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18.01.1991 - 

Experten befürchten eine Flut von Computerviren in den nächsten Jahren

Virenjäger beschließen eine internationale Zusammenarbeit

HAMBURG (gs) - Europas Virenjäger wollen künftig an einem Strang ziehen. Um der wachsenden Bedrohung durch Computerviren besser begegnen zu können, beschlossen sie Mitte Dezember 1990 den Aufbau von zwei Organisationen, die den Informationsaustausch verbessern und Aktivitäten zur Virenabwehr koordinieren sollen.

Mit einer wahren Flut von Computerviren rechnen die Experten für die nächsten Jahre. Über 400 haben sie bis heute gezählt - etwa 300 davon auf MS-DOS-PCs -, und in den nächsten 18 bis 24 Monaten werden voraussichtlich 750 neue auftauchen. Allein in Deutschland sind nach einer Schätzung des Hamburger Virenprofessors Klaus Brunnstein bereits 200 000 PCs infiziert. Das entspricht zehn bis 15 Prozent des Gesamtbestands. Angesichts des zunehmenden PC-Einsatzes in den Unternehmen werden die elektronischen Parasiten zu einer immer größeren und unkalkulierbareren Gefahr.

Die wenigen Virenbekämpfer, die es bislang gibt, fürchten von dieser Flut überrollt zu werden. 200 bis 300 Stunden dauert die Analyse eines einzigen Virus. Von den heute bekannten ist erst die Hälfte vollständig analysiert und in dem vom "Virus Test Centrum" der Hamburger Uni herausgegebenen Viruskatalog enthalten.

Um zu verhindern, daß ihr Rückstand noch größer wird, wollen Europas Virenjäger jetzt ihre Arbeit koordinieren. Auf dem ersten internationalen Virenforum, das der Hamburger Percomp-Verlag Mitte Dezember veranstaltete, formierte sich eine "Computer Anti-Virus Researchers Organisation (Caro)", die für einen besseren Informations- und Erfahrungsaustausch sorgen soll. Bislang hatten private Eifersüchteleien und wirtschaftliche Interessen dazu geführt, daß die Viren stets mehrfach analysiert und die Verfahren zu ihrer Bekämpfung immer wieder neu entwickelt werden mußten (siehe CW Nr. 46 vom 16. November 1990, Seite 62).

Mit dieser Energie- und Zeitverschwendung soll jetzt Schluß sein: Künftig werden alle Computerviren zentral am "Microbit Virus Center" der Universität Karlsruhe gesammelt, wo die mit ihrer Analyse und Bekämpfung befaßten Personen und Institutionen sie abrufen können.

Aus Sicherheitsgründen wird der Zugang zu diesem Viren-Pool streng reglementiert. So soll es, laut Brunnstein, "keine Zusammenarbeit mit Leuten geben, die Viruscode publiziert haben" - ein Verdikt, unter das derzeit mindestens drei der bekannteren Viren-Experten fallen: John McAfee, Ralf Burger und der Berliner Informatik-Professor Eberhard Schöneburg. Allerdings will man, um den naheliegenden Verdacht einer Kartellbildung zu entkräften, Möglichkeiten zur Rehabilitierung der ausgeschlossenen vorsehen.

Zusätzlich zur Caro wurde mit dem "European Institute for Anti-Virus Research (Eicar)" eine weitere Organisation angeregt, in der sich Vertreter von Industrie, Regierung und Wissenschaft um die mehr praktische Seite der Virenbekämpfung kümmern sollen. Dazu gehören unter anderem die Entwicklung virensicherer beziehungsweise vor Viren schützender Produkte, Seminarveranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit sowie Einflußnahme auf die Gesetzgebung. Ein Beispiel dafür, wie wichtig diese internationale Zusammenarbeit ist, lieferte Professor Vessselin Bontchev von der bulgarischen Akademie der Wissenschaften: In seinem Gepäck befand sich eine Diskette mit 30 hierzulande noch unbekannten russischen Viren. Damit besteht zum ersten Mal die Möglichkeit, Schutzmaßnahmen zu entwickeln, noch ehe ein Schaden entstanden ist.