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10.11.1995

Vier objektorientierte Entwicklungswerkzeuge im Vergleich Produktivitaetstest: Gute Noten fuer Visual Smalltalk Enterprise

MUENCHEN (IDG) - Neben C++ ist Smalltalk die Sprache fuer Entwickler, die objektorientiert und zugleich kommerziell programmieren wollen. Doch anders als C++- sind Smalltalk-Benutzer dazu gezwungen, Objekttechniken wie Vererbung und Kapselung zu verwenden - diese Eigenschaften machen den Erfolg von Smalltalk- Produkten aus. Der Frage, inwieweit sich mit den Sprachen der von den Herstellern propagierte Produktivitaetsgewinn erzielen laesst, geht ein Vergleich von vier gaengigen Werkzeugen nach.

"Smalltalk macht die Entwicklung drei- bis viermal so schnell wie mit Cobol oder PL/1", behauptet der IDC-Analyst Steve McClure. Zugleich bleibe die Marktentwicklung von Smalltalk-Produkten auch in Zukunft um den Faktor sechs bis acht hinter der von C++- Werkzeugen zurueck, wenngleich der Umsatz von 1993 auf 1994 immerhin um 60 Prozent angewachsen sei.

Das eher verhaltene Interesse mag daran liegen, dass sich jeder Smalltalk-Entwickler an die Gesetzmaessigkeiten objektorientierter Techniken halten muss, ob er will oder nicht. Zum anderen weisen die ausfuehrbaren Objekte einen grossen Overhead auf, der zu Lasten der Performance geht. Hersteller wie Parcplace-Digitalk versuchen den Mangel zu beheben und haben Utilities wie die Smalltalk Link Libraries (SLLs) entwickelt, die Applikationen schneller machen sollen.

Fuer Jeff McKenna, President einer Beratungsgesellschaft in Portland, Oregon, und seit 1983 fit in der Smalltalk- Programmierung, steht fest: "Es bringt mehr Vorteile, die Applikation schnell fertigzubringen, als sie um zehn Prozent schneller laufen zu lassen." Ausserdem sei es von vornherein ein Fehler, Smalltalk-Code aehnlich wie Betriebssysteme eng an eine Maschine zu binden. "C kuemmert sich um den Computer, Smalltalk aber um die Applikation."

Im einzelnen standen bei dem Vergleich, der im Auftrag der CW- Schwesterpublikation "Infoworld" durchgefuehrt wurde, vier Dialekte auf dem Pruefstand: "Object Studio 4.1", das durch die Uebernahme von Easel an Vmark ging, "Visual Age Team for Smalltalk 2.0" von IBM, "Visual Smalltalk Enterprise 3.0" und "Visual Works 2.0", beide von Parcplace-Digitalk. Um Vergleichsmoeglichkeiten zu schaffen, sollte eine datenbankzentrierte Applikation fuer das fiktive Unternehmen "Auto Parts Supply Inc.", Jahresumsatz mehrere Millionen Dollar, entwickelt werden. Die Anwendung sollte das Inventar sowie die Kundendaten verwalten und Autraege bearbeiten koennen. Zudem waren drei Ebenen einzuplanen: die grafische Oberflaeche, die Geschaeftsobjekte mit Klassen fuer die Kunden, Lieferanten, Haendler und Geschaeftsdaten und -prozesse sowie eine Schicht, die den Zugang zu den relationalen Datenbanken regeln sollte.

Waehrend fuer den Test von Object Studio, Visual Age Team for Smalltalk und Visual Smalltalk Enterprise eine Client-Server- Konfiguration aus Windows for Workgroups 3.11 und SQL-Server 4.21a unter Windows NT gewaehlt wurde, diente bei Visual Works das Betriebssystem Windows 3.11 als Plattform sowohl fuer den Client als auch fuer den Server. Oracle 7 war die Datenbank der Wahl. Das Testteam bestimmte OS/2 Warp Connect 3.0 zur Zielplattform.

Je weniger manuell fuer die Vollendung eines Programms getan werden musste, desto hoeher bewerteten die Tester die Faehigkeit eines Produkts zur visuellen Programmierung. Um die Note "befriedigend" zu erhalten, musste ein Tool es erlauben, eine grafische Oberflaeche per Drag and drop zusammenzustellen. Darueber hinaus sollte es moeglich sein, neue Objekte auf der Designpalette selbst zu kreieren und hinzuzufuegen. Am besten schnitten hier das IBM- und das Digitalk-Tool Visual Smalltalk Enterprise ab.

