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25.09.2006

Vista - bessere Usability in Bunt

Wolfgang Miedl arbeitet Autor und Berater mit Schwerpunkt IT und Business. Daneben publiziert er auf der Website Sharepoint360.de regelmäßig rund um Microsoft SharePoint, Office und Social Collaboration.
Grafische Oberflächen gibt es seit 1973 - lässt sich da die PC-Bedienung noch verbessern? Zumindest Microsoft zeigt sich davon überzeugt und verspricht mit Vista ein noch effizienteres Windows.

Das neue Windows ist vor allem wieder mal eins: Viel bunter als sein Vorgänger XP. Das muss nicht schlecht sein, wenn Microsoft den Grundsätzen modernen Designs folgt und Ästhetik mit Funktionalität in Einklang bringt. Mit der neuen grafischen Oberfläche "Aero" vermittelt Vista zunächst einmal einen vertrauten Eindruck - Startmenü und Taskleiste präsentieren sich ähnlich wie in dem Vorgängersystem XP.

Aero - die Vista-Shell

Die Benutzeroberfläche von Windows Vista heißt "Aero". Microsoft verfolgt damit ein konsistentes Designkonzept mit Vorlagen und Styleguides, die Entwicklern dabei helfen sollen, Vista-konforme Anwendungen zu schreiben. Aero-Theme-Files und Aero-Programmierschnittstellen erleichtern die Implementierung des Vista-Look-and-Feel. Die Oberfläche basiert auf Vektortechnik und nutzt bei der Darstellung von Fenstern und 3D-Effekten die Direct-X-Schnittstelle im Verbund mit leistungsfähigen 3D-Grafikchips.

Suchen und organisieren

Der Explorer von Windows Vista bietet einige neue Funktionen, die das Organisieren und Finden von Daten erleichtern:

• Desktop-Suche: Suchfunktionen sind nun an prominenten Stellen in die Benutzeroberfläche integriert.

• Sortierspalten: Inhalte von Ordnern lassen sich nicht mehr nur spaltenweise aufsteigend oder absteigend sortieren. Sortierstapel beispielsweise dienen als virtuelle Ordner, in denen Dateien nach Metainformationen geordnet zusammengefasst werden.

• Gegliederte Adressleiste:

Die Ordnerpfade in der Explorer-Adressleiste erscheinen nun als klickbare Segmente, um so einen hierarchiefreien Zugriff auf beliebige Verzeichnisebenen zu ermöglichen.

• Link-Favoriten: Anwender können nun ihre wichtigsten Arbeitsordner im linken oberen Fensterausschnitt des Explorers ablegen, um so jederzeit Zugriff darauf zu haben.

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Doch schon nach den ersten Klicks führen zahlreiche optische Spezialeffekte dem Nutzer die Unterschiede vor Augen - etwa in Form halbtransparenter Titelleisten sowie aufwändiger Animationen beim Öffnen, Schließen, Verkleinern und Vergrößern von Fenstern. Tatsächlich bringen manche dieser Spielereien sogar einen funktionalen Mehrwert - zum Beispiel die neuen Task-Switcher-Ansichten beim Wechsel zwischen Anwendungsfenstern: Fährt man beispielsweise mit der Maus über die an der unteren Taskleiste platzierten Fenstersymbole, zeigt eine kleine Vorschau den Inhalt der Anwendung an - bei Videos oder Animationen sogar als bewegtes Bild.

3D fordert Rechenleistung

Obwohl diese grafischen Spielereien sehr rechenintensiv sind, wirkt Vista erstaunlich flott im Vergleich zum auf demselben PC installierten XP. Voraussetzung dafür ist allerdings ein üppig ausgestatteter Arbeitsspeicher mit mindestens 1 GB RAM. Darüber hinaus benötigt der Rechner eine 3D-Grafikkarte mit Directx-9-Schnittstelle. Die Berechnung der grafischen Oberfläche erfolgt nämlich erstmals auf dem 3D-Beschleunigerchip, während sich XP noch mit der klassischen 2D-Technik begnügt. Besitzer älterer Hardware müssen wegen Vista aber nicht unbedingt die Grafikkarte austauschen, da das System in solchen Fällen auf ressourcenschonendere Darstellungsmodi herunterschaltet. Puristen wiederum finden die ebenfalls verfügbare Minimaloptik von Windows 2000 wieder.

