatsperiode mit 3,4 Millionen Dollar Gewinn bei einem Umsatz von 479 Millionen Dollar ab. Damit konnten die Kalifornier aus Milpitas den Vorjahresumsatz von 369 Millionen Dollar um 30 Prozent uebertreffen - allerdings erreichte man damals noch einen Gewinn von ueber 21 Millionen Dollar.

William Miller, frischgebackener CEO der Firma, die von Branchenkennern bis vor kurzem dank ihrer starken finanziellen Position als "Bank unter den Festplattenlieferanten" bezeichnet wurde, kuendigte bei Bekanntgabe der Quartalsergebnisse gleich Sparmassnahmen an. Mit Personalkuerzungen zwischen fuenf und sieben Prozent der weltweit 2100 Arbeitnehmer moechte er die Kosten auf unter zehn Prozent des Umsatzes druecken.

Befragt nach den Gruenden, sind die Hersteller unisono der Meinung, dass der Preisdruck fuer die Misere im Festplattengeschaeft verantwortlich ist. Der Preisverfall resultiert hauptsaechlich aus zwei Komponenten. Zum einen unterbieten sich die Hersteller gegenseitig, um ihre vollen Lager zu raeumen, zum anderen schlaegt der Preiskrieg im Rechnermarkt auch auf die Komponenten durch, das heisst, die PC-Hersteller pressen ihren Zulieferern niedrige Preise ab, um selbst am Markt bestehen zu koennen.

So sind Unternehmen, die den Hauptanteil ihres Umsatzes im OEM- Geschaeft machen, von der wirtschaftlichen Situation der Rechnerhersteller abhaengig. Die Top- Five-OEM-Kunden von Quantum beispielsweise repraesentieren 57 Prozent des Gesamtumsatzes der Firma, wobei Lieferungen an Apple 29 Prozent und an Compaq 14 Prozent ausmachen.

Liefern die Festplattenhersteller mehr ueber Distributoren und Haendler, treffen sie auf ein anderes Phaenomen: Grauimporte. Durch die weltweite Mobilitaet auch der Haendler, die jede Gelegenheit zu guenstigen Einkaufsmoeglichkeiten wahrnehmen, dreht sich die Preisspirale weiter nach unten. Dabei ist die Herkunft der Grauimporte oft nicht nachzuvollziehen. Der Marketing-Leiter eines Muenchner Distributors vermutet, dass die Hersteller manchmal selbst die Festplatten auf den Graumarkt schicken und damit sich und den Distributoren die Margen minimieren.

Ein weiterer Grund fuer die Schwierigkeiten der Festplattenlieferanten liegt in der falschen Produktpolitik. Jock Shaw, Vice-President Europe der Maxtor Corp., erklaert die hohen Verluste seiner Firma damit, dass die Kalifornier aus San Jose zu lange mit den alten Laufwerken am Markt operierten und erst ab August die neuen Produkte anbieten koennen. So verzoegerte sich die Auslieferung des 3,5-Zoll-Laufwerks "MXT-540" mit 540 MB Speicherkapazitaet ebenso wie das 2,5-Zoll-Drive mit 250 MB. Beide kann Maxtor, einst Vorzeigekind der Branche, was zuverlaessige, technisch versierte Geraete betrifft, nun in grossen Stueckzahlen liefern.

Neue Produkte, etwa ein 1,4-GB-Laufwerk oder ein 1-GB-Drive mit zehn Millisekunden Zugriffszeit bei 3,5-Zoll Formfaktor, sollen am oberen Leistungsspektrum den Weg zurueck in die Gewinnzone bringen. Fuer den portablen Rechnermarkt bietet Maxtor ein 105-MB-PCMCIA- Laufwerk im 1,8-Zoll-Format an, das laut Shaw "irgendwann in jedem Tankstellenladen zu kaufen sein wird". Noch 1993 will man die Kapazitaet des Consumer-Produkts auf 250 MB erhoehen. Und auch die Flash-Technologie soll Einzug in Maxtors Produktpolitik halten; Shaw rechnet damit, dass Ende 1994 die ersten Drives damit auf den Markt kommen werden. Im uebrigen schliesst er auch einen Merger nicht aus - allerdings keinesfalls mit einem Mitbewerber.

Die Micropolis Corp., die mit dem "Raidion"-Disk-Array das reine Festplattengeschaeft bereits verlassen hat, geht einen anderen Weg und kehrt zu kostenguenstigen Festplatten mit AT/IDE-Schnittstelle zurueck. Haim Nissimov, Product Manager fuer IDE-Drives des in Chatsworth bei Los Angeles ansaessigen Lieferanten, sieht enorme Wachstumschancen im PC-Markt mit seinem jaehrlichen Bedarf an IDE- Laufwerken von 25 Millionen Stueck. Damit verlaesst Micropolis den traditionellen Bereich der hochkapazitativen Speicherplatten mit SCSI-Schnittstelle und verfeinert die IDE-Technik in Festplatten. Die kuerzlich vorgestellten neuen Produkte bieten Kapazitaeten ueber 1 GB und widerlegen den Mythos, dass IDE-Laufwerke nur bis 500 MB am PC zu betreiben sind.