Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.


18.12.1981

Virtual Image Processing System (VIPS) bei Honeywell Bull:Dokumente bald elektronisch gespeichert

BRÜSSEL (eks) - Hundert Millionen Geschäftsbriefe jährlich werden nach Schätzung von Rank Xerox derzeit ausgetauscht. Nur ein Prozent dieses geschäftlichen Briefverkehrs wird heute schon elektronisch abgewickelt. Zur Bewältigung dieser Informationsspringflut wurden bisher zwei automationsgestützte Methoden eingesetzt: Datenerfassung beziehungsweise -eingabe für EDV-Systeme und Mikroverfilmung. Beide Methoden haben ihre Vorteile aber auch gravierende Nachteile (siehe Tabelle).

Die Vorteile der EDV-Bearbeitung und Verfügbarkeit von Originalen versuchen neu entwickelte Methoden des Electronic Document Storage (EDS) zu kombinieren. Das US-Beratungsunternehmen Mackintosh schätzt in einer Marktstudie, daß im Jahr 1990 EDS-Systeme im Wert von drei Milliarden Mark weltweit ausgeliefert werden. Der Bestand an installierten EDS-Systemen soll 1990 etwa 25 000 erreichen. Auf diesem Markt werden die Hersteller verbesserte Mikrofilmsysteme und die Anbieter von EDS-Systemen mit Bildplattentechnologie etwa gleichstark vertreten sein.

Auch Honeywell Bull ist zur Zeit an der Entwicklung von EDS-Systemen interessiert und erwarb im Frühjahr eine Mehrheitsbeteiligung an der belgischen Firma Correlative Systems International in Brüssel. CSI-Techniker sind seit einigen Jahren dabei, Systemkomponenten bewährter Techniken zum Virtual Image Processing System (VIPS) zu verschmelzen.

VIPS ist ein computergestütztes Dokumentations- und Archivierungssystem, in dem Originaldokumente ohne aufwendigen Erfassungsumweg in Bildform gespeichert werden. Durch Verwendung von Videoaufzeichnungsgeräten können beachtliche Dokumentenmengen - bis zu 50 000 A4-Seiten je MAZ-Band - gespeichert werden. VIPS kann damit überall dort vorteilhaft zum Einsatz gebracht werden, wo

- ein Originalbeleg ohnedies erstellt werden muß (Bank, Versicherung),

- das Originaldokument rasch und gleichzeitig an mehreren Stellen zur Bearbeitung verfügbar sein soll,

- bereits bestehende DV-Abläufe eine Schnittstelle zur "Nicht-DV-Welt" haben (einlangende Korrespondenz),

- stark unterschiedliche Formate mit nicht standardisierten lnhalten, insbesondere Grafik bearbeitet werden,

- große Datenmengen bereits in konventioneller Form vorliegen, die einer maschinellen Bearbeitung zugänglich gemacht werden sollen, also Archive jeder Art. Die Ersterfassung bereits vorhandener Bestände ist heute ein fast unüberwindliches Hindernis beim Aufbau von Informationssystemen. VIPS besteht aus folgenden Systemkomponenten (siehe Abbildung):

- Aufnahmeeinheit (Image Acquisition Unit und Controller),

- Plattenspeicher für Dokumente des aktiven Arbeitsbestandes,

- Ausgabeeinheiten (Bildschirme und Drucker),

- Massenspeicher für Dokumente des Archivbestandes (Image Storage Controller und Mass Storage Tape),

- Zentraler Rechner (Image Processing Controller).

Scanner-Kameras

Als Aufnahmeeinheit dienen Scanner-Kameras mit wählbarem Auflösungsvermögen. Eine A4-Seite kann entweder in 1024 oder 1536 Zeilen zu je 1024 Punkten zerlegt werden. Eine Auflösung von nur 512 Zeilen erwies sich als zu grob und wird heute nur mehr für kleinere Formate (zum Beispiel Schecks) angewendet. Während 1024 Zeilen je Seite für normale Textseiten ausreichen, erfordern grafische Darstellungen und auch beispielsweise Unterschriften 1536 Zeilen. Je nach gewählter Auflösung liefert der Scanner 1 oder 1,5 Megabit. Erfahrungsgemäß sind etwa 70 Prozent einer beschriebenen A4-Seite blank, so daß durch geeignete Kompressionsalgorithmen eine Textseite auf

300 000 Bit, also etwa 40 KB reduziert werden kann. Das Auflösungsvermögen entspricht einerseits dem handelsüblichen Grafikbildschirm und andererseits auch den von CCITT gewählten Telefax-(Telekopierer-)Normen, so daß VIPS auch in ein Telefonnetz eingebaut werden kann.

Mit weiterem Fallen der Speicherkosten will Daniel Borrey, Geschäftsführer und Gründer von CSI, auch auf höhere Auflösungsvermögen von 3,7 MBit je Seite übergehen. Damit können in Zukunft auch Grautöne gespeichert werden, was derzeit technisch möglich, aber noch zu kostspielig ist.

