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30.03.2001 - 

Finanzierung ist das größte Problem

Vinton Cerf will keine Domain-Namen neben den seinen

HANNOVER (mo) - Vinton Cerf, seit November Chef der Icann, sorgt sich um die Zuverlässigkeit des Internet: Neue Top Level Domains (TLDs) ohne den Segen der Icann würden das System instabil machen. Auch aus inhaltlichen Gründen ist er gegen mehr als 100 neue Namen.

"Ich glaube nicht, dass ein System mit einigen tausend TLD-Namen dienlich ist", erklärte Cerf gegenüber der COMPUTERWOCHE. Von den TLDs wie .com, .orgund .net, die international verfügbar sind und im Gegensatz zu .de nicht als Länderkennzeichen funktionieren, gibt es bislang nur eine Handvoll. Künftig sollen sieben weitere mit dem Segen des Internet-Verwaltungsgremiums Icann hinzukommen. Daneben hat das Startup New.net eine Initiative gestartet, um parallel zur Icann TLDs anzubieten. Das Unternehmen hat bereits einige Vereinbarungen mit anderen Internet-Firmen getroffen, so etwa mit den US-Providern Earth Link, Excite@Home und Netzero, um deren Nutzern die neuen TLDs anzubieten. Allerdings werden sie nicht allen Internet-Benutzern zur Verfügung stehen.

Cerf sieht dadurch die Stabilität des Internet gefährdet. Auch die Standardisierungsgremien Internet Engineering Task Force (IETF) und Internet Architecture Board sind der Meinung, dass eine einzige Stelle das Domain Name System verwalten sollte. Nur so ließen sich Überschneidungen vermeiden. Alles andere würde nach Ansicht von Cerf zu einem Durcheinander führen.

Dass auch andere Firmen TLDs anbieten wollen, hat seinen Grund unter anderem darin, dass deren Einrichtung durch die Icann recht lange dauert. "Wir wollen so viele Barrieren wie möglich abbauen, damit es rasche Entscheidungen gibt", erklärt Cerf. Aber dafür brauche die Icann mehr Personal und mehr Geld.

Dass es mit den ersten neuen TLDs nach vielen Jahren so langsam vorangeht, begründet er auch mit wirtschaftlichen Überlegungen: "Die Analyse, die wir für die Verabschiedung der sieben neuen TLDs zu machen hatten, hat mich frustriert - ich fühle mich wie ein Venture-Capitalist, aber ich sollte das nicht sein." Nur so sei es allerdings möglich, die Unternehmung erfolgreich zu gestalten.

Aus diesem Grund sieht er auch kein Potenzial für mehr als 50 oder 100 neue TLDs in der Zukunft. "Es ist für mich unklar, wie viele Registrys unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten möglich sind." Registrys betreiben die Datenbank, in der die Inhaber eines speziellen Domain-Namens, zum Beispiel icann.org, verwaltet werden. Damit sie sich finanziell tragen, muss es genügend Anwender geben, die bereit sind, regelmäßig Geld für die Registrierung eines Namens zu zahlen. Außerdem bezweifelt Cerf, dass ein breit angelegtes TLD-System nützlich ist:"Ich kann nicht sehen, dass die Verwendung von Top Level Domains als eine Art Index für Inhalte hilfreich ist - das ist einfach zu grob." Besser wäre die Verwendung ausgefeilter Suchmaschinen.