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24.08.2001 - 

Mit geclusterten Intel-PCs unter Linux

Virtuelle Realität für den Mittelstand

Dass virtuelle Realität (VR) hoher Preise wegen großen Industrieanwendern vorbehalten bleibt, widerlegen nun Firmen, die ihre VR-Software auf Linux portierten und auf PCs abspielen. Von Karl-Ferdinand Daemisch*

Am Fraunhofer-IAO (Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation) in Stuttgart sorgte die Icido GmbH mit ihrem hybriden Rechnerbetrieb einer sechsseitigen Stereoprojektion ("Cave") für einiges Aufsehen: Zwölf normale Intel-PC-Server unter Linux - zwei je Projektionsfläche - bringen so viel Grafik-Power wie die parallel installierte SGI-"Onyx"-Maschine unter Irix. Je nach VR-Konfiguration kostete diese Lösung mehrere Millionen Mark, während die Linux-Variante mit nur rund 400000 Mark zu Buche schlägt. Andreas Rößler, Geschäftsführer der mit 35 Mannjahren Erfahrung gestarteten IAO-Ausgründung, hat mit seinem Team den "IDO"-Modulbaukasten entwickelt. Mit "I see I do" bringt er die Vorzüge von VR auf einen kurzen Nenner.

"Wir haben eine mobile VR-Anlage geschaffen, mit der die stereoskopische Darstellung in Echtzeit für Teamdiskussionen möglich ist", beschreibt Rößler den gezeigten Prototypen. Er ähnelt einem rollbaren Flugzeugkabinenkoffer. Im Kasten mit klappbarer Vorderwand sind zwei lichtstarke Kleinprojektoren untergebracht. Als Rechner dient ein Laptop auf einem Tablett darüber. "Durch den Port auf Linux sind anspruchsvolle VR-Anwendungen mit PC-Clustern zu realisieren." So rutschten die Hardwarekosten in eine für breite Schichten erschwingliche Dimension. Damit will Rößler im kommenden Jahr drei Millionen Mark Umsatz erzielen. Mit Peugeot als Kunde sei zudem die europäische Expansion eingeleitet.

Eberhard Veit, Vorstandsmitglied der Festo AG & Co., Hersteller von Automatisierungstechnik mit Pneumatik, brachte den Bedarf der Zulieferindustrie an VR-Technik auf den Punkt: "Innovative Technik treibt auch die Unternehmen nach vorne." Den Einsatz dort von der Konstruktion bis zum Vertrieb begründet er: "VR macht technisch komplexe Inhalte ´begreifbar´. Damit ist dies kein Instrument allein für Entwicklung oder Produktion, sondern Medium der Konsensfindung in technischen Problembereichen."

In Stuttgart ist auch die 1997 gegründete Vircinity IT-Consulting GmbH und ihr Produkt für 3D-Visualisierung von Strömungs- und Strukturmechanik beheimatet. Geschäftsführer Andreas Wierse nennt "Covise" eine schlüsselfertige VR-Technologie, mit der auch Mittelständler über das Internet VR und Collaborative Engineering (kooperative Konstruktion) einsetzen können: "Kunden können die Software auch ohne unser Zutun installieren und nutzen."

In Vircinitys mobiler Lösung "Cycloop" rechnen leistungsstarke Grafik-PCs unter Linux oder SGI-Workstations. Das rollbare 250000-Mark-Gerät wird vervollständigt durch eine 84-Zoll-Stereo-Großbild-Rückprojektion mit Tracking-System und ist auf weniger als 90 Zentimeter zusammenzuklappen. Durch die stabile Holzkonstruktion entfällt auch die Justierung der Projektoren nach dem Transport. Wegen Performance und Stabilität wird Cycloop nur in ausgetesteten Linux-Versionen oder mit SGI-Workstations geliefert.

Die Marktforscher von Frost & Sullivan rechnen damit, dass die VR-Umsätze im C-Technikmarkt Europas bis 2004 um rund 40 Prozent auf fünf Milliarden Dollar steigen werden. Weltweit wurden im vergangenen Jahr für visuelle Simulation und VR rund 24 Milliarden Dollar ausgegeben, schätzen Analysten von Cyber Edge Information Services. Festo-Vorstand Veit: "Visualisierung und VR sind entscheidende Wettbewerbsvorteile." Vircinity-Chef Wierse ergänzt: "Wesentlicher VR-Aspekt ist das intuitive Verstehen der Anwender." Vircinity erzielte damit in Japan bereits erste Erfolge.

*Karl-Ferdinand Daemisch ist freier Fachjournalist in Lörrach.