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18.07.1997 - 

Mit Telelearning neue Formen des Know-how-Erwerbs trainieren

Virtuelles Wissenszentrum ermöglicht Ad-hoc-Lernen

Wie war das noch? Neue Präsentation, ...Autoinhalt...? Das kann doch nicht so schwer sein, ärgert sich Frau K. und plagt sich seit einer Stunde an ihrem PC mit dem Grafik- und Präsentationsprogramm "Powerpoint" herum. Dabei war sie vor einigen Monaten sogar in den Genuß einer Kurzeinführung gekommen, aber danach hatte sie weder Zeit noch gab es einen Anlaß, sich näher mit dem Tool zu befassen. Nun möchte sie schnell eine Präsentation erstellen, um ihren morgigen Vortrag über Zusammensetzung und Aufgaben ihres neuen Teams anschaulicher zu gestalten. Wen könnte sie ad hoc um Rat fragen? Die Kollegen kennen sich mit ihrem spezifischen Problem auch nicht aus, oder sie sind gerade zu beschäftigt. Und sie kann es sich nicht leisten, erst lange das Handbuch zu studieren. Also doch 08/15-Folien?

Frau K. könnte leicht geholfen werden, würde ihre Firma bereits die neuen Möglichkeiten des Telelearnings nutzen: Dann hätte sie nämlich Gelegenheit, sich an einen Online-Tutor zu wenden. Über beliebige Entfernungen hinweg könnte sie mit ihm das Problem am Bildschirm besprechen. Der Tutor könnte an seinem PC genau sehen, wo Frau K. ein Problem hat. Um ihr die Lösung zu zeigen, würde er sich in ihre Anwendung einschalten und die erforderlichen Schritte demonstrieren. Er würde ihr sicher auch den Tip geben, wenn sie wieder etwas mehr Luft hätte, das Lernprogramm "Powerpoint für Fortgeschrittene" zu bearbeiten, das sie ganz einfach von ihrem Arbeitsplatz-PC aus im virtuellen Wissenszentrum ihrer Firma buchen und benutzen könnte.

Nicht nur Frau K. muß mehr wissen: Die Qualifikationsanforderungen an Mitarbeiter sind gestiegen; einmal erworbenes Wissen kann morgen schon veraltet sein. Traditionelle Bildungsmethoden und -medien allein reichen häufig nicht mehr aus: Entweder ist - so läuft es in der Praxis - keine Zeit oder kein Geld da, um Seminare zu besuchen, oder ein Seminar wäre - wie in diesem Beispiel - einfach nicht die geeignete Maßnahme.

Um Lernen im Netz benutzerfreundlich und effektiv zu gestalten, hat der Multimedia-Anbieter M.I.T aus Friedrichsdorf eine Lernumgebung entwickelt, das "vernetzte Qualifizierungssystem" oder kurz VQS. In diesem VQS können Unternehmen oder Bildungsträger ihre Lernangebote bereitstellen und für Mitarbeiter oder Schulungsteilnehmer verfügbar machen. Ein Besucher des virtuellen Wissenszentrums bewegt sich wie in einem realen Gebäude: Nach der Begrüßung im Foyer meldet er sich mit seinem Paßwort an und kann sich zunächst einmal bequem über die aktuellen Lernangebote informieren, ob Seminar, CBT, Printmedien oder die zur Verfügung stehenden Tutoren.

Anschließend trifft der Interessent seine Auswahl. Das VQS-Wissenszentrum enthält unter anderem ein Lernstudio, einen Seminar- und einen Prüfungsraum sowie eine Mediathek. In diesen virtuellen Räumen sind vielfältige Lernszenarien möglich, und das natürlich nicht nur bei Problemen mit Software-Anwendungen.

Ein Industrieunternehmen startet zum Beispiel den Verkauf eines neuen Produkts. Die Außendienstmitarbeiter haben sich zunächst auf ein personales Training vorbereitet, indem sie sich im Lernstudio ein CBT-Programm heruntergeladen und offline bearbeitet haben, tagsüber oder abends, je nachdem, wann sie Zeit hatten. Nach dem Seminar und den ersten Praxiserfahrungen mit dem Verkauf des neuen Produkts organisiert das Unternehmen ein Online-Training: Die Verkäufer besuchen den virtuellen Seminarraum - von der Zentrale, einer Zweigstelle oder von zu Hause aus - und besprechen erste Arbeitsergebnisse und Erfahrungen gemeinsam in einem virtuellen Klassenraum. Wer später vor oder nach einem wichtigen Kundentermin individuelle Fragen hat, kann jederzeit den Online-Tutor um Hilfe bitten oder am elektronischen Schwarzen Brett seine Frage an Kollegen weitergeben.

