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21.07.1995

"Virtual Reality in der Produktion ist der Trend"

CW: Anscheinend sind die Forschungsbereiche der Daimler-Benz AG eng an jeweils eine der vier Konzerngesellschaften gebunden. Halten Sie das fuer sinnvoll?

Barth: Die offizielle Darstellung suggeriert tatsaechlich, Forschung 1 arbeite fuer Mercedes, Forschung 2 fuer AEG und Dasa, Forschung 3 fuer Debis. Aber das ist irrefuehrend, vor allem in bezug auf den Bereich Informationstechnik (Forschung 3, Anm. d. Red.). Selbstverstaendlich hat auch Mercedes-Benz einen Informatikbedarf. Strassenzustandserkennung, Regelung von automatischen Schaltgetrieben etc. - das ist alles Software. Wir arbeiten demnach auch fuer Mercedes sowie fuer AEG und Dasa.

CW: Welche Themen sind das, in die die Unternehmensbereiche bereit sind zu investieren?

Barth: Anwendungsbezogene Forschungsthemen mit einer kuerzeren Laufzeit. Die Gesellschaften zahlen dafuer maximal fuenf Jahre lang. Dann haben sie entweder die Forschungsergebnisse in ihre Produkte einbezogen, oder das Projekt wird aufgegeben.

CW: Die finanzielle Situation des Konzerns ist angespannt. Es gibt Anzeichen dafuer, dass sich die Forschung staerker an der Anwendbarkeit orientiert als frueher.

Barth: Unsere Vorgabe lautet keineswegs: Ihr muesst anwendungsorientierter arbeiten. Das Ziel ist lediglich, effizienter zu werden, mit dem zur Verfuegung stehenden Geld mehr Resultate in derselben Zeit zu erzielen. Ausserdem wollen wir die Ergebnisse schneller und wirksamer an die Unternehmensbereiche weitergeben.

CW: Eines der grossen Themen in Ihrem wie auch in anderen Forschungsbereichen ist die virtuelle Realitaet. Wo sehen Sie die Anwendungsmoeglichkeiten?

Barth: Virtual Reality bedeutet dreidimensionale Darstellung, interaktive Bedienung und Echtzeitsimulation. Es gibt Ansaetze, auf diese Weise Fahr- und Flugsimulatoren zu realisieren. Mercedes denkt zudem intensiv darueber nach, virtuelle Realitaet fuer die Schulung von Lkw-Fahrern, zum Beispiel fuer Gefahrguttransporte, einzusetzen.

CW: Wo liegt der Schwerpunkt hier im Forschungsbereich 3?

Barth: Beispielsweise haben wir ein Verfahren gefunden, mit dem sich aus einer zweidimensionalen Darstellung eine dreidimensionale Virtual Reality rekonstruieren laesst.

CW: Was wollten Sie damit erreichen?

Barth: Die Frage lautete: Wie kann man moeglichst schnell diese virtuelle Umgebung herstellen? Da gibt es den muehsamen Weg, bei dem man von vornherein alles dreidimensional programmiert. Aber in manchen Situationen ist es pfiffiger, beispielsweise um ein Gebaeude herumzugehen, Fotos zu machen und dann diese zweidimensionalen Darstellungen zu einer dreidimensionalen zusammenzufuegen.

CW: Sehen Sie auch Moeglichkeiten, durch die Anwendung virtueller Realitaet die Fertigung zu verbessern oder zu vereinfachen?

Barth: Wir arbeiten an einem System, mit dem CAD-Daten nicht nur visualisiert, sondern dreidimensional, interaktiv und in Echtzeit manipuliert werden koennen (vgl. CW Nr. 28 vom 14. Juli 1995, Seite 27). Der springende Punkt ist der, dass sich jede Aenderung, die in der virtuellen Realitaet vorgenommen wird, unmittelbar in den zugrundeliegenden CAD-Daten widerspiegelt. Das ist etwas, das bislang nur wir koennen.

CW: Was macht Sie so sicher, dass Ihre Konkurrenten dazu nicht in der Lage sind?

Barth: Wir haben dieses System freitags dem Entwicklungschef von BMW gezeigt ...

CW: ... Wie bitte?

Barth: Wir haben ihm nur den Mund waesserig gemacht, aber ihm selbstverstaendlich nicht gesagt, wie es funktioniert. Am Montag rief er an und sagte, er wuerde gern eine Gruppe seiner Mitarbeiter hierherschicken.

CW: Koennen Sie sich vorstellen, das System einem anderen Unternehmen zu verkaufen?

Barth: Nun ja, wenn wir es selbst genuegend ausgenutzt haben und jemand bereit ist, viel Geld dafuer zu zahlen, waere das schon denkbar. Virtual Reality in der Produktion ist fuer uns der Trend der Zukunft. Es geht darum, Produkte weitestgehend im Rechner entstehen zu lassen - bis man die perfekten Daten hat, um die Fertigungsmaschinerie anzustossen.

Professor Dr. Gerhard Barth leitet den Bereich Forschung 3 (Informationstechnik) der Daimler-Benz AG. Das Gespraech fuehrte CW- Redakteurin Karin Quack.