Mit den grundlegenden Elementen des Vista-Desktops finden sich Windows-Benutzer schnell zurecht. Das Startmenü wurde dezent überarbeitet, wobei vor allem die Liste "Alle Programme" auffällt. Das bisherige, etwas umständlich zu bedienende Klappmenü ist einer kompakten Listendarstellung gewichen, die innerhalb des Startmenüs ihren Platz findet. Neu auf dem Desktop ist die Windows-Sidebar. Dabei handelt es sich um eine am rechten Bildschirmrand angedockte Leiste, die Minianwendungen beherbergen kann. Die Liste der von Microsoft mitgelieferten Kleinapplikationen reicht vom Währungsumrechner über einen Börsenticker bis zu einem Anzeigemodul für abonnierte RSS-Schlagzeilen. Per Link gelangt der interessierte Anwender zur "Windows Live Gallery", auf der Microsoft verschiedene Gadgets von Drittanbietern bereitstellt, darunter beispielsweise Such-Plug-ins für Wikipedia und Google sowie eine Vorschau auf Outlook-Einträge.

Die hier sichtbare Verzahnung mit Web-Inhalten hat Microsoft in der uns vorliegenden Testversion Release Candidate 1 (RC1) noch einmal stark ausgeweitet. Im beim Systemstart obligatorisch geöffneten Begrüßungs-Center präsentiert sich die jüngst gestartete Online-Offensive des Herstellers. Der Benutzer wird eingeladen, die vielen Windows-Live-Dienste wie "Live Messenger" oder "Live Mail" zu testen. Mit Links auf "Live Onecare" und "Windows Marketplace" möchte Microsoft offenbar den Online-Vertrieb seiner neuen Sicherheitsprodukte und anderen Soft- und Hardwareartikel ankurbeln.

Viel Detailarbeit hat Microsoft in den Windows Explorer gesteckt, der seit jeher als Dreh- und Angelpunkt für das Organisieren von Dateien dient. Ursprünglich hatte der weltgrößte Softwareproduzent ambitioniertere Pläne verfolgt und wollte Vista mit dem datenbankbasierenden Dateisystem "Win FS" ausstatten. Doch dann legten die Verantwortlichen die komplexe Technik auf dem halben Weg der Vista-Entwicklung auf Eis. Doch auch ohne Win FS bietet Vista eine Vielzahl nützlicher Hilfen zur Datenverwaltung.

Explorer mit bekannten Tools

Der Haupteingang in das Dateisystem heißt nun nach elf Jahren nicht mehr "Arbeitsplatz", sondern schlicht und einfach "Computer". Am äußeren Erscheinungsbild des Explorers hat sich einiges geändert. Wie schon beim Internet Explorer 7 und Office 2007 fehlt nun die seit Windows 1.0 bekannte Menüleiste. Alle wichtigen Funktionen rund um die Dateiverwaltung stehen über eine kontextabhängige Symbolleiste zur Verfügung. Für Anwender, die gerne mit den ihnen bekannten Werkzeugen weiterarbeiten möchten, gibt es zwei Tricks, um die Menüleiste wiederherzustellen: Temporär reicht ein Druck auf die Alt-Taste, um den Balken kurzzeitig einzublenden. Dauerhaft lässt sich die Menüleiste durch einen Klick auf "Organisieren, Layout, Menüleiste" aktivieren. Die altbekannte Explorer-Baumansicht in der linken Spalte hat - dem Beispiel Outlook folgend - das Kästchen "Linkfavoriten" als Zusatz erhalten. Hier können Nutzer mit der Maus Links zu allen häufig benutzten Ordnern hineinziehen und ablegen.

Pfade leichter zu finden

Als hilfreich erweist sich nach einer gewissen Eingewöhnungszeit auch die neu gestaltete, eher unscheinbare Adressleiste im Datei-Explorer. Dieses Navigationselement bot in den letzten Windows-Versionen nur einen geringen praktischen Nutzen, indem es den Dateisystempfad nach dem Muster "C:\Dokumente und Einstellungen\Gast\ Eigene Dateien\" anzeigte. In der neuen Variante wird der Pfad in einzelne, klickbare Glieder unterteilt - jedes davon lässt sich als Drop-down-Menü aufklappen. Statt des Backslash-Trennzeichens ( "\") findet man einen vertikalen Pfeil vor, der sich mit der Maus anklicken lässt, um in einer heruntergeklappten Liste die Inhalte der entsprechenden Ordnerebene anzuzeigen. Weil auf diese Weise ein hierarchieunabhängiger Zugriff auf Ordner möglich ist, erspart sich der Anwender so weitgehend das Hangeln durch Verzeichnisbäume.

Vista enthält darüber hinaus nun serienmäßig eine Desktop-Suchmaschine. Das entsprechende Eingabefeld findet sich im Startmenü, wo die Ergebnisse dank inkrementeller Suche schon während der Eingabe aufgelistet werden. Zusätzlich verfügt auch jeder Explorer-Ordner über ein Sucheingabefeld in der rechten oberen Ecke. Über "Erweiterte Suche" öffnet sich ein aufklappbares Menü mit weiteren Suchoptionen.

