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30.11.1990 - 

Kreditkarte als Instrument für internationales "electronic cash"

Visa propagiert ihr neues Netz als die Strategie der 90er Jahre

LONDON (CW) - Des einen Freud, des anderen Leid: Für Kartenbesitzer, die gerne mit verzögerten Abbuchungen disponieren, brechen schwere Zeiten an. Visa International, der weltweit führende Anbieter von Kreditkarten will sein internationales Datennetz effizienter gestalten und setzt langfristig auf eine schnellere elektronische Geschäftsabwicklung beim Point of sales seiner Vertragshändler.

Nicht nur die eigene Marktposition auszubauen, sondern eine mit dem Wachstum einhergehende qualitative Verbesserung des Zahlungsverkehrs bei gleichzeitiger Kostenreduzierung zu erreichen, lautet das ehrgeizige Ziel, das Jaques Kosciusko, Managing Director von Visa International, in London vor der Presse skizzierte. Verwirklichen will die Kartenorganisation dies mit Visanet 2000, einer auf das Ende des Jahrzehnts ausgerichteten Konzeption für das internationale Daten-Management. Im Pflichtenheft stehen dabei die Neugliederung der Netz-Architektur, Einführung von Glasfaserverbindungen, Optimierung der Visanet-Software sowie ein vergrößertes Dienstleistungsangebot für spezielle Bereiche des Handels.

Aus den derzeit drei Interchange-Rechenzentren der Organisation in den USA (zwei) und Großbritannien sollen laut Diderik Schonheyder, General Manager Technology Application bei Visa International, bis 1999 zehn Zentren für alle Visa-Regionen werden. In seiner letzten Ausbaustufe wird Visanet die Anbindung von 160 Ländern über rund 2500 Access Points gewährleisten.

Neben zahlreichen weiteren nationalen Visa-Zentren sind an der Spitze der neuen Netzarchitektur vier "Super-Centres" als Hauptknotenpunkte geplant. Nach Installation bis 1999 können die vier Hauptknoten die bisherige Funktion der Interchange-Rechenzentren übernehmen. Mit dieser strukturellen Maßnahme verbinden die Visa-Systemmanager eine flexiblere und effektivere Auslastung des Netzes, da mehr internationale Verbindungen geschaffen werden und den Mitgliedern gleichzeitig größere Netzkapazitäten für nationale Anwendungen zur Verfügung stehen.

Um den Zahlungsverkehr mit der Plastikkarte weiter zu beschleunigen, rüstet die Organisation seit 1988 schrittweise ihr Datennetz auf Glasfaserleitungen um. Bis zum Jahresende beinhalten neue Software-Tools auf SNA-Basis ein sogenanntes Visanet-Integrated-Payment-(VIP)-System. Es verbindet die Datenträger der Clearing-Systeme Base I und Base II, die die Autorisierung und Verrechnung der Kartenzahlung abwickeln, mit dem ATM-Netz der Visa-Geldautomaten. Dadurch werden zukünftig die unterschiedlichen Kartenfunktionen in einem technisch synchron ablaufenden Zahlungsvorgang integriert.

Dienstleistungen zum Selbstkostenpreis

Dadurch will es den Visa-Informatikern gelingen, die Rechnerleistung ihrer IBM 3745- und 3746-Controller zu bündeln und bis zum Ende der 90er Jahre für die rund 22 000 Mitgliedsbanken mehr als 200 Millionen Dollar an Übermittlungsgebühren einsparen. Diese Kostenreduktion möchten die Visa-Manager, so Jaques Kosciusko, mittelfristig auch an Kartenbesitzer und Vertragshändler in Form niedrigerer Kartengebühren und höherer Händlerprovisionen weitergeben - ist Visa International als Non-Profit-Organisation doch bemüht, ihre Dienstleistungen ausschließlich zum Selbstkostenpreis anzubieten.

Die weltweit höchste Rate in der Bearbeitungskapazität des Visa-Netzes liegt derzeit bei rund 400 Transaktionen pro Sekunde, die durchschnittliche Bearbeitungsdauer beträgt weniger als zwei Sekunden. Nach Angaben der Visa-Techniker sind diese Werte das Ergebnis einer Reduzierung der Bearbeitungsdauer um mehr als fünfzig Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Trotzdem kann der Visacard-Holder künftig mit noch kürzeren Bearbeitungszeiten seiner Kartentransaktionen kalkulieren. Der Ansatzpunkt der Bemühungen liegt hier, so Diderik Schonheyder, bei den jeweiligen Autorisierungsstellen der Mitgliedsbanken, die für die Beantwortung der Anfrage den größten Zeitanteil bei der Abwicklung im System beanspruchen. Völlig überzeugt von der Kundenrelevanz dieser Entwicklung ist der Visa-Techniker freilich nicht, war doch der Faktor der verzögerten Abbuchung stets ein gutes Vertriebsargument im Kreditkartengeschäft. Primäres Ziel ist daher zunächst, die jetzige Bearbeitungsdauer auch bei einem größeren Geschäftsvolumen zu garantieren; der Trend führt jedoch, so Schonheyder, zu noch kürzeren Abrechnungsintervallen.

Die Kapazitätserweiterung von Visanet veranschlagen die System-Manager auf rund 150 Millionen Dollar. Die vollständige Realisierung des Visanet 2000-Projektes wird die 300 Millionen-Dollar-Marke erreichen. In Verbindung mit diesen Anstrengungen will Visa International seinen Mitgliedern auch im jeweiligen nationalen Bereich den Serviceumfang von Visanet verstärkt anbieten. Für viele von ihnen, die gegenwärtig meist teure Netze nationaler Anbieter benutzen, könnte dies zukünftig einen deutlich wirtschaftlicheren Weg darstellen.

Parallel zu diesen Bemühungen bietet die Organisation in bisher 14 europäischen Ländern seit einem Jahr sogenannte POS-Terminals für die Datenerfassung beim Händler an. Mit eigener technischer Spezifikation der Hard- und Software, basierend auf PC-Technik, realisiert Visa hier eine Billiglösung für den Handel und für Regionalbanken mit Off-Line-Kommunikation zwischen Karte und Terminal. In der Bundesrepublik, wo Visa noch großen Abstand zum nationalen Branchenführer Eurocard hält, wird dieses Netz seit einigen Wochen erstmals von der Saar Bank in Saarbrücken regional flächendeckend eingesetzt.

Jan Hendriks, ranghöchster Visa-Repräsentant in Deutschland, sieht nicht nur in der Bundesrepublik große Marktchancen für die POS-Technik von Visa. Er verknüpft mit Visanet 2000 die Erwartung, daß die Konzeption langfristig zur Installierung elektronischer Cash-Terminals bei allen Vertragshändlern seiner Organisation führen wird. Dies entspräche auch der mit Visanet 2000 verbundenen Marketing-Strategie, zukünftig nicht nur das bestehende Vertragshändlernetz elektronisch weiter auszurüsten, sondern zusätzlich neue Handelsbereiche wie Apotheken, Fast-Food-Restaurants und Supermärkte zu erschließen.