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01.06.2001 - 

Alte Produktlinien werden in Evo-Familie verschmolzen

Völlig losgelöst - Compaqs Zukunftsvision

MÜNCHEN (jm) - Compaq hat einen Traum - und der heißt Computer ohne Fesseln. Neudeutsch bezeichnet das Unternehmen seine Vision als Wireless Computing. Die "Evo"-Produktlinien stellen da einen Schritt zu der nach eigenen Angaben "nachhaltigen Vereinfachung der IT-Infrastruktur von Unternehmen" dar. Erste Geräte kommen jetzt auf den Markt.

Wenn die versammelte Journaille die Evo-Ankündigung nicht anders begreifen könne als eine neue Designgebung künftiger Rechnerlinien und als Namensänderung, dann habe sie nicht verstanden, worum es Compaq geht. So stimmte Hartmut Woerrlein, Business Manager Corporate Access Products bei der Compaq Computer GmbH, darauf ein, was bei dem texanischen Unternehmen seit ungefähr neun Monaten offizieller Gospel ist und was der Öffentlichkeit nahe gebracht werden soll: Die Welt steht erstens vor einer Evolution der Informationstechnologienutzung in Unternehmen, die drahtloses Computing heißt. Zweitens und noch wichtiger: Compaq führt diese Bewegung an.

So viel, so gut. Was sind die Fakten? Mit der Taufe der Evo-Produktgeneration wird Compaq peu à peu über die kommenden zwölf Monate seine Rechnerlinien "Armada", "Deskpro", "Ipaq Desktop", "Professional Workstation" sowie seine Thin-Client-Modelle in die Asservatenkammer des Unternehmens verabschieden. Zukünftig wird es im Business-Segment von Compaq nur noch Evo-Rechner geben. Unberührt bleiben die Consumer-Modelle "Presario". Hinzu kommen als dritte Produktfamilie die "Ipaq"-Handhelds. Insgesamt hat Compaq seine nicht mehr überschaubare Produktvielfalt also umfirmiert und reduziert auf drei Systemlinien: Evo, Presario und Ipaq.

Was ist neu? Das Multiport-KonzeptAllen Evo-Modellen gemeinsam ist ein Design in den Farben Silber und Schwarz, wobei Compaq schicker von Carbon spricht. Wesentlich für das Konzept Wireless Computing ist allerdings eine technische Neuerung, für die Compaq geistigen Eigentumsschutz angemeldet hat: das Multiport-Konzept, das Compaq bereits vergangenen Herbst auf der Comdex-PC-Messe in Las Vegas präsentierte.

Das Multiport-Modul, wie es erstmals in Compaqs Evo-Notebook "N400c" eingesetzt wird, ist auf der Rückseite des Displays angebracht. Seine elektrische Basis, seine Schnittstelle, ist der Industriestandard Universal Serial Bus (USB). In dem Modul sind sowohl ein Sender als auch ein Empfänger integriert, die den drahtlosen Austausch von Unternehmensdaten mit dem Rechner ermöglichen. Heute verfügbar ist zum einen ein Modul, das die Bluetooth-Technologie nutzt. Compaq bietet aber auch eine LAN-Version an, die sich den 802.11b-Standard zu eigen macht. Ein Highspeed-WAN-Multiport-Modul ist in der Entwicklung.

Künftig werde der professionelle Benutzer von Evo-Gerätschaft seine Rechner an den Kommunikationsstandard anpassen können, der am Markt gefragt ist und angeboten wird. Ferner arbeitet das Unternehmen an verschiedenen Multiport-Sicherheitsmodulen wie Fingerprint- oder Smartcard-Lösungen. Mit dem Multiport-System kehrt Compaq der Mini-PCI-Technologie den Rücken. Als Erklärung verweist das Unternehmen darauf, dass es bei Letzterer zu Radiofrequenzstörungen und damit zu Verlässlichkeitseinbußen kommen könne. Diese seien mit dem neuen technischen Konzept ausgeschlossen. Auch könne die in Notebooks herrschende erhöhte Temperatur schuld daran sein, dass im Rechner platzierte Kommunikationsmedien ihre vorbestimmte Kanalfrequenz nicht zuverlässig halten könnten, was wiederum in Verbindungsabbrüchen resultiere. Die Evo-Generation läutet das Unternehmen mit dem "400c"-Notebook, sowie den Workstations "W6000" und "W8000" ein. Desktop-PCs und Thin-Client-Produkte sollen im Laufe dieses Jahres folgen (zu den Produktspezifikationen: www.compaq.de/produkte/evo.htm).

