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12.02.1982 - 

Neuer 1632-Bit-Prozessor 80286 von Intel mit dreifacher 8086-Leistung:

Virtuelle Adressierung und Speicherschutz

12.02.1982

Von CW-Mitarbeiter Egon Schmidt

MÜNCHEN - Den ersten Mikroprozessor, bei dem Mehrebenen-Speicherschutz sowie die Möglichkeit virtueller Adressierung auf einem Chip integriert sind, präsentiert jetzt die Intel GmbH. 130 000 Transistoren tummeln sich bei dem Neuling 80286 auf einer Fläche von 64 Quadratmillimetern.

Firmenintern auch als "Micromaxi" bezeichnet, kann der neue Prozessor pro einzelner Task 1 Gigabyte virtuellen Speichers adressieren; direkt werden jeweils 16 MB angesprochen. Die gesamte Verwaltung des virtuellen Speichers übernimmt dabei die Hardware.

Mit einer Taktfrequenz von 8 Megahertz leistet der 80286 das Dreifache des 16-Bit-Prozessors 8086, wobei seine Pipeline-Arbeitsweise dafür sorgt, daß dieses Leistungsplus nicht wieder von der virtuellen Adressierung aufgefressen wird. Pipelining bedeutet hier, daß eine eigens implementierte CPU-Sektion nichts anderes tut, als parallel zur eigentlichen Befehlsabarbeitung die jeweils folgenden Adressen zu berechnen und auch die Schreib-/Leseberechtigung abzuklären.

War der 8086 noch ein reiner 16-Bit-Prozessor, so stellt sich der neue 80286 zwar ebenso dar, benutzt intern jedoch eine 32-Bit-Verarbeitung. Intel spricht daher auch von einem 16/32-Bit-Mikro. Für die Entwickler neuer Systeme ist dabei wichtig, daß der Befehlssatz der 80286-CPU aufwärtskompatibel zum Befehlsvorrat der Prozessoren 8086 und 8088 ist.

Damit lassen sich vorhandene Softwareblöcke weiter verwenden, betont Intels Product-Marketing-Manager für den Bereich Mikroprozessoren, Jeffrey A. Miller: "Alles, was sich beim Übergang vom 8086 auf den 80286 zunächst ändert, ist, daß die Programme erheblich flotter abgearbeitet werden."

Intel zielt mit seinem neuen Produkt auf Anwendungen bei Banken, in Kommerz und Verwaltung, Prozeßsteuerung sowie Telekommunikation. All diesen Anwendungen ist

gemein, daß es auf hohe Arbeitsgeschwindigkeit und Speicherkapazität sowie auf wirksame Speicherschutzmechanismen ankommt.

Der 80286 grenzt daher einmal die verschiedenen Benutzerprogramme sektoral voneinander ab. Weiter verwirklicht er nach Angaben des Herstellers eine vierstufige Betriebssystemhierarchie, die unzulässige Zugriffe auf höher privilegierte Stufen des Betriebssystems ausschließt.

Die Entwicklung neuer Endprodukte, die auf dem 80286 basieren, kann auf dem Entwicklungssystem Intellec III stattfinden. Dem Programmierer stehen dabei die gleichen Sprachen wie schon beim 8086 zur Verfügung: Makro-Assembler, PL/M, Pascal, Fortran, Cobol, Basic und eine Sprache mit dem Namen Jovial.

Auf der Hardwareseite gruppiert sich Peripherie wie Taktgenerator oder Bus-Steuerbaustein um den Neuling. Weitgehend freie Wahl hat der Systementwickler unter den bereits von Intel angebotenen Elementen wie Terminal-Controller oder Speicher-Bausteinen. Für schnelle Gleitkomma-Arithmetik läßt sich der 80286 mit einem besonderen Koprozessor koppeln.

Ein Blick auf Marktanalysen, die neue Multiuser/Multitasking-Anwendungen abzuschätzen versuchen, verdeutlicht, was sich Intel von seinem neuen 16/32-Bit-Prozessor verspricht. Intels Quersumme aus einer Reihe derartiger Analysen kommt zu dem Resultat, daß dieser Markt, der 1981 ein Volumen von vier bis fünf Milliarden Dollar repräsentierte, 1985 auf 12 bis 13 Milliarden anwachsen wird. Dabei sollen die Bereiche Büro- und Verwaltungssysteme sowie Industrie- und Prozeßautomation um 40 Prozent, der Sektor programmierbarer Telekommunikationssysteme um 30 Prozent jährlich wachsen.

Muster im Sommer

Erste Muster der Produktlinie iAPX 286, zu der der Prozessor 80286 gehört, will Intel im Sommer dieses Jahres ausliefern. In einem Jahr etwa soll die Serienfertigung beginnen. Schon jetzt bestehen laut Marketing-Manager Miller Second-Source-Verträge mit AMD und Siemens.

Intel selbst will bei der Serienfertigung die Chips in einem HMOS III genannten Verfahren produzieren. Die Muster-Chips sollen noch in HMOS II, das heißt mit etwas mehr Flächenbedarf, ausgeführt werden. "HMOS III", rühmt Intels Miller die Leistungen seines Hauses, "repräsentiert die dichteste MOS-Technologie, die die Industrie heute kennt."