Bei der Bewertung der in den Produkten enthaltenen Klassenbibliotheken wurden der Aufbau, der Vollstaendigkeitsgrad und die Erweiterbarkeit geprueft. Fuer ein "befriedigend" musste das Tool ueber einen Browser, einen Debugger und einen Editor verfuegen, um Klassen und Methoden aufspueren zu koennen. Getestet wurde das Im- und Exportieren von Code, wobei existente Klassen als Textdatei definiert werden sollten, sowie die simultane Zusammenarbeit von mehreren Browsern. Ausserdem war die Unterstuetzung von ANSI-Smalltalk und eine leicht zu bewerkstelligende Navigierung durch die Klassen gefordert. Am besten beurteilte das Testteam in dieser Kategorie Visual Age von der IBM sowie das Parcplace-Tool Visual Works.

Um auch in puncto Portabilitaet und Verteilbarkeit mit "befriedigend" bewertet zu werden, musste es moeglich sein, die Applikation ohne groesseren Aufwand auf den OS/2-Client zu portieren.

Fuer eine bessere Bewertung sorgte etwa die Moeglichkeit, binaer- kompatible ausfuehrbare Dateien zu erzeugen, die ohne Modifikation auf dem Zielsystem laufen, oder ein geringerer Speicherbedarf. Fuer ein "sehr gut" reichte es hier nur beim Digitalk-Produkt Visual Smalltalk Enterprise.

Gute Ergebnisse erzielten alle geprueften Produkte bei dem Kriterium "Wiederverwendbarkeit von Code" (siehe Tabelle). Dagegen wurde die Teamfaehigkeit von Object Studio der Vmark Software Inc. mit einem "armselig" bewertet. Wie die Pruefer bemerken, verfuegt das Werkzeug nicht einmal ueber ein Minimum an Features, die fuer ein teamorientiertes Arbeiten notwendig sind. So muessten Entwickler die Aenderungen von Klassen nach einer Sitzung in Dateien extrahieren. Um ueberhaupt eine Form der Versionskontrolle durchfuehren zu koennen, sollten diese Files mit sprechenden Namen versehen werden. Erst bei diesem Bearbeitungsstatus ist ein sogenanntes "Team Builder File" einsetzbar, in dem die Aenderungen mit dem entsprechenden Entwickler verbunden werden. Fuer eine ausgekluegeltere Versionskontrolle muessen Programmierer auf das Intersolv-Produkt "PVCS" zurueckgreifen.

Ein "ausgezeichnet" erntete dasselbe Vmark-Tool allerdings fuer die Anbindung an relationale Datenbanken. Der Grund: Das Werkzeug hat ein Set aus nativen Datenbanktreibern integriert. Ausserdem ist ein Arbeiten mit dem Microsoft-De-facto-Standard ODBC moeglich, den auch die anderen Produkte bieten. Kritik bekam in dieser Disziplin das IBM-Tool. Den ODBC-Support erhielt Visual Age 2.0 erst ein halbes Jahr, nachdem die Version auf dem Markt war.

Smalltalk-Varianten auf dem Pruefstand

Funktionen: 1 = Visuelles Programmieren, 2 = Architektur, Erweiterbarkeit, Vollstaendigkeit der Klassenbibliotheken, 3 = Verteilbarkeit und Portabilitaet, 4 = Wiederverwendbarkeit des Codes, 5 = Datenbankanbindungen, 6 = Teamfaehigkeit, 7 = Dokumentations-Features

Object Studio 4.1 (Vmark Software Inc.): 1 gut, 2 befriedigend, 3 befriedigend, 4 gut, 5 ausgezeichnet, 6 armselig, 7 sehr gut

Visual Age Team for Smalltalk 2.0 (IBM): 1 sehr gut, 2 sehr gut, 3 gut, 4 sehr gut, 5 befriedigend, 6 sehr gut, 7 gut

Visual Smalltalk Enterprise 3.0 (Parcplace-Digitalk Inc.): 1 sehr gut, 2 gut, 3 sehr gut, 4 sehr gut, 5 gut, 6 gut, 7 sehr gut

Visual Works 2.0 (Parkplace-Digitalk Inc.): 1 befriedigend, 2 sehr gut, 3 gut, 4 sehr gut, 5 sehr gut, 6 gut, 7 gut

Die Bewertungen sind der CW-Schwesternpublikation "Infoworld" entnommen.