Ein noch neuer Mitarbeiter einer Bausparkasse hat in Kürze einen wichtigen Kundentermin. Er möchte sich schnell noch über die geeignete Strategie bei einer speziellen Finanzierungsart informieren und wendet sich an seinen Online-Tutor. Dieser hat heute bereits die dritte Anfrage dieser Art von neuen Mitarbeitern erhalten. Deshalb organisiert er kurzfristig eine Online-Konferenz, an der ein Fachexperte teilnimmt sowie einige Mtarbeiter, die bereits über Erfahrungen in diesem Fall verfügen.

Auch die Auszubildenden der Firma nutzen das virtuelle Wissenszentrum; sie bereiten sich auf ihre Prüfung vor. Dafür besuchen sie den virtuellen Prüfungsraum und bearbeiten die Aufgaben, die ihnen der Ausbildungsleiter vorbereitet hat. Anschließend kommunizieren sie untereinander per Chat, um noch offene Fragen zu klären, oder suchen in der Mediathek nach zusätzlichen Lernmaterialien. Übrigens kommt im Netz auch die private Kommunikation nicht zu kurz: Ein virtuelles Bistro lädt zum informellen Gedankenaustausch ein. Vernetzte Lernumgebungen bieten noch unzählige weitere Varianten des Lernens, sowohl bei akuten Problemen am Arbeitsplatz als auch bei längerfristig geplanten Lernprozessen.

Die neuen Möglichkeiten sind noch relativ frisch, so daß es bislang wenig Praxiserfahrungen gibt. Interessant und aussagekräftig ist ein Pilotprojekt, das M.I.T gemeinsam mit dem Fernlehrinstitut Christiani aus Konstanz organisiert hat. Hier wurde im Rahmen eines vom Arbeitsamt geförderten sechsmonatigen Kurses "PC-Fachkraft" VQS getestet - auch von Teilnehmern, die bis dahin noch nie mit der DV in Berührung gekommen waren und sich erst einmal an Maus und Tastatur gewöhnen mußten. Im Rahmen einer Übungsfirma übernahmen die Teilnehmer realitätsnahe Aufgaben. So mußten sie zum Beispiel Tabellen erstellen und diese online mit einer anderen - im wahrsten Sinne des Wortes virtuellen - Zweigstelle diskutieren. Ergebnis: Nach dem Sprung ins kalte Wasser und der Überwindung einiger Hürden waren die Teilnehmer begeistert von den neuen Möglichkeiten der Kommunikation. Ein Beweis mehr dafür, daß auch Computerneulinge mit der Online-Technologie gut zurechtkommen.

Trainern und Bildungs-Managern bieten vernetzte Lernumgebungen wie VQS die Möglichkeit, Qualifizierungsmaßnahmen effektiver zu organisieren und zu verwalten. Mit einfachen Tools können neue Lernmittel und Informationen in das System integriert und vorhandene Lernangebote modifiziert und aktualisiert werden. Wesentlich ist auch die Know-how-Datenbank. Hier werden Lösungen für Praxisprobleme abgelegt, die laufend von den Mitarbeitern ergänzt werden. Die Nutzung einer solchen Datenbank ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, das Wissen aller für alle verfügbar zu machen. Das virtuelle Wissenszentrum eignet sich sowohl für die firmeninterne betriebliche Qualifizierung als auch für den Einsatz bei professionellen oder institutionellen Bildungsanbietern.

Damit Lernen im Netz erfolgreich ist, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein: Zunächst muß der Zugriff auf Online-Informations- und Bildungsangebote einfach und die Bedienung unkompliziert sein. Die Oberfläche sollte ansprechend gestaltet sein, um Lust aufs Lernen zu machen. Schließlich kommt es auch auf die Inhalte und deren mediendidaktische Aufbereitung an. Außerdem heißt es für die Beteiligten, entsprechende konzeptionelle und organisatorische Maßnahmen zu treffen und für das richtige "Lernklima" zu sorgen.

VQS: die technik

Das vernetzte Qualifizierungs-System kann im Intranet oder Internet eingesetzt werden. Vorhandene unternehmensinterne Datenbanken lassen sich in das System integrieren, außerdem ist der Zugriff auf externe Datenbanken, zum Beispiel über das Internet, möglich. VQS ist eine Client-Server-Applikation; der Server besteht aus einem SQL-Server und einem Web-Server; als Betriebssystem wird Windows NT Server 4.0 eingesetzt. Die Client-Seite: eine Windows-32-Applikation, die auf Windows 95 und Windows NT lauffähig ist.

Angeklickt

Mitarbeiter brauchen offenere Qualifizierungsangebote, auf die sie bei Bedarf rasch zugreifen können, die zugänglich und flexibel einsetzbar sind. Die Online-Kommunikation ermöglicht hier ganz neue Dimensionen: Telelearning und Lernen im Netz können das derzeitige Bildungsangebot auf sinnvolle Weise erweitern und damit zur Lösung einiger Probleme beitragen.

*Ute Wolter ist freie Journalistin in Bensheim.