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20.05.1983 - 

Hamburger Versicherung will Kundennähe ohne IBM 8100 erreichen:

Volksfürsorge fährt dezentral mit Nixdorf 8860

HAMBURG (CW) - Ein Netzwerk mit mehr als 90 DDP-Anlagen der Nixdorf-Systemfamilie 8860 verbindet in Zukunft den zentralen IBM-Rechner 3081 der Volksfürsorge AG, Hamburg, über Datex-P mit ihren bundesweit verteilten Geschäftsstellen. Mit diesem "Informations-Datenverwaltungsund Kommunikations-System" (IDK) will der nach eigenen Angaben zweitgrößte deutsche Versicherer dem Trend zur Dezentralisierung folgen, indem er relevante Kundendaten in der jeweils zugehörigen Geschäftsstelle abspeichert.

Verstärkung des kundennahen Services, schnellere Bearbeitung von Versicherungsfällen, aber auch eine Verbesserung der Arbeitsmittel in den Geschäftsstellen waren Anfang 1982 die Gründe für den Entschluß der Volksfürsorge, ihre manuellen Organisationsmittel durch dezentrale Datenverarbeitung abzulösen.

Erfahrungen mit der bestehenden Netzwerkarchitektur für die ausgelagerten Arbeitsplätze in der Hauptverwaltung festigten die Entscheidung. Nach einer ersten Vorprüfung befanden sich im September 1982 noch IBM, DEC, Nixdorf und Hewlett-Packard in der engeren Auswahl. Die Paderborner konnten schließlich das Rennen für sich entscheiden. Wirtschaftlichkeit und Leistungsspektrum des Informationssystems 8860, so ein Sprecher der Volksfürsorge, seien neben ergonomischen Faktoren wie Tastatur und Positiv-Bildschirm die wichtigsten Pluspunkte für dieses System gewesen. Die IBM 8100 - aus der Sicht der Volksfürsorge "durchaus ein leistungsstarker DDP-Rechner"-passe in seiner Konstruktion nicht auf ein Feld von 90 Geschäftsstellen.

Bis Ende dieses Jahres erfolgen zunächst drei Pilotinstallationen der 8860 in Kassel, München und Neumünster. Danach sollen stufenweise alle weiteren Geschäftsstellen nachgerüstet werden. Kapazitäten von mehr als 200 Millionen Zeichen pro Geschäftsstelle werden ausgelagert, die redundanten Daten im Zentralrechner über Datexnetz aktualisiert. Das in Branchenkreisen auf rund 20 Millionen Mark geschätzte Projekt begründet Leo Pieschl, Vorstandsmitglied der Volksfürsorge, so: "Dem einzelnen Mitarbeiter wird damit mehr Handlungsspielraum eingeräumt, um Kundenprobleme dort zu lösen, wo sie auftreten, nämlich unter anderem vor Ort." So sei in den Geschäftsstellen-jede für sich im Prinzip eine kleine Datenbank-der Zugriff auf den Bestand nach verschiedenen Suchkriterien möglich, wie etwa über die Vertragsnummer, das Kfz-Kennzeichen oder den Wohnort. Alle Verträge eines Kunden können in der ihn betreuenden Geschäftsstelle auf dem Bildschirm dargestellt werden. Bei Kfz-Versicherungen besteht Zugriff zu den Geschäftsstellen untereinander. Das bedeutet für den Kunden: Hat ein Münchner in Kassel einen Autounfall, kann er seinen Schaden in der Geschäftsstelle Kassel anzeigen.

Ob das Netzwerk funktioniert, wird sich herausstellen, die Scientific Control Systems GmbH (SCS) aus Hamburg die erforderliche Software erstellt hat. Als "General-Manager" und verantwortlicher Software-Partner entwickelt SCS außer den Anwendungsprogrammen auch ein "Netzwerk-Management-System" (NMS), das nach der Integration der dezentralen Nixdorf-Anlagen in das bestehende IBM-Netzwerk die Steuerung, Kontrolle und Diagnose übernehmen soll. Großen Wert legt Eberhard Elsässer, Geschäftsführer der SCS, auf die geplante Fehler-Ferndiagnose: Es sei nicht die Aufgabe, aus jeder Geschäftsstelle ein kleines Rechenzentrum zu machen, sondern die Mitarbeiter, die ohne spezielle DV-Kenntnisse an den "operatorlosen Systemen" arbeiten, bei lokalen Fehlern durch die Hamburger Zentrale zu unterstützen. So soll auch die Pflege, Wartung und Neuentwicklung der Programme zentral erfolgen und über Postnetze an die Geschäftsstellen verteilt werden.

Weitere Unterstützung bietet die Nixdorf AG an, indem sie der Volksfürsorge vertraglich garantiert, an jedes installierte System im Fehlerfall binnen einer Stunde einen Techniker zu senden.

Allerdings: Fehlende Kapazität an Postleitungen läßt mögliche Schwierigkeiten erahnen. Auch Arno Bohn, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Nixdorf AG, mag das nicht ganz ausschließen, drückt sich aber sehr vorsichtig aus: "Die Verhandlungen sind im Gange, hier brauchen wir die Unterstützung der Bundespost."