So sehr Compaq auch die Führerschaft im Wireless Computing für sich reklamiert, die Konkurrenz schläft nicht. Fast zeitgleich mit der Evo-Ankündigung präsentierte IBM das Notebook "Thinkpad A22m". Dieses und zukünftige Modelle der Thinkpad-i-Serie "1300" werden ebenfalls über einen im Display-Deckel integrierten Wireless-LAN-Zugang verfügen. Allerdings kann man beim IBM-Notebook kein Modul auswechseln, wenn sich künftig Kommunikationsstandards ändern.

Kommentar

Jan-Bernd Meyer Redakteur CWZunächst einmal das Positive: Compaqs Idee, künftige Rechnergenerationen losgelöst von Kabeln und Anschlussbuchsen mit der Unternehmens-IT kommunizieren zu lassen, ist gut.

Ob es sich hierbei um eine Vision handelt, mit welchem Begriff unausgesprochen ja doch etwas weit über den Alltag Hinausreichendes gemeint ist, mag dahingestellt sein.

Auch dass die Multiport-Technologie intelligent ist und dem Anwender die Wahlfreiheit bei kommenden Kommunikationsstandards lässt, sei unbestritten. Aber: Wie lange wohl wird es dauern, bis ein durchschnittlich begabter Ingenieur bei Dell, IBM, Toshiba oder Fujitsu-Siemens ein Kommunikationsmodul entwickelt, das sich an den Display-Deckel eines Notebooks anflanschen lässt? Es gilt die Wette, dass die Konkurrenz mit ähnlichen Produkten innerhalb weniger Wochen oder Monate auf den Markt kommt.

Allerdings werden die Wettbewerber solch eine Technologie nur bringen, wenn der Bedarf für Geräte vorhanden ist, die "drahtlos glücklich" sind, wie IBM es formuliert. Zwar ist Compaqs Wireless-Konzept, wie es nun nach den "Ipaq"-Handhelds mit der Multiport-Technologie fortgesetzt wird, von der Idee her sinnvoll. Aber die Zeit ist noch nicht gekommen, dass Unternehmen sie einsetzen können. Nur wer in Gebäuden arbeitet, die mit einer entsprechend nötigen Infrastruktur, also Receivern für die drahtlose Kommunikation statt mit dem üblichen Kabelsalat des LAN-Zeitalters ausgestattet sind, ist ohne Strippen trotzdem auf Draht. Und das sind die wenigsten. Nachdem bislang zudem überhaupt nicht klar ist, welche Kommunikationstechnologie sich in Zukunft durchsetzen wird - Bluetooth gehören zwar die Schlagzeilen, mehr aber auch noch nicht -, wird die Konkurrenz angesichts der Compaq-Technologie entspannt reklamieren: "Was soll?s?"

Trotzdem gibt die Compaq-Strategie Sinn: Drahtlose Kommunikation wird sich, das ist unschwer vorherzusagen, als Technologieanforderung über kurz oder lang durchsetzen. Jedes Unternehmen - Hersteller wie Anwender - tut also gut da-ran, sich diesbezüglich Know-how anzueignen.

Noch wichtiger aber ist, dieses Thema als Erster für sich zu reklamieren und zu besetzen. Genau das tut Compaq konsequent seit einigen Monaten. Jeder in der Branche wird sich an IBMs genialen PR-Schachzug erinnern, als es über Nacht alle seine Produkte als @-Technologien verkaufte und sich in der Öffentlichkeit als das kompetente E-Business-Unternehmen andiente. Mehr als Marketing steckte lange Zeit nicht hinter dieser öffentlichkeitswirksamen Offensive. Hausintern kursierten vertrauliche Papiere, in denen IBMer beklagten, dass man in Sachen Internet-Technologie der Konkurrenz hinterherhechele. Die PR-Strategie ging trotzdem auf.

Warum sollte diese Idee nicht noch einmal funktionieren? Insofern lässt die Compaq-Managerin Karola Bode auch keine Fragen offen, wenn sie konstatiert: "Wenn Menschen heute und in Zukunft darüber nachdenken, welche Vorteile ihnen Wireless-Technologien für ihre Geschäftsmodelle bieten, dann soll ihnen zunächst der Name Compaq einfallen - Compaq als Synonym für das Wireless Computing." Das ist doch eine klare Ansage.