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07.05.1993 - 

Effiziente Netzstruktur als Wettbewerbsvorteil

Vielseitige DUe-Medien raeumen erhoehten Funktionsumfang ein

Die Organisations- und DV-Bereiche der Unternehmen haben heute ein staendig wachsendes Aufgabenpaket zu bewaeltigen. Unter anderem wird von Unternehmensberatern die Umstellung von einer zentral orientierten DV (Host- beziehungsweise Rechenzentrumsbetriebauf eine dezentrale und verteilte Informationsverarbeitung (Distributed Computing, Client-Server-Architekturen) als eine der wesentlichen Aufgaben im Bereich des Informations-Managements in diesem Jahrzehnt gesehen. Weiterhin sind betriebliche Prioritaetsbereiche in die DV-Unterstuetzung zu integrieren:

- Finanz- und Rechnungswesen,

- Vertriebssteuerung, Auftragsabwicklung, Materialwirtschaft,

- Controlling und

- Personalwesen.

Die Uebertragungskosten belasten das Netzbudget

Ausserdem sind neue Anwendungen wie die Integration von Computer Aided Design (CAD), Computer Integrated Manufacturing (CIM), Computer Aided Quality Control (CAQ) sowie die Unterstuetzung von schnellen LAN-WAN-LAN-Kopplungen zu realisieren. Dabei sehen sich die verantwortlichen IT-Manager der schwierigen Situation ausgesetzt, steigende Anforderungen mit einem nur wenig wachsenden oder sogar stagnierenden Budget zu bewaeltigen. Neben dem Downsizing bieten die Implementierung von offenen Systemen (Herstellerunabhaengigkeit, Standard-Schnittstellen, reduzierter Betreuungsaufwand) und ein kostenoptimiertes Netzdesign entsprechende Loesungsansaetze.

Ein wesentlicher Anteil des Budgets fuer DV und Datenuebertragung liegt in den anfallenden Uebertragungskosten fuer die LAN-WAN-LAN- Netze. Eine Problembewaeltigung durch Outsourcing, das heisst durch die komplette Uebergabe der informationstechnischen Infrastruktur an einen Dienstleister, ist mit dem Nachteil einer starken wirtschaftlichen und technologischen Abhaengigkeit verbunden, die nicht so einfach

wieder rueckgaengig zu machen ist. Hinzu kommt ein Know-how und - Erfahrungsverlust durch Personalabbau und eine Einbusse an Flexibilitaet bezueglich unternehmensspezifischer Prioritaeten. All das ist wohl mit ausschlaggebend dafuer, dass Banken und Sparkassen eigene flaechendeckende Netze betreiben beziehungsweise dabei sind, derartige Strukturen aufzubauen, um nicht nur die Folgekosten zu reduzieren, sondern auch hoehere Performance bei stagnierendem Budget zu erzielen.

Elementar ist dabei die effektive Nutzung guenstiger Uebertragungsmedien (ISDN, Datex-P, Monopoluebertragungswege).

Dies zeigen die folgenden Netzbeispiele deutlich: Durch die Telekom-Gebuehrenstrukturreform 1992 ergaben sich fuer die West LB allein im Ortsnetz Duesseldorf Zusatzkosten fuer Datenleitungen in Hoehe von 400 000 Mark im Jahr und bei den Sprachleitungen in Hoehe von 1,1 Million Mark. Aufgrund eines eigenen Datennetzes konnte die West LB flexibel reagieren und durch eine Aenderungskuendigung aller Datendirektverbindungen (DDV) im Ortsbereich in Monopoluebertragungswege (MUEW) sogar eine Kostenreduktion von 500 000 Mark erzielen.

Im Rahmen eines eigenen Corporate Networks lassen sich mit folgenden Mitteln Kosten reduzieren:

- Die Nutzung von Monopoluebertragungswegen sowie ISDN ueber Waehlverbindungen kommt billiger als die Kommunikation ueber DDV.

- Beim Aufbau eines eigenen Netzes koennen vorhandene herstellerspezifische DV-Systeme integriert und so die bereits getaetigten Investitionen geschuetzt werden.

- Der Einsatz von Datenkompressionsverfahren und Frame Relay erlaubt eine bessere Ausnutzung der gemieteten Leitungen. Die Kosten fuer entsprechende Module amortisieren sich in relativ kurzer Zeit.

