Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

16.01.2007

VoIP ist reif für die Praxis

Oliver Häußler arbeitet als freier Journalist und Moderator in der IT- und Telekommunikationsbranche. Seine journalistischen, wirtschaftlichen und technischen Erfahrungen sammelte der Kommunikationswissenschaftler während seiner über 20 Jahre langen Tätigkeit als Chefredakteur von renommierten Fachzeitschriften wie der Funkschau, FunkschauHandel, NetworkWorld und als Moderator von Kongressen, Webcasts und zahlreichen Podiumsdiskussionen.
Auf der VoIP-Konferenz der Computerwoche präsentierten die Vortragenden Strategien, Migrationswege und zahlreiche Praxisbeispiele für VoIP-Anwendungen. Die Themenvielfalt reichte von VoIP im Eigenbetrieb über VoIP als Managed Service bis hin zu Mobile-VoIP. Fazit der Veranstaltung: VoIP hat längst Praxisreife erlangt. Aber: Wer den Einstieg ohne klare Strategie und Planung wagt, geht ein hohes Risiko ein.

VoIP liegt im Trend: Im dritten Quartal vergangenen Jahres wurden in Westeuropa IP-Telefongeräte und -Systeme im Wert von 580 Millionen Dollar verkauft, stellten die Marktforscher von IDC fest. Gegenüber dem vorausgehenden Quartal ist dies ein Zuwachs von 4,3 Prozent. Der Grund: VoIP ist attraktiv für Unternehmen, da es Kosten reduzieren, den Administrationsaufwand verringern, den Kundenservice optimieren und letzlich auch die Wettbewerbsfähigkeit stärken kann. Manuel Baum, Geschäftsführer der ICB Internet for Business Consulting, rät daher Unternehmen zum raschen Unstieg auf auf VoIP, denn: "Wer heute die Vorteile konvergenter Infrastrukturen nicht für sein Unternehmen nutzt, verspielt Zeit und verliert Geld". Abwarten sei nicht zweckmäßig, da an VoIP mittelfristig ohnehin kein Weg vorbei führe und die IP-Telefonie die leitungsgebundene Telefonie ersetzen wird. "Spätestens 2015 gibt es kein ISDN mehr, da keine Ersatzteile mehr für das Netz produziert werden", erklärt Dirk Fromm, Communication Expert Ce21, die Notwendigkeit zur Umstellung. Die Trendwende wird jedoch weitaus früher einsetzen: Schon 2008 sollen in den europäischen Büros mehr IP-Phones als klassische Telefone im Einsatz sein, prognostiziert das Marktforschungsinstitut Gartner.

Wer umsteigen will, benötigt eine ganzheitliche Kommunikationsstrategie für eine bedarfsgerechte Planung. Andernfalls riskiert er Nachteile im Hinblick auf Kosten, IT-Sicherheit, Kundenzufriedenheit. "Wer ohne ICT-Strategiekonzept VoIP in ein Unternehmen einführt, riskiert hohe Folgekosten und geht hohe Haftungsrisiken ein", so Dirk Fromm (siehe "Riskmanagement bei der Einführung einer VoIP-Lösung", Seite ????).

Ist die Entscheidung für VoIP einmal getroffen, so folgt die Qual der Wahl bei den möglichen Varianten und Applikationen. "Die Palette reicht von Netzwerk-Infrastruktur-Services für VoIP, VoIP-Hosting, IP-Centrex-Dienste, VoIP in Applikationen wie CRM, IP-Call-Center bis zur Integration mobiler Devices in VoIP", erklärt IT-Consultant Christian Mowitz (siehe VoIP-Varianten, Seite ???). Die Folge: "Es gibt unzählige Lösungsansätze, mit den unterschiedlichsten VoIP-Varianten auf dem Markt." Eine maßgeschneiderte Lösung lasse sich aber für jedes Unternehmen entwickeln, so Mowitz.

Als unerwartet schwierig gestaltet sich häufig die Auswahl eines Partners, Providers und Lieferanten: Die Anzahl der Anbieter hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen und die Vielfalt der Angebote ist sehr komplex. Daher empfehlen die VoIP-Berater gerade bei diesem Punkt genügend Zeit einzuplanen. Fachautor Thomas R. Köhler rät: "Eine Vielzahl von Handlungsoptionen und die schnelle technologische Entwicklung machen ein VoIP-Projekt zu einer Herausforderung für jedes Unternehmen. Wesentlich ist, die Kontrolle über den Migrationsprozess stets in der Hand zu behalten, um nicht in unerwünschte Abhängigkeiten von einem Lieferanten zu geraten" (siehe "VoIP-Migration - Praxistipps für die Umstellung", Seite ???).

