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26.10.1979 - 

Präsentation eines ÁP - Multi - User - Betriebssystems auf der GI - 79:

Vier Tage Härtetest für "Eumel"

BONN - Die neunte Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik (GI - 79) fand in diesem Jahr in der Universität Bonn statt. Neben vielen Fachvorträgen, die sich mit zum Teil recht theoretischen Konzepten und hie und da der Vorstellung von Ergebnissen beim Einsatz neuer Verfahren und Techniken auf dem Testfeld der Informatik Beschäftigten, gab es auf den Fluren ein ganz anderes Thema. Hier hatte die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung einen Informationsstand errichtet, an dem sich die rund 700 Tagungsteilnehmer nicht nur anhand von Broschüren über die Forschungsarbeiten der GMD informieren konnten. Das größte Interesse fand das installierte Mikrocomputersystem "Eumel", das vom Hochschulrechenzentrum Bielefeld in Zusammenarbeit mit dem Informatik - Kolleg der CMD entwickelt wurde.

Schüler des Helmholtz - Gymnasiums in Bonn, wo eine von mehreren Pilotinstallationen schon seit einem halben Jahr im Unterricht eingesetzt wird, konnten Erstaunliches demonstrieren: Zwei Tage zuvor war die Wahlhochrechnung bei der Kommunalwahl für die Stadt Bonn mit diesem Mikrocomputersystem durchgeführt worden. Innerhalb von 50 Minuten nach dem Schließen der Wahllokale lagen die exakten Ergebnisse vor. Auf die "offiziellen" Ergebnisse der Auszählung mußten die Bonner Bürger noch eine Weile warten. Das Eumel - System war somit zu einem der Wahlsieger geworden.

Das für die GI - Tagungsteilnehmer installierte Eumel - System hatte einen wirklichen Härtetest zu überstehen. Vier Tage lang mühten sich die GI - Informatiker redlich, das System zu "überlisten", doch ohne Erfolg! Am Ende der Tagung konnte das

Eumel - Team mit Dr. Peter Heyderhoff, dem Leiter des GMD - Instituts "Informatik - Kolleg" und Jochen Liedtke, dem Projektleiter für die Eumel - Entwicklung in Bielefeld Bilanz ziehen: Während der viertägigen Mammutprobe war es zu keinem einzigen Systemzusammenbruch - gekommen .

Eumel ist ein komplettes Programmier - und Betriebssystem, das dem Computer und Programmierlaien mit der Programmiersprache Elan (Elementary Language) nach sehr kurzer Einarbeitungszeit in die Lage versetzt, selbständig Programme zu erstellen und auszutesten. Und diese Gelegenheit wurde von vielen GI - Teilnehmern weidlich ausgenutzt. Beim Elan - Programmiersystem handelt es sich nicht um die Implementierung einer Programmiersprache auf einem vorhandenen (geräteabhängigen) Betriebssystem, sondern Programmiere und Betriebssystem sind "aus einem Guß". Das Eumel - System ist weitgehend geräte - und herstellerunabhängig, was eine leichte Portierbarkeit von der momentanen Hardware (Zilog Z80 - Mikroprozessor mit 64 K Byte Hauptspeicher, zwei Floppy Disks und einem Bildschirmterminal in der Minimalausstattung) auf eine andere Hardware sichert.

Mit der auf der GI - Tagung installierten Version konnten die Benutzer im Timesharing - Betrieb über drei Dialogstationen (Bildschirmterminals) mit dem System arbeiten. Die einfache Job Control - Sprache als Teil von Elan zusammen mit dem äußerst einfachen und dabei in seiner Leistungsfähigkeit mit Textautomaten vergleichbaren Editor ermöglichten vielen Tagungsteilnehmern nach einer kurzen Erläuterung den selbständigen Umgang mit dem System.

Neben dem primären Einsatzfeld der Informatik in der Schule ist das System auch für die Anwendungsprogrammierung im Bereich der Softwareerstellung und Textverarbeitung hoch interessant.

Die wichtigste Frage für viele Interessierte ist unbestritten der Preis. So kostet eine Hardware, auf der das Eumel - Mikrocomputersystem als Single User-Arbeitsplatz mit 64 K Byte Hauptspeichern, zwei Plattenlaufwerken und einem Bildschirmterminal laufen kann

bei den meisten Herstellern unter 18 000 Mark. In der Erweiterung als Doppelprozessoranlage mit insgesamt 128 K Byte, die im Multi User - Timesharing

Betrieb arbeitet sowie einem Drucker brauchen nicht mehr als zirka 28 000 Mark angelegt werden, zuzüglich zirka 2500 Mark pro Terminal. Kostenangaben T zur Software sind derzeit noch nicht J möglich.

Die recht ungewöhnliche Methode, Timesharing auf einem Mikroprozessor zu betreiben, ermöglicht:

1. ein effizientes Ressourcen-Sharing von Hintergrundspeichern und teurer Peripherie,

2. eine einfache Kommunikationsmöglichkeit zwischen den Teilnehmern und

3. ist schließlich den relativ geringen Anforderungen durchaus gewachsen, die der Ausbildungsbetrieb an die Rechenkapazität stellt, ohne daß wesentliche Response - Zeit - Einbußen entstehen.

Interessant ist ferner die Tatsache, daß der auf dem Mikrocomputer laufende

Elan - Compiler mit dem seit vier Jahren auf Großrechnern verschiedener Hersteller implementierten Bielefelder Elan - Compiler identisch ist und ein in langjähriger Praxis erprobtes Instrument darstellt.

Derzeit wird daran gearbeitet, Eumel vertriebsreif zu machen. Hierzu wird unter anderem eine Ausschreibung durch die GMD erfolgen zwecks Gewinnung eines Partners, der Vertrieb und Wartung von Eumel übernimmt.

*Konrad Klöckner ist Dozent des GMT - Informatik - Kollegs .