- Ein offenes standardisiertes und zentrales Netz-Management unterstuetzt die Netzauslegung nach den genannten Kriterien und bietet die Moeglichkeit der Optimierung nach Kosten- und Performance-Gesichtspunkten. Alarm-Handling und Serviceunterstuetzung sorgen fuer eine hohe Netzverfuegbarkeit.

- Die Weiterbildung des eigenen Personals fuehrt zu einer effektiveren Netzbetreuung, erlaubt die Auslegung des Netzes nach unternehmensspezifischen Kriterien und ermoeglicht damit ein unabhaengiges und flexibles Handeln in Anlehnung an die eingangs formulierten Unternehmensziele (Kundennaehe, Erhoehung der Produktqualitaet, internationale Praesenz).

Multimedia ist bei Netzplanung zu beachten

Die kuenftige Integration von Daten, Sprache, Fax, Bild- und Videoinformationen in ein globales Kommunikationsnetz erfordert neue strategische Planungen in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Die Flexibilitaet eines Unternehmens, einer Branche oder eines ganzen Wirtschaftszweiges kann gesteigert werden, wenn alle wichtigen Informationen intern und extern zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfuegbar sind. Diese Zielsetzung laesst sich mit integrierten Netzen realiseren, die die oben genannten Anwendungen mit Packet Switching, Circuit Switching und Cell Switching (ATM) in einem TK-Netz zulassen.

Eine nach den aufgezaehlten Kriterien vorgenommene Netzoptimierung spart Mittel ein, die zum Beispiel zur Finanzierung von folgenden Funktionalitaeten verplant werden koennen:

- Encryption: Die Verschluesselung der Daten schuetzt vor unbefugtem Zugang. Durch haeufige Nutzung der Encryption-Funktion amortisiert sich die Anschaffung entsprechender Module in kurzer Zeit. Ein Dienstleister wuerde jede Nutzung dieser Mehrwertfunktion in Rechnung stellen.

- Sprach-Fax-Integration: Sprach-Fax-Module bieten die Moeglichkeit, einen Teil des Fernsprech- und Faksimileverkehrs kostenguenstig ueber paketorientierte Netze abzuwickeln. Vorhandene gemietete Leitungen werden so besser ausgenutzt.

- Video-Conferencing: Besprechungen und Meetings zur schnellen Entscheidungsfindung ohne aufwendige und kostspielige Reiseaktivitaeten koennen weltweit durchgefuehrt werden.

- ATM-Backbone-Netze: Durch den Aufbau von ATM-Backbone-Netzen koennen Hochgeschwindigkeits- Medien, wie 34-Mbit/s-Leitungen, FDDI, DQDB und Breitband-ISDN unterstuetzt sowie die Uebertragung von paketorientierten Daten und isochronen Diensten wie Sprach- und Videouebertragung mit konstanter Bitrate realisiert werden. Integrierte Netze mit ATM-Technologie erlauben die flexible und kostenguenstige Realisierung aller Anwendungen in nur einem TK-Netz mit Packet Switching, Circuit Switching und Cell Switching in einem System.

Erscheint der Aufwand im eigenen Unternehmen fuer Netzfuehrung und -wartung zu hoch, so koennen alle aufgefuehrten Vorteile eines eigenen Corporate Networks genutzt werden, waehrend die Netzfuehrung und die -wartung mit 24-Stunden-Service einem LAN-WAN-Spezialisten ueberlassen wird.

In allen einschlaegigen aktuellen Veroeffentlichungen wird die Forderung nach einem einheitlichen Management-System fuer alle Komponenten einer oft heterogenen DV-Landschaft erhoben. Die Gruende dafuer liegen sicherlich in den immer komplexer werdenden Strukturen sowohl auf der Rechnerseite (Client-Server- Architekturen) als auch in der wachsenden Vernetzung von sehr vielen intelligenten Arbeitsplaetzen und der notwendigen Kopplung unterschiedlicher Rechner und Netze. Unter anderem rechnet man damit, dass sich allein die Zahl der vernetzten PCs in den naechsten fuenf Jahren verzehnfachen wird. Kommunikationsnetze werden immer mehr zum Lebensnerv von Firmen, da sie Wettbewerbsvorteile durch Information beziehungsweise ihre Verarbeitung sichern.

