Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Zieht Esser AOL Europe als letzten Trumpf aus dem Ärmel?


04.02.2000 - 

Vodafone und Vivendi wollen Mannesmann unter sich aufteilen

MÜNCHEN (CW) - Hat Mannesmann den Kampf gegen die feindliche Übernahme durch Vodafone verloren? Im Moment sieht es fast so aus, nachdem die Briten durch die Ankündigung einer Kooperation mit dem französischen Mischkonzern Vivendi einen wichtigen Punktsieg gelandet haben. Doch die Rechnung für Vodafone-Chef Chris Gent könnte, auch wenn sie aufgeht, am Ende recht hoch ausfallen - ebenso für die Mannesmann-Aktionäre.

Mannesmann-Vorstandsvorsitzender Klaus Esser steht wie ein begossener Pudel da. Dies war die einhellige Meinung von Marktbeobachtern, nachdem der französische Mischkonzern Vivendi am vergangenen Wochenende überraschend eine großangelegte Kooperation mit Vodafone angekündigt hatte. Tagelang hatte Esser zuvor mit Vivendi-Chef Jean-Marie Messier über eine Fusion verhandelt. Beide Konzerne wollten sich, wie französische Zeitungen zunächst wohl zutreffend spekuliert hatten, zu einer Holding zusammenschließen, an der Mannesmann mit 60 und Vivendi mit 40 Prozent beteiligt gewesen wäre. Entstanden wäre eine Gruppe mit einem Umsatz von mehr als 100 Milliarden und einem Börsenwert von 370 Milliarden Mark. Die gesamten Umwelt- und Industrieaktivitäten des neuen Konzerns sollten den Berichten zufolge in einem zweiten Schritt veräußert werden - zugunsten der Geschäftsbereiche Medien und Telekommunikation.

Doch der Plan Essers, die Franzosen als weißen Ritter in der Übernahmeschlacht gegen Vodafone herbeizurufen, war am Sonntag nur noch Makulatur. "Wir wollen ein europäisches Internet-Unternehmen aufbauen, das den Yahoos dieser Welt Paroli bieten kann", begründete Vivendi-Chef Messier auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Paris seinen Schwenk zu Vodafone. Gleichzeitig gab er zu, parallel mit den Deutschen und den Briten verhandelt zu haben. "Rein industrielle Gründe" hätten letztendlich den Ausschlag zugunsten von Vodafone gegeben. Beide Konzerne wollen, so Messier, mit der Gründung einer Tochtergesellschaft namens MAP (die Abkürzung steht für Multi Access Portal) ein Internet-Portal aufbauen.

Brisant aus Sicht der Düsseldorfer sind jedoch weitere Pläne, die zunächst nur am Rande erwähnt wurden. So sprach Messier in Paris auch über eine denkbare Zusammenarbeit beider Unternehmen im Mobilfunk und in der Festnetztelefonie.

Vivendi schielt auf alle Festnetzaktivitäten

Offenbar verteilen Vodafone und Vivendi bereits die Felle. Falls Vodafone mit seinen Übernahmeplänen Erfolg hat, will Vivendi 7,5 Prozent der Mannesmann-Anteile am zweitgrößten französischen Mobilfunkbetreiber Cegetel übernehmen. Mannesmann hält hier im Moment 15 Prozent. Käme dieser Deal zustande, hätte Vivendi mit 51,5 Prozent die Mehrheit an Cegetel. Gleichzeitig haben die Franzosen ihr Interesse am britischen Mobilfunk-Provider Orange bekundet, den Mannesmann erst kürzlich für rund 60 Milliarden Mark geschluckt hat. Insider wollen sogar von noch weitergehenden Abmachungen wissen: Demnach soll Vodafone-Chef Chris Gent seinem neuen Allianzpartner auch die Festnetzaktivitäten von Mannesmann in Deutschland, also die Konzerntöchter Arcor und Otelo, zugesichert haben. Vivendi und Vodafone hätten, so die Mutmaßungen, eine Arbeitsteilung vereinbart: Vodafone konzentriert sich auf das Mobilfunkgeschäft, Vivendi auf die Festnetztelefonie und das Internet-Business.

Der düpierte Mannesmann-Chef reagierte am Montag barsch - nachdem ihm der eigens einberufene Aufsichtsrat, der ursprünglich über die geplante Fusion mit Vivendi beraten sollte, erneut das Vertrauen ausgesprochen hatte. Mannesmann müsse doch mehr wert sein als der gebotene Preis, ließ Esser verlautbaren, sonst könnte Vodafone-Chef Gent den Franzosen kaum eine so strategisch großzügige Offerte unterbreiten. Eine Sichtweise, die von vielen Analysten geteilt wird. Konzerngesellschaften der Düsseldorfer wie Orange, Arcor und Otelo würden, so der Tenor, vermutlich "zu einem Schnäppchenpreis durchgereicht". Bezahlen müßten dies die Mannesmann-Aktionäre. Zudem stehe der Deal zwischen Vivendi und Vodafone unter dem Vorbehalt, dass die Briten tatsächlich mehr als 50 Prozent der Mannesmann-Aktionäre auf ihre Seite ziehen können. Ansonsten sei die Allianz "eine Luftnummer", ohne definitiven Zeitplan und festgelegte Vorgehensweise.

Trotzdem dürfte Vodafone bei vielen Investoren entscheidend Boden gutgemacht haben, hieß es in Börsenkreisen. Die strategische Kooperation zwischen Vivendi und Vodafone habe einen "gewissen Charme". Vor allem zeige sie, dass man zumindest bei Vivendi zu wissen glaube, wer der Gewinner der Übernahmeschlacht sei. Das Rennen um die Gunst der Anleger stehe jetzt Kopf an Kopf. Für nicht ganz unwahrscheinlich wurde es aber auch gehalten, dass Mannesmann-Chef Esser noch in dieser Woche - also vor Ende der Übernahmefrist am 7. Februar - seinerseits einen Trumpf aus dem Ärmel zieht: den Einstieg bei AOL Europe. Seit gut einer Woche wird auch darüber spekuliert. Gelänge Esser dieser Coup, würde Mannesmann über etwas verfügen, was bei Vodafone/Vivendi derzeit nur auf Papier existiert: ein im Markt bereits etabliertes Internet-Portal.