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16.06.1989 - 

Möglichkeiten der Datenkommunikation im digitalen Netz:

Viele Wege führen ins diensteintegrierende Netz

Inzwischen sind die ersten ISDN-Vermittlungsstellen mit einigen tausend Anschlüssen im Fernmeldenetz der Deutschen Bundespost in Betrieb gegangen. Sie bilden den Kern des digitalen Universalnetzes für die Übertragung von Sprache, Text, Bildern und Daten. Die Auswirkungen von ISDN auf die zukünftige Sprach-, Text- und Bildkommunikation sind weitgehend bekannt: bessere Qualität und mehr Leistungsmerkmale sowie eine schnellere Übertragung bei Teletex, Bildschirmtext und Telefax. Weniger bekannt sind die Vorzüge für die Datenkommunikation im ISDN.

Viele Unternehmern, die eine Umstellung ihrer Datenfernverarbeitung auf ISDN prüfen, stehen zur Zeit vor einer Reihe von Fragen:

- Welche Vorteile bietet ISDN für die Datenkommunikation?

- Wie umfangreich ist die Systemkonfiguration zu ändern?

- Kann man die bisherige Anschlußtechnik weiterverwenden?

- In welchen Fällen rechnet sich ein Umsteigen auf ISDN?

Die erste Frage ist schnell beantwortet. ISDN bietet verglichen mit dem Nebeneinander verschiedener inkompatibler Techniken im heutigen IDN ein nahezu idyllisches Bild:

- Standard-Schnittstelle: Die S(O)-Schnittstelle ist im ISDN der einheitliche Standard.

- Einfache Anschlußtechnik: An eine busfähige S(O)-Schnittstelle kann man mit Hilfe einfacher Steckverbindungen bis zu acht verschiedene ISDN-Endgeräte anschließen.

- Hohe Übertragungsgeschwindigkeit: Die Standard-Geschwindigkeit ist mit 64 KBit/s deutlich höher als bisher im IDN.

- Wirtschaftlichkeit: Nutzt man die gebotenen 64 KBit/s für die Datenübertragung im vollen Umfang, so ist ISDN deutlich kostengünstiger verglichen mit IDN.

Die drei wichtigsten ISDN-Einstiegsmöglichkeiten

Wer seine Datenfernverarbeitung in Zukunft über ISDN plant, sollte die drei wichtigsten Einstiegsmöglichkeiten kennen:

- ISDN-Direktanschluß,

- Anschluß über Terminaladapter der Post,

- Anschluß über ISDN-Front-end-Systeme.

Mit einem ISDN-Direktanschluß kann man die Vorteile der höheren Übertragungsgeschwindigkeit und der Gebührensenkung am besten nutzen. Er erfordert jedoch immer eine mehr oder weniger umfangreiche Neu-Konfigurierung der bestehenden Hardware und Software.

Die beiden anderen Möglichkeiten bieten den Vorteil, daß man auch Systemkonfigurationen ohne S(O)-Schnittstelle an das ISDN anschließen kann. In vielen Fällen erreicht man damit jedoch nicht die maximal mögliche Übertragungsgeschwindigkeit und die mximal erzielbaren Gebührenvorteile.

Ein ISDN-Direktanschluß ist auf lange Sicht sicherlich die optimale Lösung. Der einzige Pferdefuß dabei ist: Es gibt zur Zeit kaum eine freigegebene Lösung. Entweder sind die Interface-Karten und Software-Treiber in den Labors der Hersteller noch in der Entwicklung beziehungsweise Erprobung oder aber die Produkte speziell ISDN-Karten für PCs - sind zur Zeit beim ZZF in Saarbrücken in der Zulassungswarteschlange. Aus diesen Gründen wird man sich bei vielen Systemen mit einem ISDN-Direktanschluß noch eine Zeitlang gedulden müssen.

Ein ISDN-Direktanschluß erfordert eine Erweiterung der Systemkonfiguration um neue Hardware-Interfaces und passende Software-Treiber. Die meisten Hersteller planen, die für ISDN notwendigen Erweiterungen auf den systemnahen Bereich zu beschränken. Das heißt die Installation eines ISDN-Direktanschlusses würde lediglich eine Neu-Konfigurierung der Hardware und der Kommunikationssoftware nach sich ziehen. Die Schnittstellen zu den Anwendungen sollen unverändert bleiben. Dadurch können bisherige Kommunikationsanwendungen auch im ISDN weiterverwendet werden.