Deutscher Bundestag setzt auf ISDN und X.25

Die Kosten fuer ein komfortables Netz-Management stehen beispielsweise in keinem Verhaeltnis zu dem Verlust, den ein Produktionsausfall verursachen kann.

Fuer die Implementierung eines adaequaten Netz-Managements spricht ausserdem, dadie Verwaltung eines Netzes mit herkoemmlichen Mitteln viele Routinetaetigkeiten enthaelt, fehleranfaellig ist und die Sicherheitsprobleme mit dem Netz wachsen. Ein Management-System soll idealerweise auf Knopfdruck alle Informationen ueber Rechner, Anwendungen und Datenuebertragung liefern und den Betreiber in die Lage versetzen, von einem Arbeitsplatz aus alle Anwendungen zu steuern und bedienen.

Anhand von Beispielen sollen die hier skizzierten Vorteile eines eigenen unternehmensweiten Netzes veranschaulicht werden. Unter anderem werden zukunftsorientierte Ausbaustufen unterschiedlich komplexer Netztechnologien aufgezeigt.

Zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Abgeordneten wurde ein ISDN-Netz fuer den Deutschen Bundestag realisiert. Das Ergebnis der Bedarfsanalyse muendete im Projekt Parlakom (Parlamentskommunikation). Dieses Projekt beinhaltet neben der PC- Ausstattung der Abgeordneten in Bonn und im Wahlkreis auch die Einfuehrung von ISDN zur Uebertragung von Sprache, Text und Daten im Deutschen Bundestag. Auf dieser Grundlage umfasst das ISDN-Netz derzeit in Bonn vier vernetzte Hicom-Anlagen mit rund 3000 Ports. In Berlin wurde eine Hicom-Anlage mit rund 350 Ports installiert. Diese ist mit den Anlagen in Bonn ebenfalls ueber eine S2M-Strecke gekoppelt.

Waehrend des Netzausbaus stellte sich heraus, dass die Datenbankabfrage auf Basis der MSV1-Prozedur fuer die geplanten Anforderungen im Bereich des Bundestages nicht ausreichte. So sollten von den Abgeordnetenbueros das DV-System der jeweiligen Fraktion, aber auch zukuenftige DV-Server der Ausschuesse wie auch geplante neue Dienste erreicht werden koennen. Mit diesen Anforderungen fiel die Entscheidung, standardisierte X.25- Modalitaeten zu nutzen. Dabei war natuerlich die Integration in vorhandene ISDN-Modalitaeten sicherzustellen. Seit Dezember 1991 ist die Anbindung der X.25-Switches von Datus an die Hicom-TK- Anlage mit S2M-Strecken realisiert. Hierdurch konnte erstmals ein Teilabschnitt des Netzes durch eine standardisierte ISDN- Schnittstelle gestaltet werden.

Ein weiterer Vorteil dieser Verbindung ist die Erhoehung der X.25- Geschwindigkeit mit 64 Kbit/s vom PC bis zum Zielrechner. Infolge der stetig steigenden Zahl von DV-Servern und Anwendungen im Deutschen Bundestag gewinnt das X.25-Netz als Grundlage fuer neue Dienste wie X.400-MHS oder Ticker-Dienst zunehmend an Bedeutung und wird zusammen mit dem ISDN-Netz weiter ausgebaut. Derzeit sind sieben X.25-Switches, die untereinander mittels LLC2 verbunden sind, mit 19 S2M-Strecken im Einsatz.

1986 entschloss sich die Deutsche Bundesbahn (DB), als Basis ihrer zukuenftigen Text- und Datenkommunikation ein neues bundesbahneigenes Netz in Paketvermittlungstechnik zu errichten. Fuer dieses Netz, das inzwischen auch auf das Gebiet der Deutschen Reichsbahn erweitert wurde, sind derzeit etwa 550 Netzknoten installiert. In einer vorlaeufigen Endausbaustufe mit rund 720 Netzknoten und mehr als 8000 Teilnehmeranschluessen wird dieses Netz dem wachsenden Kommunikationsbedarf der deutschen Bahnen gerecht und ist damit eines der groessten privaten Paketvermittlungsnetze in Europa. Anwendungen wie der Fahrkartenverkauf, die Platzreservierung, das Fahrplan- und Verkehrsauskunfts-System, ein Echtzeit-Steuersystem fuer die Bahnstromversorgung sowie ein Dispositionssystem im kombinierten Ladeverkehr sind Beispiele fuer die vielfaeltige Nutzung der Netzinfrastruktur.

