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07.10.1983 - 

IFS ist tot: Es lebe das integrierte Fernmeldesystem

Vier-Milliarden-Markt für Vermittlungstechnik

ZÜRICH (sg) - Die Schweizer Öffentlichkeit kennt die Reizworte wie Furka-Loch oder Uhrenindustrie zur Genüge. Denn diese erinnern an unkontrollierbar verschwundene Riesenbeträge, an Prestigedenken und organisatorische Mängel. Der Öffentlichkeit aber noch weitgehend unbekannt ist die Tragweite der neuesten Pleite, dem des IFS oder integrierten Fernmeldesystems. Seit 1970 haben die PTT mit der schweizerischen Fernmeldeindustrie an diesem System gearbeitet, um darüber dereinst die bestehenden Kommunikationsnetze (Telefon, Telex, Datenübertragung) phasenweise zusammenzulegen. Nun nach 14 Jahren Arbeit wurde, überraschend für Beteiligte und Öffentlichkeit, plötzlich erkannt, daß das Vorhaben so nicht realisierbar ist und statt dessen ein ausländisches System beschafft werden muß.

Der aus der Forschungspleite resultierende Verlust für PTT und lndustrie wird auf 140 Millionen Franken beziffert. Doch obwohl Presse und Fernsehen über diesen Fall berichteten, wurde er in der Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen. Allerdings interessiert sich die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates für die Gründe, welche zum Abbruch der IFS-Entwicklung führten. Nach Meinung der Anwendervereinigung "Asut", muß der Bürger und Steuerzahler wissen, daß das IFS mit Abstand das wichtigste Projekt ist, das die PTT je in Angriff genommen haben. Der Bau neuer Fernmeldezentralen wird den Bund runde vier Milliarden Franken kosten, und die Systemauswahl stellt die Weichen für alle Netzbenützer während der nächsten 40 Jahre.

Angesichts dieser PTT-Angaben, fragt die Asut rund heraus, wieso es überhaupt so weit kommen konnte. Wo doch während mehr als zehn Jahren sich die PTT immer wieder erfolgssicher gaben und das Projekt personell und materiell laufend aufstockten. Wer trägt nun die Verantwortung? Die Asut ist weniger über den Abschreiber von 100 bis 200 Millionen Franken aufgebracht als vielmehr von der Tatsache, daß mit dem Entwicklungsstopp der Anschluß an die neuen Technologien fragwürdig geworden ist. Gerät dadurch nicht auch noch die schweizerische Fernmeldeindustrie, vergleichbar mit der Uhrenindustrie, in die Abhängigkeit des Auslandes?

Die Asut gibt sich bestrebt, aktiv der Gefahr zu begegnen, die jetzt droht, denn die PTT wollen sich innerhalb weniger Wochen für ausländische Systeme entscheiden. Die Gefahr einer überstürzten Entscheidung liegt auf der Hand, weshalb die Asut die Frage nach einer kompetenten Evaluationskommission und den Verantwortlichen stellt. Denn für die bisherigen gravierenden Fehler scheint es keine Verantwortlichen zu geben.

Weiter fragt sich die Asut, ob die PTT über das nötige Projekt-Management verfügen? Denn es darf einfach nicht geschehen, daß der bevorstehende Schnellschluß-Entscheid erneut hemdsärmling behandelt wird. Soll ein nächstes Fiasko vermieden werden, muß neben einer geeigneten Projektorganisation ein PTT-unabhängiges Kontrollorgan bestellt werden. Solche Verfahrensfragen müssen auch im Vorfeld der Parlamentswahlen Beachtung finden, denn die Entscheide erfordern nebst hoher Sachkenntnis ein hohes Verantwortungsbewußtsein. Das IFS ist nämlich kostenmäßig bedeutsamer als die aktuelle Panzerbeschaffung und der Gotthardtunnel zusammen! Die Asut wünscht und fordert denn auch im Landesinteresse, daß die Verantwortlichen handeln.