Die Grundkonfiguration von Verarbeitungsrechnern mit einem ISDN-Direktanschluß ist im Bild 1 dargestellt.

Terminaladapter oder Front-end-System?

Wer für seinen Verarbeitungsrechner keinen ISDN-Direktanschluß erhält, der kann ihn auch über bisherige Schnittstellen (V.24, X.21 bis, X.21 und X.25) an das ISDN anschließen. Dabei kann man zwischen verschiedenen Terminaladaptern der Post und Front-end-Systemen privater Anbieter wählen.

Die Terminaladapter der Post sind fest programmierte Schnittstellen- und Protokollumsetzer, die in genau spezifizierten Netzwerkkonfigurationen einsetzbar sind.

ISDN-Front-end-Systeme sind dagegen frei programmierbare, bei Bedarf an spezielle Konfigurationen anpaßbare Kommunikationsrechner. Sie konvertieren Schnittstellen und Protokolle flexibel für die jeweilige Netzwerkkonfiguration und optimieren die im ISDN gebotenen Gebührenvorteile.

Drei verschiedene Terminaladapter im Angebot

Die Post wird drei verschiedene Terminaladapter anbieten:

- TA a/b - für Datenendgeräte mit V.24-Schnittstelle,

- TA X.21 für Datenendgeräte mit X. 2 1 -Schnittstelle,

- TA X.25 - für Datenendgeräte mit X.25-Schnittstelle.

Einsatzmöglichkeiten dieser drei Adapter sind in den Bildern 2, 3 und 4 dargestellt.

Der TA a/b erlaubt einen transparenten Anschluß von Endgeräten an das ISDN, die mit V.24-Schnittstelle und Modems für einen Betrieb im analogen Telefonnetz zugelassen sind. Durch die begrenzte Übertragungsgeschwindigkeit gehen die Geschwindigkeits- und Gebührenvorteile des ISDN vollständig verloren. Der TA a/b im ISDN ist vergleichbar mit einem Viertelliter-Zweitaktmotor in einem Automobil der neunziger Jahre. Dennoch ist der TA a/b in einer Übergangszeit das Bindeglied zwischen analoger und digitaler Übertragungstechnik. Der TA X.21 erlaubt einen transparenten Anschluß von Systemen mit X.21-Schnittstelle in den Geschwindigkeitsklassen 2400 Bit/s und 64 KBit/s an das ISDN. Die 2400-Bit/s-Version transformiert die Geschwindigkeit in einem zweistufigen Verfahren auf die 64 KBit/s des ISDN. Dadurch gehen jedoch - wie beim TA a/b - die Geschwindigkeits- und Gebührenvorteile des ISDN verloren, während die 64-KBit/s-Version des TA X.21 diese Vorteile nutzt.

Der TA X.25 ermöglicht Endgeräten mit X.25-Schnittstelle in den Geschwindigkeitsklassen 2400, 4800 und 9600 Bit/s einen transparenten Zugang zum Datex-P-Netz über das ISDN. Das heißt, bisherige X.25-Systemkonfigurationen können mit dem TA X.25 ohne Änderungen weiter genutzt werden. Man zahlt auch nach wie vor Gebühren für die Datex-P-Nutzung. Geschwindigkeits- und Gebührenvorteile von ISDN sind mit dem TA X.25 nicht erreichbar.

Auch private Front-end-Systeme möglich

Eine flexible Möglichkeit, ISDN schnell und ohne Änderung bisheriger Hardware- und Softwarekonfigurationen für die Datenkommunikation zu nutzen, bieten private Front-end-Systeme. Sie unterstützen ISDN-Verbindungen zwischen Verarbeitungsrechnern, die selbst über keinen ISDN-Direktanschluß verfügen. Das soll am Beispiel eines X.25/ ISDN-Front-end-Systems verdeutlicht werden.

Anders als der TA X.25 der Post erlaubt das X.25/IDSN-Front-end-System, Datex-P vollständig durch ISDN zu ersetzen. Das heißt, anstelle der Gebühren für die Datex-P-Nutzung zahlt man zukünftig Gebühren für die ISDN-Nutzung. Die beim Umsteigen von Datex-P auf ISDN erforderliche Umsetzung der Protokolle und Rufnummern übernimmt die Software des Front-end-Systems.

