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23.04.1976 - 

Wie Bayerns EDV-Chefs die abgestürzten Systeme wieder hochfuhren:

Vier Stromausfälle in 24 Stunden

MÜNCHEN - Peinliche Panne oder höhere Gewalt? "Nach dem Restart war kein Bit verloren gegangen", berichtet Rüdiger Dierstein, RZ-Leiter bei der Deutschen Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DVFLR), Oberpfaffenhofen bei München, "sogar die Dialoge sind noch weitergelaufen, obwohl wir sie gar nicht mehr haben wollten." Demgegenüber mutmaßt sein DVFLR-Kollege Klaus Wiegand: "So etwas kann später einen ganzen Rattenschwanz von Fehlern nach sich ziehen."

Durch einen Kurzschluß im Stromverbundnetz der Bundesrepublik waren am Dienstag, den 13. April 1976, weite Teile Süddeutschlands mehrfach und für Stunden ohne Strom. Die Ursache: Ein Waldbrand bei Frankfurt. Dabei lösten sich mehrere Hochspannungsleitungen, so daß eine Hauptstromschiene nach Bayern unterbrochen wurde - um 15,30 Uhr standen dort "alle Räder still"; selbst Verkehrsampeln fielen aus.

Totales Chaos?

Nicht verwunderlich, daß vielfach der Eindruck entstand, es herrsche "Totales Chaos" - wie in der Tagespresse zu lesen war (Abbildung). Indes, wer gemeint hatte, die Verwirrung müßte gerade unter EDV- und RZ-Leitern besonders groß gewesen sein, irrte. CW hörte sich am Tag danach bei Betroffenen um: Von Nervosität war jedenfalls nichts mehr zu spüren, obwohl es zwischenzeitlich weitere Störungen gegeben hatte. (In München insgesamt vier Stromausfälle in 24 Stunden.) Offenbar sind durch die Entwicklung der Betriebssysteme die Ängste nicht mehr gerechtfertigt, Stromausfälle könnten zu einem Arbeitsrückstau führen, der echt an den Nerv geht.

Trost bei der Statistik

Dazu Adolf Plank von dem Münchner Kfz-Teile-Händler Stahlgruber - Otto Gruber & CO.: "Die Zeiten sind vorbei, daß riesige Wiederholungsläufe erforderlich werden. Wir haben innerhalb kürzester Zeit die Dateien wieder auf den normalen Stand gebracht." Die Installation einer

USV-Anlage (Unterbrechungsfreie Stromversorgung) hält er denn auch für nicht wirtschaftlich: "Solche Pannen passieren doch höchstens einmal im Jahr", winkt der Stahlgruber-EDV-Chef ab und verweist auf die amtliche Statistik der Bayerischen Elektrizitätswerke.

Vorbeugen ist teurer

Der gleichen Meinung ist auch Rüdiger Dierstein: "Wenn man ein anständig konzipiertes System hat, dann braucht man so etwas wie USV nicht." Und Dieter Englisch, Süddeutsche Bremsen AG, erklärt: "Vorbeugende Maßnahmen sind teurer als der Schaden, der durch gelegentlichen Stromausfall entsteht." Ein Programmfehler, der die Maschine zum Stehen bringt, bewirke - so Englisch - im Grunde dasselbe: "Da hilft nur eine gute Safe-Organisation." Immerhin konzediert er "Anwendern mit direktem Kundenkontakt" ein höheres Sicherheitsbedürfnis. Dazu noch einmal Plank: "Wenn das TP nicht innerhalb von drei bis fünf Minuten wieder anläuft, wird in unseren Verkaufsstellen manuell weitergearbeitet - für diesen Fall hat jeder Verkäufer noch einen Rechnungsblock in der Schublade." Andererseits habe Stahlgruber Glück im Unglück gehabt: "Von dem ersten Totalausfall waren auch unsere sämtlichen Niederlassungen betroffen, da fiel es gar nicht ins Gewicht, daß TP nicht lief."

Doch umfangreiche Zusatzarbeiten

Demgegenüber berichtet Wolfgang Berends, EDV-Leiter der Münchner Hypo-Bank: "Jeder Stromausfall ist teuflisch, weil keine Maßnahmen für ein gezieltes Abschalten getroffen werden können." Die

Online-Verarbeitung ruhte, so daß am nächsten Tag - verursacht durch Mehrfacherfassungen - umfangreiche Zusatzarbeiten notwendig waren, um die bis zum Zeitpunkt des Ausfalls noch angenommenen Buchungsfälle wieder in die Verarbeitung einzuschleusen. Ähnlich äußert sich Gottfried Heiler von der Linde AG, München: "Unser ganzes TP ist ausgefallen. da wir im Drei-Schicht-Betriweb arbeiten, können wir die Ausfallzeiten nicht durch Überstunden reinholen, sondern nur durch erhöhte Aktivität in den einzelnen Abteilungen und Samstagsarbeit." Heider beklagt zudem die Schwäche der TP-Softaware: "Es lief gerade IMS, als der Strom ausfiel. Die ganzen Datenbanken waren hin."

1? Stunden Verzögerung

Anders bei der SKF Kugellagerfabriken GmbH, Schweinfurt. Dazu "EDV-Chef des Jahres" Manfred Vaupel: "Auch wir fuhren gerade IMS, konnten jedoch genau beim alten Status wieder anlaufen." Immerhin hat der Wiederaufbau doch gut 1 ? Stunden gedauert, weil beim Wiederanlauf das Netz erneut zusammenbrach.

Den gleichen Tenor haben drei weitere Aussagen. Herbert Merkel, ADIG Investment GmbH, München: "Der Stromausfall war nicht von Bedeutung - was liegenblieb, wurde durch Überstunden wieder aufgeholt." Und Hans Kober, Wacker Chemie GmbH, München: "Die Speicherinhalte sind durch eine Routine gerettet worden, so daß wir sofort weitermachen konnten, als der Strom wiederkam." Im übrigen habe der Zeitpunkt gut gepaßt, "weil eh Feierabend war".

VSV für die Pipeline

Schließlich Reinhard August, Deutsche Transalpine Ölleitung GmbH München: "Wir lagen eine knappe Minute auf der Nase, dann schaltete sich die Notstromversongung ein. Mit-Power-fail und anschließendem Automatic-Restart wurde das System in Bruchteilen von Sekunden hochgefahren."

Stellvertretend für diejenigen, die ernstlich durch den Stromausfall am 13. April auf "dem Bauch gelegen haben", noch einmal Wolfgang Berends: "Das trifft eine hochtechnisiert Bank hart, weil man nicht mehr aus simple Methoden ausweichen kann Zudem ist der Rückstau, der entsteht ungleich größer als bei kleinen und mittleren Anwendern."

CW wird in der nächsten Ausgabe das Problem im "Thema der Woche" zur Diskussion stellen.