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16.11.2001 - 

Wie aus Software Dienste werden

Viele Vorschusslorbeeren für Web-Services

Kaum eine Technologie beschäftigt IT-Hersteller und Anwender zurzeit so sehr wie Web-Services. Die Verbindung und Bearbeitung von Daten über System- und Unternehmensgrenzen hinweg könnte ein entscheidendes Element künftigen Softwaredesigns und kommender Geschäftsmodelle sein.

So könnte die Zukunft im E-Business aussehen: Ein Maschinenbauer sucht einen neuen Lieferanten für Schrauben. Der Einkäufer schickt über das Internet eine Anfrage nach Schraubenherstellern an einen zentralen Katalog, wählt aus der zurückgegebenen Liste interessante Anbieter aus und greift direkt auf deren Produktkataloge zu. Entscheidet sich der Einkäufer, platziert er automatisch eine Bestellung beim ausgewählten Anbieter und verbucht diese in seinem Warenwirtschaftssystem. Dabei muss er sich keine Gedanken machen, welche IT-Systeme und Datenformate das eigene Unternehmen, der Zentralkatalog oder der Schraubenhersteller einsetzen.

Einigkeit in allen LagernDiese Vorstellung soll in absehbarer Zeit Realität werden. Web-Services könnten derartige Szenarien ermöglichen - Datenaustausch über alle Applikationsgrenzen und Schnittstellen hinweg.

Obwohl das Potenzial der neuen Technologie noch nicht völlig offen liegt, sollten die Anwender Web-Services daher im Blick behalten. So sieht Ted Schadler von Forrester Research bereits einen klaren Zeitrahmen: Bis 2003 werden seiner Ansicht nach Web-Services in großer Auswahl zu Verfügung stehen. Für 2005 prognostiziert der Analyst ausgereifte Dienste und die allgemeine Verbreitung. Gartner stellt sogar die These auf: "Die Verwendung von Web-Services wird helfen, Kosten zu senken und die Effektivität von IT-Projekten um 30 Prozent steigern."

"Web-Services kommen definitiv", erwartet auch Friedrich Fröschl, Vorsitzender des Bereichsvorstands von Siemens Business Services (SBS). Er unterstrich diese Einschätzung auf einer von der CW veranstalteten Podiumsdiskussion. Widerspruch erntete er nicht. Auch die großen Softwarehersteller sowie das Gros der Analysten sind sich einig: Die Zukunft gehört den Web-basierenden Diensten.

Die Liste der Unternehmen, die Web-Services forcieren, liest sich wie ein "Who is Who" der IT-Branche: Microsoft, Sun Microsystems, IBM, Hewlett-Packard, um nur einige Namen anzuführen. Auch SAP hat sich mittlerweile zu der Technologie bekannt (siehe Seite 22). Dabei scheint über die Lagergrenzen hinweg eine ungewohnte Einigkeit zu herrschen, was die technischen Grundlagen der Web-Services betrifft und wozu sie dienen sollen.

Die bislang vorgestellten Konzepte sind unterschiedlich ausgerichtet. Als populäre Beispiele dienen den Herstellern meist endkundenorientierte Angebote. Im Vordergrund steht dabei die Kommunikation zwischen einem Dienst, etwa einem Terminkalender, und einem Anwender, der diesen Dienst über ein beliebiges Endgerät abruft. So etwa die ersten ".NET-Myservice"-Angebote (früher "Hailstorm") von Microsoft, zu denen auch der umstrittene Authentifizierungsdienst "Passport" gehört.

Ein zweiter Ansatz betrifft die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Applikationen. Web-Services dienen dabei dem automatisierten Datentransfer über proprietäre Schnittstellen hinweg. Die Stichwörter hier lauten Enterprise Application Integration (EAI) und Collaborative Computing.

Obwohl diese Konzepte auf den ersten Blick grundlegend verschieden scheinen, beruhen sie doch auf derselben Technologie. Zentraler Bestandteil der Web-Services ist der noch recht junge Kommunikationsstandard Soap (Simple Object Access Protocol). Soap-Nachrichten bestehen aus in XML (Extensible Markup Language) beschriebenen Daten und nutzen die im Internet üblichen Transportprotokolle wie HTTP (Hypertext Transfer Protocol). Es handelt sich um eine hersteller- und plattformunabhängige Technik zum Austausch strukturierter und getypter Informationen zwischen Programmen.

Anschluss gesuchtEin weiteres wichtiges Element ist die WSDL (Web Services Description Language). Diese beschreibt alle wesentlichen Merkmale eines Web-Service und ermöglicht damit, dass ein Web-Service den anderen "verstehen" und interpretieren kann. Damit Web-Services sich in den Weiten des Internet überhaupt finden, sind zentrale Verzeichnisse (Repositories) nötig. Eines davon ist UDDI (Universal Description, Discovery and Integration), das von Ariba, IBM und Microsoft ins Leben gerufen wurde. Über solche Verzeichnisse können Unternehmen ihre Dienstleistungen inklusive standardisierter Softwarekomponenten anbieten und beschreiben, eingetragene Unternehmen und ihre Dienste lassen sich gegenüber potenziellen Geschäftspartnern zweifelsfrei identifizieren. Eine neue Spezifikation, die "Web Service Inspection", könnte UDDI allerdings zum Teil überflüssig machen (siehe Seite 24).