Gebührenvorteile bringt dieser ISDN-Einstieg insbesondere bei Stapelübertragung (File- und Jobtransfer) sowohl im Ortsnetz- als auch im Fernbereich. Bei Dialoganwendungen im Fernbereich ist Datex-P aufgrund seiner Volumengebühr nach wie vor die gebührengünstigere Lösung. Bild 5 zeigt ein Konfigurationsbeispiel mit dem X.25/ISDN-Front-end-System.

Die Hardware des X.25/ISDN-Front-end-System basiert auf einem PC/AT nach Industriestandard mit X.25- und ISDN-Schnittstelle. Die Software ist unter MS-DOS ablauffähig. Sie steuert den Verbindungsaufbau und -abbau im ISDN-D-Kanal, kontrolliert den Datenfluß im B-Kanal und koordiniert die Abläufe im ISDN-D- und B-Kanal. Bild 6 gibt einen Überblick über die Softwarekonfiguration.

Erhebliche Gebührenvorteile bei Front-end-Systemen

Der Einsatz eines Front-end-Systems rechnet sich immer dann, wenn größere Datenmengen im Stapelbetrieb (Filetransfer, Remote Job Entry) zwischen den beteiligten Verarbeitungsrechnern zu übertragen sind. Ein solcher Betrieb läßt sich wie folgt charakterisieren:

- kurze Verbindungsdauer,

- hoher Datendurchsatz.

In solchen Fällen bietet ISDN verglichen mit Datex-P je nach Anwendung erhebliche Gebührenvorteile. Das soll die folgende Modellrechnung verdeutlichen. Bei einem Anschaffungspreis von zirka 10 000 Mark pro Front-end-System und einem Abschreibungszeitraum von drei Jahren ergeben sich monatliche Kosten in Höhe von 2 7 8 Mark.

Verglichen werden die monatlichen Kosten (Grundgebühren und Nutzungsgebühren) von Datex-P mit 9600 Bit/s und ISDN unter Zwischenschaltung von zwei X.25/ISDN-Front-end-Systemen.

ISDN bei monatlichen Grundgebühren günstiger als Datex-P

Bereits bei Vergleich der monatlichen Grundgebühren schneidet ISDN günstiger als Datex-P ab: Die festen Kosten können um 21 Prozent

gesenkt werden.

Bilanz bei monatlichen Nutzungsgebühren günstiger

Weitaus günstiger sieht die Bilanz bei den monatlichen Nutzungsgebühren aus. Basis für die Berechnung ist ein Filetransfer in der Tarifzone über 100 km, der 500 Gebührensegmente im Datex-P-Netz erzeugt. Damit läßt sich - inklusive Protokolloverhead - ein File mit zirka 20 KByte Nutzdaten übertragen. Der Vergleich ergibt eine Reduzierung der monatlichen Gebühren um 60 Prozent beim Umsteigen auf ISDN:

Verdoppelt man die Übertragungsgeschwindigkeit der lokalen X.25-Verbindung zwischen Verarbeitungsrechner und Front-end-System von 9600 auf 19 200 Bit/s, so verkürzt das den Filetransfer auf nur noch zwei Gebühreneinheiten. Damit lassen sich die ISDN-Nutzungsgebühren sogar um 74 Prozent gegenüber Datex-P reduzieren. Zusätzlich zur Kostenersparnis ergibt sich mit 19 200 Bit/s eine erhebliche Zeitersparnis. Dies allein kann bei großen Datenmengen ein entscheidendes Argument für ein Umsteigen auf ISDN sein.

ISDN bietet im Bereich der Datenkommunikation eine Reihe von Vorzügen verglichen mit den bisherigen Datennetzen. Für Unternehmen, die diese Vorzüge kurzfristig nutzen möchten, obgleich für ihren Verarbeitungsrechner derzeit kein ISDN-Direktanschluß verfügbar ist, bietet sich der Einsatz eines Front-end-Systems an. Damit lassen sich - verglichen mit den TAs der Post - erhebliche Gebühren- und Geschwindigkeitsvorteile erzielen, ohne daß man bestehende Hardware- und Softwarekonfigurationen ändern muß.