Grundsätzlich werden Dokumente ohne Rücksicht auf den Inhalt gespeichert. Spezielle Leseroutinen erlauben aber auch Felddefinitionen innerhalb eines Belegs. Der Inhalt dieser Felder kann in verschiedenen Schriftarten (auch Handschrift) gelesen und für weitere EDV-Verarbeitung der jetzt codierten Zeichen verwendet werden. VIPS bietet damit von der Eingabeseite eine Kombination von Mikrofilm und OCR-Beleglesung. Verfügbar sind Datenerfassungsgeräte für manuelle und maschinelle Zuführung sowie Formate zwischen A3 und A8.

Dokumente, deren Bearbeitung gerade erfolgt oder deren Aktualität jederzeitigen Zugriff erfordert, werden auf standardmäßigen Magnetplatten zwischengespeichert. Auf einer 300-MB-Platte finden so etwa 8000 A4-Seiten Platz.

Massenspeicher

Als Massenspeicher werden Studiovideo-Aufzeichnungsgeräte von Grundig verwendet. Die Dokumentabbildungen (images) werden in 16-KB-Blöcken von der Platte aufs Band übertragen. Derzeit erfolgt die Speicherung noch unkomprimiert, damit Lesefehler nicht zur Unbrauchbarkeit des Dokuments führen. Jedes Band faßt 300 000 Blöcke zu 16 KB, das entspricht etwa 40 000 A4-Seiten. Der Index mit den Zugriffsschlüsseln bleibt weiterhin auf dem Plattenspeicher. Wird nun ein auf Massenspeicher befindliches Dokument benötigt, so liefert der Index die physische Adresse auf dem MAZ-Band. Auf dem Band selbst wird die Tonspur zur Indexierung verwendet. Die mittlere Suchzeit auf dem MAZ-Band wird bei CSI mit 45 Sekunden angegeben. Das Maximum beträgt drei Minuten. Das wiederaufgefundene Dokument wird wieder auf Platte gespeichert und ist dort zur Bearbeitung verfügbar.

Als Ausgabeeinheiten dienen Bildschirmgeräte mit einem Auflösungsvermögen von 750 Zeilen zu 1024 Pixels. Sie können in derselben Konfiguration auch als Textverarbeitungsgeräte verwendet werden. Auch der Anschluß von Honeywell-Bull-TTX-Textsystemen ist möglich. Als Drucker verwendet CSI einen Versatec-Printer/Plotter mit einer Auflösung von 200 Punkten/Zoll.

Als zentraler Rechner wird ein HB-Mini 6 eingesetzt. Das bedeutet, daß VIPS nicht nur als EDS-System, sondern gleichzeitig auch als Textverarbeitungssystem, als normales EDV-System oder als dezentraler Rechner in einem beliebigen Rechnernetzwerk eingesetzt werden kann.

Abgesehen von verschiedenen Verknüpfungsalgorithmen zur Wiederauffindung von Dokumenten kann auch der Inhalt verändert und aus Dokumentteilen ein neues aufgebaut werden, ähnlich wie mit Textbausteinen. Solcherart ergänzte oder veränderte Dokumente sind gekennzeichnet, um Verwechslungen mit Originalen zu verhindern.

Eine Reihe von Installationen belegt Anwendungsbreite:

- Credit Communal de Belgique, Brüssel: Anwendung im Bankbereich mit OCR und Dateneingabeunterstützung; 50 000 Dokumente werden täglich verarbeitet. Ein Netzwerk von fünf miteinander verbundenen Minis steuert 36 Datensichtstationen.

- Antwerpener Hypo-Bank: ebenfalls Anwendung im Bankbereich. Das System verarbeitet täglich 10 000 Dokumente.

- Assedic-Lyon: Anwendung im Bereich der Arbeitslosenversicherung. Über vier Datensichtgeräte werden die täglich auf neuesten Stand gebrachten 50 000 A4-Seiten mit Informationen über den beruflichen Werdegang binnen etwa einer Minute zur Verfügung gestellt.

- Kleindienst, Augsburg: Hier wird VIPS verwendet, um nicht richtig gelesene OCR-Dokumente für spätere manuelle Eingabe zwischenzuspeichern.

- Compagnie Belge d'Assurance: Anwendung im Bereich Kreditschutz. Über vier Datensichtgeräte wird auf 20 000 Dokumente zugegriffen. 200 Dokumente sind täglich einzugeben oder zu ändern. Der Mini dient gleichzeitig als Controller für den Zugriff in ein IBM-3270-Netzwerk, dessen Daten ebenfalls auf den VIPS-Sichtgeräten verfügbar sind.

EDS-Systeme sind eher für den Einsatz in größeren Unternehmen geeignet. Dafür spricht schon der Preis. Die kleinste VIPS-Konfiguration wird etwa 140 000 Mark kosten, nach oben gibt es durch die Konfigurierbarkeit von Mehrprozessorsystemen und den peripheren Speicherbedarf keine Grenzen. EDS-Systeme werden im allgemeinen nur zusammen mit Consultingleistungen rationell einsetzbar sein.

Die Einsatzmöglichkeiten von VIPS sind nicht auf den Bereich des Geld- und Versicherungswesens beschränkt. Der Einsatz von EDS-Systemen ist überall dort, wo mehr als tausend Seiten Originalbelege täglich anfallen, zu überlegen.