Vista klaut bei Web 2.0

Ein Novum in Sachen Datenorganisation sind die neuen "Markierungen", die bei bestimmten Dateitypen zur Verfügung stehen. Dieses Feature ist den aus dem Web-2.0-Kontext her bekannten Tags entlehnt und bietet nun auch innerhalb des Windows-Dateisystems eine Verschlagwortung an. Derzeit beschränkt sich die Vergabe solcher Markierungswörter auf bestimmte Dateitypen wie zum Beispiel Multimedia- und Office-Dateien. Gut ausprobieren lässt sich das Tagging beim Verwalten von Fotos unter Vista, wenn man dabei auch noch die neue Albumsoftware "Windows Fotogalerie" benutzt. Bilder lassen sich in diesem Programm mittels verschiedener Ordnungskategorien wie Datum, Bewertung oder Markierung sortieren - unabhängig vom tatsächlichen Speicherort im Dateisystem. Die Markierungen wiederum können sowohl im Explorer als auch in der Fotogalerie bearbeitet werden.

Umfangreich sind auch die Sortier- und Gruppierfunktionen, die sich hinter den Spaltenüberschriften des Explorers verbergen. Während Spaltenüberschriften früher nur rudimentäre Sortiermöglichkeiten boten, erzielt man nun mit wenigen Klicks ganz neue Ansichten in Ordnern. Vorteilhaft ist hierbei auch die Stapelfunktion: Stapelt man beispielsweise alle Bilder eines Ordners nach dem Kriterium "Aufnahmedatum" (etwa in monatlichen Inkrementen), so erhält der Nutzer virtuelle Ordner, die er anschließend auch als Link auf den Desktop ziehen kann. Systemweit lassen sich auf diese Weise auch Office-Dokumente in virtuellen Ordnern zusammenfassen. In der Summe eröffnen die beschriebenen Erweiterungen des Explorers ganz neue Möglichkeiten zur Organisation von Daten.

Neben den vielen kleinen Verbesserungen der Windows-Oberfläche gegenüber XP hat sich auch auf Anwendungsseite einiges getan. Eines der Highlights dürfte "Windows Teamarbeit" sein. Es handelt sich dabei um ein Peer-to-Peer-Collaboration-Werkzeug, das die Zusammenarbeit mehrerer Anwender über das Netz ermöglicht. Das Tool erlaubt es einer Gruppe von Anwendern, eine Sitzung abzuhalten, einen gemeinsamen Desktop zu benutzen, gemeinsam Dokumente zu bearbeiten sowie Notizen auszutauschen. Insbesondere für Laptop-Benutzer dürfte der Ad-hoc-Modus interessant sein: Findet das Werkzeug keinen Teilnehmer per herkömmliche Netzwerkverbindung, so baut es ein Ad-hoc-Netz über Wireless LAN auf. Ohne großen Konfigurationsaufwand bilden so mehrere mobile Vista-Rechner an beliebigen Orten eine Collaboration-Sitzung.

Zu den neuen Anwendungen zählen außerdem der Spyware-Schutz "Windows Defender", "DVD Maker HD", "Windows Calendar" und "Windows Backup". Etliche bekannte Windows-Zusätze wurden für Vista überarbeitet. Das Media Center beispielsweise wird nun nicht mehr als eigenständige Windows-Version vertrieben, sondern steht in einer aktualisierten Version als Vista-Zubehör zur Verfügung. Beim neuen Media Player 11, der auch für XP erhältlich ist, fallen vor allem die aufwändigen visuellen Effekte auf.

Baustelle Windows Mail

Windows Mail präsentiert sich allerdings derzeit noch als Baustelle. Zudem verwirrt Microsofts Produktstrategie den Nutzer: Einerseits enthält Vista RC1 mit Windows Mail bereits den designierten Nachfolger von Outlook Express, gleichzeitig lädt aber das Begrüßungscenter dazu ein, das noch in der Testphase befindliche Windows Live Mail Desktop herunterzuladen. Letzteres ist das Desktop-Pendant zum Ajax-Web-Mailer "Live Mail". Microsoft war sichtlich bemüht, beide Frontends so ähnlich wie möglich zu gestalten. Wie bei Google-Mail steckt auch hier ein werbefinanziertes Geschäftsmodell dahinter.

Beim Seitenblick auf die neue Oberfläche von Apples Betriebssystem "Mac OS X" relativieren sich zwar viele gestalterische Neuerungen. Dennoch besticht Vista vor allem durch viele funktionale Verbesserungen, die XP in der Summe alt aussehen lassen. Gelingt es den Anwendern auch noch, die neuen Explorer-Features im Arbeitsalltag produktiv umzusetzen, verspricht Vista durchaus eine Steigerung der Arbeitseffizienz. (ba)