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01.04.2005

VoIP auf Reisen richtig benutzen

Wer unterwegs per Voice over IP telefonieren will, muß in der Praxis einige Tricks und Kniffe beherrschen.

20 Euro für zwölf Stunden Internet-Zugang im Hotel, Hotspot-Abrechnungen nur im Halbstunden-Takt - angesichts solcher Preismodelle wird der E-Mail-Abruf auf Dienstreisen zum teuren Vergnügen. Was liegt also näher, als die einmal bezahlte Online-Zeit auszunutzen, indem man etwa im Hotelzimmer oder WLAN-Hotspot mit VoIP auch über das Internet telefoniert? Dabei spart der Reisende die häufig exorbitanten Telefongebühren der Hotels oder die kostspieligen Roaming-Preise der Mobilfunkanbieter im Ausland - so zahlt der VoIP-Benutzer für den Anruf zu einem deutschen Festnetzanschluss rund 1,7 Cent pro Minute, während mit dem Handy über O2 ein Gespräch von Frankreich nach Deutschland 1,25 Euro pro Minute kostet. Zudem ist der Reisende mit VoIP für Mitarbeiter und Kollegen unter seiner gewohnten Telefonnummer erreichbar. Realisierbar ist das Szenario auf zwei unterschiedliche Arten: Entweder der Benutzer verbindet sich mit einer eventuell im Unternehmen bereits vorhandenen IP-TK-Anlage über ein Virtual Private Network (VPN), oder er benutzt direkt einen Account bei einem VoIP-Provider wie Sipgate, Nikotel oder anderen.

Bevor jedoch unterwegs kostengünstig per VoIP telefoniert werden kann, sind einige Hürden zu meistern. Die leichteste Übung ist dabei noch die Suche nach einer entsprechenden VoIP-Software für Notebook oder Pocket-PC. Dieses "Softphone" übernimmt als Client auf dem Rechner die Aufgabe eines Telefons. Werden im Unternehmen bereits VoIP-Lösungen von Anbietern wie Cisco oder Avaya-Tenovis genutzt, so kann meist über diese Hersteller entsprechend günstig ein Softphone bezogen werden. Ansonsten sind auf den Web-Seiten von Firmen wie Xten (X-Lite, X-Pro, Eyebeam), Sjlabs (Sjphone), Nero (Sipps) oder Snom entsprechende Softphones für Notebooks und Pocket-PCs zu finden. Teilweise offerieren die Anbieter auch kostenlose Trial-Versionen zum Download. Anwender, die nicht unbedingt Features wie beispielsweise Konferenzschaltungen oder eine Unterstützung für mehrere VoIP-Accounts benötigen, kommen auch mit diesen kostenlosen Varianten aus.

Konfiguration

Etwas schwieriger ist dagegen die Konfiguration der Software. Vor allem VoIP-Neulingen werden Konfigurationsfelder, die nach STUN-Server (Simple Traversal of UDP over NAT), RTP-Ports (Real Time Transport Protocol) oder SIP-Server (Session Initiation Protocol) verlangen, wie böhmische Dörfer erscheinen. Doch die Eingabe der richtigen Parameter ist kein Hexenwerk, denn die meisten SIP-Provider bieten auf ihren Web-Seiten interaktive Konfigurationsanleitungen für die gängigen Softphones an und ersparen dem User so den tiefen Einstieg in die Materie.

Sind die entsprechenden Variablen und Account-Daten richtig eingegeben, sollte die Funktionsweise des Softphones bereits vor der Reise überprüft werden. In der Regel endet das erste IP-Telefonat dann mit einer großen Enttäuschung: Die Gesprächspartner hören sich teilweise mit bis zu vierfachem Echo. Die Wurzel des Übels ist dabei meist der zu geringe Abstand zwischen Mikrofon und Lautsprecher der mobilen Rechner, so dass es zu Rückkoppelungen kommt. Zwar hat Fujitsu-Siemens mit dem "Loox 720" bereits einen für VoIP eingerichteten Pocket-PC auf den Markt gebracht, der extra für die IP-Telefonie einen zweiten, vom Mikrofon abgekapselten Lautsprecher besitzt, doch bislang unterstützt dies kein Softphone. Lediglich Sjlabs arbeitet Gerüchten zufolge an einer entsprechenden Softwareversion.

In der Theorie lässt sich das Echoproblem leicht lösen. Viele Programme warten unter dem Konfigurationspunkt Audio mit Echounterdrückung (auch als Echo Suppression oder Acoustic Echo Cancellation = AEC bezeichnet) auf. Im Alltagsbetrieb überzeugten die Echo-Killer dagegen nur bedingt. Zwar war kein Echo mehr zu hören, dafür klangen die Gespräche teilweise dumpf, und es entstand der subjektive Eindruck, dass die Verzögerung hörbar länger sei. Wer hier nicht viel Zeit in ein Feintuning der Audioeinstellungen investieren will, behebt das leidige Echoproblem am einfachsten, indem er zum Headset mit Mikrofon greift.

