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07.06.2002 - 

Das Ende der Fragmentierung ist absehbar

Vier Distributionen - ein Linux

MÜNCHEN (ls) - Vier Linux-Distributoren unter Federführung von Suse wollen mit "United Linux" bereits im November ein einheitliches quelloffenes Betriebssystem für Unternehmens-Server auf den Markt bringen.

Die US-amerikanischen Unternehmen Caldera International Inc. und Turbolinux Inc., die brasilianische Conectiva S.A. sowie die deutsche Suse Linux AG werden eine einheitliche Linux-Version zur Grundlage ihrer Pakete machen. Dieses United Linux wird auf den Standards LSB und Lin18ux basieren. Es soll 32- und 64-Bit-Prozessoren von Intel und AMD sowie IBMs gesamte E-Server-Reihe unterstützen. Noch im November dieses Jahres könnte das fertige Produkt auf den Markt kommen.

Das Server-Betriebssystem United Linux soll Anwendern, Distributoren und Softwarehäusern gleichermaßen Vorteile bringen. Es erscheint in den wichtigsten Sprachen, wovon vor allem Unternehmen profitieren dürften, die global agieren. Sie können Support und Training von jedem der vier Anbieter des Gemeinschafts-Linux bekommen. In Europa wäre der Ansprechpartner in erster Linie Suse, im Fernen Osten Turbolinux, in Lateinamerika Conectiva und in Nordamerika Caldera, das über ein weltweites Partnernetz aus dem SCO-Erbe verfügt.

Die Distributoren haben den Vorteil, ihre Entwicklungsaufwendungen für das Betriebssystem verringern zu können. Sie werden künftig ihre Pakete mit dem Zusatz "powered by United Linux" verkaufen. Darin ist jeweils das Betriebssystem identisch, während die Anbieter über Zusätze und spezielle Features, auf die sie sich jetzt konzentrieren können, konkurrieren.

Schließlich sollen auch die Partner in der IT-Industrie vom United Linux profitieren. Sie brauchen ihre Software nur an ein System anzupassen. AMD, Borland, CA, Fujitsu-Siemens, HP, IBM, Intel, NEC, Progress und SAP haben die United-Linux-Initiative bereits begrüßt.

Gemeinsam werden die vier Anbieter in den USA die Firma United Linux LLC gründen, der die Urheberrechte sowie der Markenname gehören werden und in der nur Linux-Distributoren Mitglied werden können. Suse-Chef Gerhard Burtscher spielt auf leidige Erfahrungen mit der von Firmeninteressen behinderten Unix-Standardisierung an: "Wir wollen Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen." Die Produktentwicklung steuert ein 145-köpfiges Technical Steering Team unter der Leitung von Markus Rex, bisher stellvertretender Entwicklungsleiter bei Suse.

Die Anbieter Red Hat und Mandrake sind ausdrücklich eingeladen, Mitglieder der United Linux LLC zu werden. Beide Unternehmen hatten sich an den Gründungsverhandlungen nicht beteiligt. Immerhin hätten Red Hat und Mandrake laut Caldera-Chef Ransom Love zuletzt positive Signale gegeben. Unklar ist eine mögliche Rolle von Sun, das eine eigene Linux-Distribution auf Red-Hat-Basis angekündigt hat.

Bleibt Red Hat außen vor?

Durch das Fernbleiben von Red Hat begegnen verschiedene Marktforscher der Einheitsinitiative skeptisch. Dan Kusnetzky, Linux-Spezialist bei IDC, begrüßte die Allianz, glaubt aber, sie werde "ohne Red Hat wahrscheinlich nicht sehr erfolgreich". Kersten Bassow, Geschäftsführer des Münchner Markforschungsinstituts Nomina, befürchtet, dass sich nun eine Gegengruppe um Red Hat bilden wird. "Dann würde das Ziel der Vereinheitlichung erst recht gefährdet, und letztlich wären die Anwender die Leidtragenden."

Das jetzt beschlossene Gemeinschaftsprodukt könnte der Beginn einer noch weiter reichenden Kooperation der Beteiligten sein. Burtscher hält es für möglich, dass in Zukunft die kooperierenden Firmen gegenseitig ihre Produkte in das jeweilige Portfolio aufnehmen und dafür auch den Support übernehmen. Dabei könnte auch das eine oder andere Produkt obsolet werden, wenn ein Partner etwas Besseres hat.