Der Entscheidung fuer X.25 lag neben einer positiven Performance- Analyse die Moeglichkeit zugrunde, internationale Normen und Vereinbarungen einzuhalten (X.3/X.25, X.28/X.29). Weiterhin ist im DB-Netz die Forderung nach Unterstuetzung des netzinternen X.75- Protokolls realisiert. Neben dem weiteren Ausbau des integrierten Netzes (neue Trassen und Verlegung von Lichtwellenleiter-Strecken, Integration weiterer Anwendungen) arbeiten die beiden deutschen Bahnen gegenwaertig daran, ein einheitliches TK-Netz aufzubauen. Mit dem bahneigenen ISDN werden auch neue Moeglichkeiten zur Datenfernuebertragung geschaffen, indem man zwischen den IN-Knoten 64-Kbit/s-Kanaele aus dem ISDN nutzt. Andere Projekte bezwecken die Kopplung der Netze der europaeischen Bahnen. Ein europaeisches Gesamtnetz der Bahnen ist wohl kein allzu fernes Ziel mehr.

Fazit: Die Beispiele zeigen die Notwendigkeit der Integration vielfaeltiger und unterschiedlicher Anwendungen, die bisher in verschiedenen Netzen umgesetzt werden. Ein effizientes Informations-Management ist fuer alle Unternehmen weltweit wettbewerbsentscheidend. Dabei ist der Ausbau der Corporate Networks unter Gesichtspunkten der Kostenoptimierung zu realisieren. Hierzu gehoert unter anderem die Sprachintegration in paketorientierte Netze sowie weltweites Video-Conferencing, um beispielsweise Meetings zur schnellen Entscheidungsfindung ohne aufwendige und kostspielige Reiseaktivitaeten durchzufuehren. Derartige Kommunikationsanforderungen in Client-Server-Architekturen und mit schneller LAN-WAN-LAN-Kopplung lassen sich effizient und mit hohem Qualitaetsstandard nur in unternehmensweiten Corporate Networks realisieren.

*Diplomingenieur Josef Stuhldreier ist Leiter des nationalen sowie internationalen Vertriebs bei der Datus elektronische Informationssysteme GmbH, Aachen. Gerhard Friese ist Leiter Public Relations, Training und technische Dokumentation im selben Unternehmen.

Vorteile eines eigenen integrierten Unternehmensnetzes

- Flaechendeckender Netzausbau nach unternehmensspezifischen Leitlinien und Prioritaeten (spezifische Flaechendeckung, Integration von Backup-Rechenzentren, internationale Anbindung etc.);

- Kostenersparnis gegenueber alter Netzstruktur durch transparentes und flexibles Netzdesign;

- Performance-Steigerung trotz Kostenreduktion;

- Investitionsschutz durch Integration vorhandener herstellerspezifischer DV-Strukturen (spezielle Protokolle und Anwendungen);

- Nutzung der guenstigsten Uebertragungswege bei Realisierung aller Anforderungen;

- Unabhaengigkeit und Flexibilitaet in bezug auf neue Netztechnologien (ISDN, Frame Relay, ATM etc.) und die Reaktion auf negative Veraenderung der Gebuehrenstruktur;

- hohe Netzverfuegbarkeit und -kompetenz durch gut geschultes Personal, das entsprechend weiterqualifiziert wird (Job Enrichement);

- optimale Netzauslastung und -verfuegbarkeit durch den Aufbau integrierter Netze (Daten, Sprache, Video in einem Netz) sowie

- zentrales eigenes Netz-Management mit Design- und Planungshilfen fuer stetige Netzoptimierung nach Kosten- und Performance- Gesichtspunkten.

Abb: Bankennetz (Ausschnitt aus Gesamtnetz). Quelle: Datus GmbH