Eine kabelgebundene Alternative zum klassischen Headset offeriert beispielsweise die schwedische Logistic Innovators AB mit dem "Nixtor Phone NS-01". Das knapp 40 Dollar teure Gerät ist der Form eines Telefonhörers nachempfunden und muss lediglich mit dem Mikrofoneingang und Lautsprecherausgang eines Notebooks verbunden werden.

Bluetooth statt Kabel

Wer sich durch die lästigen Kabel in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt fühlt, telefoniert noch komfortabler mit einem der Bluetooth-Headsets, die häufig in Verbindung mit Handys genutzt werden. Dazu muss jedoch das mit Bluetooth ausgestattete Notebook oder der Pocket-PC das Bluetooth-Headset-Profil unterstützen. Geräte mit einem Bluetooth-Stack von Widcomm tun das in der Regel. Anwender, die den mit dem XP Service Pack 2 ausgelieferten Microsoft-Bluetooth-Stack verwenden, haben dagegen ein Problem, denn die Software beherrscht dieses Profil nicht. Hat der Gerätehersteller einen eigenen Bluetooth-Treiber mitgeliefert, so sollte der Anwender diesen installieren, indem er unter den "Systemeigenschaften, Hardware" die Option "Treiber aktualisieren" wählt. Ferner muss der XP-Nutzer in der Systemsteuerung unter dem Menüpunkt "Sounds und Audiogeräte, Audio" noch von den geräteeigenen Audio-Devices auf das Headset umschalten.

Kann der Benutzer so das Echoproblem umschiffen, steht er einem anderen Phänomen dagegen machtlos gegenüber: Wenn bei Telefonaten via VoIP beide Gesprächspartner wie bei einem Walkie-Talkie nicht gleichzeitig sprechen können, so muss das nicht unbedingt an einer schlechten Internet-Verbindung liegen. Oft ist die Ursache vielmehr ein nicht vollduplexfähiger Audiochip.

Wahl des Codecs

Mit der beschriebenen Ausstattung steht einem VoIP-Telefonat unterwegs per Notebook oder Pocket-PC eigentlich nichts mehr im Wege. Allerdings sollte bedacht werden, dass sich der User im Hotel oder Hotspot die verfügbare Bandbreite mit allen anderen Benutzern teilt und damit die oft verwendeten Internet-Anbindungen via ADSL an ihre Grenzen stoßen. Ist die Sprachübertragung beim VoIP-Telefonieren gestört, empfiehlt es sich, im Softphone einen anderen Audiocodec zu verwenden. Der häufig genutzte Codec "G711" überträgt die Sprache zwar fast unkomprimiert und damit unverfälscht, belegt aber mit 64 Kbit/s relativ viel Bandbreite. Abhilfe schafft hier beispielsweise die Verwendung des GSM-Codec, der zwar stärker komprimiert und mehr Rechenleistung benötigt, dafür aber nur ein Zehntel der Bandbreite erfordert.

Fehlersuche

Kann der Reisende dagegen gar nicht per VoIP telefonieren, gestaltet sich die Fehlersuche schwieriger. Im günstigsten Fall hat er das Pech, dass bereits ein anderer Hotelgast oder Hotspot-User per VoIP telefoniert und dabei die gleichen Ports benutzt, die auch am eigenen Softphone eingestellt sind. Verwendet der eigene Client den UDP-Port 5060 für die SIP-Signalisierung und den Port 5004 für RTP, die eigentliche Sprachübertragung, so führt eventuell die Erhöhung dieser Werte um eins (5061, 5005) zum Erfolg. Eine andere potenzielle Störungsquelle ist das in diesen Netzen häufig verwendete NAT. Die Network Address Translation erlaubt es, hinter einem Router mit nur einer öffentlichen Internet-Adresse mehrere Rechner mit privaten IP-Adressen zu betreiben. Für das Softphone hat dies aber zur Konsequenz, dass es zwar die private IP-Adresse kennt, aber nicht weiß, über welche öffentliche IP-Adresse eingehende Datenpakete - sprich Telefonate - ankommen. Hier gelangt nun der STUN-Server ins Spiel. Über dessen Client-Server-Protokoll erfährt das Softphone, welche öffentliche IP-Adresse und welche Ports verwendet werden. Deshalb sollte STUN in der Regel auf dem Client aktiviert sein.

Schlechte Karten hat der IP-Telefonierer dagegen, wenn der Netzbetreiber die für VoIP genutzten Ports bewusst sperrt. Bislang ist dies nur selten der Fall. Branchenkenner gehen jedoch davon aus, dass manche Hoteliers zu dieser Maßnahme greifen werden, wenn ihre teuren TK-Anlagen kaum mehr ausgelastet sind, weil das Gros der Gäste über VoIP telefoniert.

Gegen solche rigiden Maßnahmen sind dann nur Benutzer gefeit, die eine VPN-Verbindung zu ihrem Unternehmen aufbauen können. Da diese Ports nämlich auch für ein sicheres remotes Arbeiten benötigt werden, kann es sich kaum ein Betreiber leisten, sie zu sperren. Über den VPN-Tunnel kann der Reisende etwa Verbindung zur unternehmenseigenen IP-TK-Anlage aufnehmen und dann über diese telefonieren.