Jenseits dieser Standards hören die Gemeinsamkeiten auf. Bereits die Nomenklatur spiegelt die übliche Vielfalt am Softwaremarkt wider: Was Microsoft als .NET und .NET Myservices vermarktet, ist bei Sun Microsystems "Sun One" (Sun Open Net Enviroment) und "Services on Demand". Hewlett-Packard, ein Vorreiter des Web-Services-Konzepts, setzt auf "Netaction" und "E-Speak" und stellt sogar den Quellcode öffentlich zur Verfügung. Auch die Open-Source-Gemeinde will unter anderem mit ".GNU" ihr Lizenzmodell in der erwarteten Web-Services-Welt verankern. Doch die offenen Standards wie XML und Soap sollen sicherstellen, dass auch ein .NET-basierender Web-Service mit einem Service-on-Demand der Sun-Welt kommunizieren kann. Die Hersteller von Java-Application-Servern werben damit, dass mit Hilfe der Web-Services auch eine Verbindung zwischen Java und .NET möglich sein wird.

Keiner Plattform verpflichtetEin wichtiger Vorteil, den Web-Services gegenüber anderen Modellen für verteilte Applikationen haben, ist ihre Plattformunabhängigkeit. Am Beispiel eines auf dieser Technik beruhenden Kalenders werden die Vorzüge deutlich: Der Anwender kann im Büro mittels Lotus Notes und unterwegs mit der Kalenderanwendung des Palm- oder Psion-PDA (Personal Digital Assistant) oder auch mit einem Handy-internen Terminplaner auf seine Kalenderdaten zugreifen - sofern diese Applikationen Web-Service-fähig sind. Anders als beim Application-Service-Providing (ASP) wird dabei nicht eine vollständige Kalendersoftware über das Netz zur Verfügung gestellt. Vielmehr wird nur der Inhalt des Kalenders als Web-Service übertragen - unabhängig von den Schnittstellen und nativen Datenformaten der jeweiligen Kalenderapplikation.

Durch diese Fähigkeit eröffnen sich Potenziale, die weit über die Größenordnung eines einfachen Calendaring hinausgehen. Bereiche, die bis dato von proprietären Systemen dominiert wurden, sollen nach Ansicht vieler Analysten bald von Web-Services abgedeckt werden. Das kann bis zu Geschäftsprozessen und Transaktionen über Unternehmensgrenzen hinaus reichen. Hier bestimmen heute zum Beispiel EDI (Electronic Data Interchange)-Systeme die elektronische Kommunikation. EDI-Verbindungen müssen explizit zwischen zwei DV-Systemen eingerichtet werden. Im Gegensatz dazu benötigt der Web-Services-Ansatz keine fest definierte Verbindung, sondern nur eine Beschreibung, was zwei potenzielle Geschäftspartner voneinander wissen und welche Daten sie dem Gegenüber zur Verfügung stellen möchten. Ein Web-Service, der Katalogdaten beim Zulieferer ausliest, kann das unabhängig davon machen, ob zu diesem Lieferanten bereits eine Geschäftsbeziehung besteht - sofern beide Seiten ihre Daten und Anfragen als Web-Service definiert haben. Über Verzeichnisse wie UDDI finden sie zueinander. Web-Services könnten so die Tür für neue Geschäftsbeziehungen öffnen.

Auch EAI können Web-Services um neue, einfachere Ansätze ergänzen und die Komposition des IT-Systems aus den jeweils besten Produkten verschiedener Anbieter (Best of Breed) erleichtern. Vorstellbar und auch schon vereinzelt eingeführt ist ein Web-Service-Layer, der die proprietären Middleware-Systeme auf eine einheitliche Kommunikationsbasis stellt. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Service aus dem Intranet, Extranet oder Internet kommt.

So umfangreich wie die Einsatzgebiete sind auch die Geschäftsmodelle, die sich aus der Technik ergeben können. Ausführlich befasste sich unter anderen die Giga Information Group mit diesem Aspekt. Auf der Seite der Anwender sehen die Marktbeobachter vor allem den Punkt "Kostensenkungen". Durch die einfacheren Kommunikationsmechanismen sollen umfangreichere Self-Service-Angebote im Internet oder Verbesserungen der internen Geschäftsprozesse entstehen. Auch könnte eine Branche aus Web-Service-Providern entstehen.

So viel zur Theorie: Die Erfahrungen der "offenen" Standards im Internet haben gezeigt, dass nicht alle Hersteller wirklich an einer Offenheit interessiert sind. Vielmehr werden Standards immer wieder um proprietäre Elemente "erweitert". Die Folge ist zum Beispiel, dass nicht jeder Browser jede Website korrekt anzeigen kann. Dementsprechend sind auch Web-Services noch lange nicht den Kinderschuhen entwachsen - ihnen könnte ein ähnliches Schicksal drohen.

Jan Schulzejschulze@computerwoche.de

Kampf um EntwicklerWeb-Services sind Komponenten oder Funktionen, auf die über einen standardisierten Satz aus Protokollen und Datenformaten zugegriffen werden kann. Letzterer könnte Kommunikationsprotokolle wie DCOM (Distributed Component Object Model) oder Corba (Common Object Request Broker Architecture) obsolet machen sowie eine Brücke zwischen Java und .NET bauen helfen.

Hersteller wie Sun und Microsoft buhlen nun um die Gunst der Softwareentwickler, die Web-Services für die eigenen Produkte erstellen sollen. So stellten die Redmonder kürzlich den Release Candidate ihrer Entwicklungssuite "Visual Studio .NET" vor (siehe CW 45/01, Seite 16). Diese soll zunächst kostenlos verfügbar sein. Abgerechnet wird erst, wenn mit dem Entwicklungs-Tool kommerziell verwertbare Web-Services entstanden sind. Sun hatte zuvor ein "Sun One Starter Kit" präsentiert. Es scheint Eile geboten, hat doch eine Umfrage von Evans Data unter amerikanischen Softwareentwicklern jüngst ergeben, dass 63 Prozent der Antwortenden sich im nächsten Jahr Web-Service-fähigen Anwendungen zuwenden wollen.