Wer sein Netz auf VoIP hin migriert, sollte neben den strategischen Gesichtspunkten auch wichtige Technikaspekte berücksichtigen. "Netzwerk-Check ist angesagt", meint Gerhard Kafka von Data Consult. Dazu gehört die Prüfung der technischen Voraussetzungen des Netzwerks ebenso wie die Entwicklung von Maßnahmen zur Qualitätssteigerung für die beabsichtigten Applikationen.

In technischer Sicht sind ebenso offene Architekturen sowie die Berücksichtigung von Standards zu beachten. Eine zentrale Rolle für IP-Telefonie spielt das Session Initiation Protocol (SIP), das von nahezu allen Herstellern unterstützt wird. "SIP bietet mehr Mobilität, da nicht das Endgerät, sondern der Benutzer adressiert wird", erklärt Hans-Jürgen Jobst, Senior Product Manager IP-Solutions von Avaya. Also unabhängig davon, wo er sich befindet, kann er unter einer Adresse/Nummer erreicht werden. SIP unterstützt auch das Thema Presence; darunter ist die Anmeldung und Erfassung des Kommunikationsstatus´ für verschiedene Medien zu verstehen. Außerdem, so Jobst, sei SIP multimodal, das heißt, es ermöglicht Sessions, unabhängig von der Art des Endgeräts.

Praxisbeispiele

Beispiele für gelungene Umsetzungen in der Praxis gab es auf dem VoIP-2007-Kongress genug: So zeigte Carsten Kirchhof, Director Inbound Premiere Fernsehen GmbH & Co. KG, wie der Fernsehsender seine Callcenter durch Auslagerung der VoIP-Services an BT modernisiert hat. Bei dem Projekt galt es, die zwölf Callcenter- und alle Datenstandorte an ein einheitliches Premiere-Netzwerk anzubinden und mit VoIP-Telefonie, einem virtuellen Callcenter für die automatische Anrufbearbeitung und -verteilung sowie der Auslagerung aller Service-Nummern den Kundenservice zu optimieren und dabei die Kosten zu reduzieren.

Seine Wettbewerbsfähigkeit konnte die Wohnbaugesellschaft Stadt und Land mit VoIP erhöhen. Das erklärte Ziel von Wolfram Leitsmann, Bereichsleiter Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) des knapp 700 Mitarbeiter starken Konzerns: "Wir wollten unseren guten Ruf durch den konsequenten Umstieg auf moderne VoIP-Technik nachhaltig ausbauen, indem wir die interne und externe Erreichbarkeit erhöhten und dabei die Service-Bereitschaft verbesserten, indem Mieter, Eigentümer und Geschäftspartner schneller Antworten auf ihre Anfragen erhalten". Stadt und Land hat das VoIP-Projekt mit T-Systems realisiert. Dabei galt es, die unterschiedlichen Unternehmenseinwahlen zu vereinheitlichen, die Standorte miteinander zu vernetzen, neue Services einheitlich einzuführen, einheitliche Technik mit einheitlichen Leistungsmerkmalen bei den Systemen einzuführen sowie den Aufwand für Erfassung, Auswertung und Steuererung der Anrufe zu minimieren.

Ein Filialkonzept realisierte das Medienhaus Wetzlardruck mit Siemens Enterprise Communications und BCC Business Communication Company und konnte dank VoIP die Kommunikationsprozesse im Unternehmen verbessern: So beispielsweise den Daten- und Sprachverkehr der tagesaktuellen Redaktionen, die Erreichbarkeit des Vertriebs für Abonnenten und die Verbesserung des Kundenservices. Unter dem Strich zahlte sich die Umstellung aus: Wetzlardruck spart dank VoIP rund 25.000 Euro Administrations- und Wartungskosten pro Jahr und bietet einen weitaus besseren Service für Mitarbeiter und Kunden an.

Eine Mobilitätslösung realisierte die Firma Trinkgut mit dem Systemhaus xevIT networks und Cisco. Beim Bau seines neuen Logistik-Zentrums entschied sich der Getränkelieferant für eine einheitliche IP-Plattform aller Systeme - Daten- und Sprachkommunikation. Die Besonderheit: Neben den Festnetztelefonen am Arbeitsplatz wurden mobile Geräte für die Mitarbeiter im Lager- und Produktionsbereich auf IP-Basis zur Verfügung gestellt.