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06.10.2000 - 

Kolumne

Voll normal?

Christoph Witte, Chefredakteur CW

Vorletzte Woche war es Intel, letzten Freitag rauschte die Apple-Aktie um knapp 50 Prozent in den Keller, nachdem am Donnerstagabend eine Gewinnwarnung für das vierte Quartal gegeben worden war. Doch nicht nur Steven Jobs, fast der gesamten IT-Industrie entzogen Analysten und Anwender kurz vor dem Wochenende das Vertrauen.

Worauf diese plötzlichen Kehrtwenden in der Bewertung von Unternehmen resultieren, können wahrscheinlich nicht einmal die Finanzanalysten selbst erklären. Dabei müssten es die eigentlich wissen, befinden sie doch über das Schicksal der Firmen, indem sie die Aktien zwischen "outperform" und "sell" einstufen.

Vielleicht ist aber gar keine komplizierte Ursachenforschung nötig. Es könnte doch einfach sein, dass die Finanzexperten sich für die grundlegenden Daten eines Unternehmens gar nicht interessieren, sondern einfach nur abzuschätzen versuchen, wie Anleger bestimmte Unternehmensnachrichten interpretieren. Oder - und das ist leider auch nicht von der Hand zu weisen - sie haben ein starkes Eigeninteresse an einer bestimmten Bewertung. Recht unglaubwürdig wirkt jedenfalls, wenn Analysten plötzlich ihre Herabstufungen mit dem hohen Ölpreis oder mit den generellen Konjunkturaussichten der US-Wirtschaft begründen, die vorgestern ebenfalls schon existierten, aber seltsamerweise unbeachtet blieben. Nicht besser wird die Analyse dadurch, dass eine ganze Branche abgestraft wird, nur weil Apple, immer schon ein Sonderfall unter den PC-Anbietern, eine Gewinnwarnung herausgegeben hat.

Blanke Unwissenheit über die Branche, ihre Produkte und Technologien könnte allerdings auch ein Grund für die immer wieder auftauchenden massiven Fehleinschätzungen sein. Das ist in Deutschland nicht anders als in den USA. So gaben beispielsweise einige Analysten für die Aktie der Infomatec AG noch Kursziele von 30 Euro aus, als die COMPUTERWOCHE bereits aufgedeckt hatte, dass drei wichtige Ad-hoc-Mitteilungen des Unternehmens falsch waren. Inzwischen sind die Vorstände des Unternehmens zurückgetreten, und die Aktie dümpelt nahe dem Nullpunkt bei 3,30 Euro.

Was aus den IT-Anbietern und den Technologie-Investitionen ihrer Anwender wird, wenn sich die Firmen tatsächlich von den hohen ein- und zweistelligen Wachstumsraten verabschieden, steht in den Sternen. Die Reaktion von Analysten und Anwendern ist dagegen vorhersehbar. Sie werden in andere Titel investieren und eine empfindlich gestörte IT-Szene hinterlassen.

Kommentare zu diesem Kommentar bitte an cwitte@computerwoche.de