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21.06.1985 - 

Auch kleinere Unternehmen können neue Technik nutzen:

Vollwert-BDE zum Mikropreis erschwinglich

21.06.1985

MÜNCHEN - BDE-Systeme leiden immer noch unter dem Ruf, zu teuer zu sein. Moderne Konzepte allerdings ermöglichen eine drastische Senkung der Investitionen und öffnen auch den Mikrobereich für diese Anwendungen. Gert Elsholz, selbständiger Unternehmensberater und Geschäftsführer der Micomerz GmbH aus München, beschreibt in seinem Beitrag berechtigte Anforderungen an ein BDE-Konzept.

Ziele eines modernen BDE-Systems sind die optimale Ausnutzung der im Betrieb vorhandenen Kapazitäten, die Erzielung von kürzeren Durchlaufzeiten und eine bessere Termineinhaltung.

Um dies zu erreichen, sind zeitsynchrone Rückmeldungen erforderlich; das wiederum bedeutet, daß man in der Regel relativ viele Terminals im Betrieb installieren muß und diese dann nicht direkt an eine schon vorhandene DV-Anlage anschließen kann. In der Tat würde ein solches Vorgehen ein häufig schon unbefriedigendes Antwortzeitverhalten an bestehenden Bildschirmarbeitsplätzen verschlechtern. Darüber hinaus kann ein solches Konzept im Betrieb an den BDE-Terminals zu unakzeptablen Antwortzeiten führen. Anders als in der Verwaltung sollte hier von maximal 1 bis 1,5 Sekunden bei normalen Meldungen ausgegangen werden. Gegebenenfalls ist auch mit Hardware-bedingten Grenzen zu rechnen. Hieraus ergeben sich Probleme bezüglich der ständigen Verfügbarkeit der EDV -Anlage.

Demzufolge bietet es sich an, einen Vorrechner einzusetzen, der einerseits Konzentratorfunktionen ausübt, andererseits aber auch komplexere Plausibilitätskontrollen ausführen und im Betrieb als Informationssystem dienen kann. Dieses Prinzip der dezentralen Intelligenz sollte sich auch auf die Terminals erstrecken. So lassen sich zum Beispiel die Dialogmasken in die Terminals laden, was die Kommunikationsleitung entlastet; die Stand-alone-Fähigkeit der BDE-Terminals kann so weit gehen, daß sie auch völlig autonom einen Notbetrieb gewährleisten können.

Ein modernes BDE-System sollte so ausgelegt sein, daß es auf unterschiedliche Rechner und Betriebssysteme portiert werden kann. Wichtig sind ferner die Ansteuerung der BDE-Terminals bezüglich Komfort und Sicherheit sowie auch Reaktionszeiten und Flexibilität. Als Beispiel für die Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten sei die Führung der erfaßten Daten auf unterschiedlichen Plattenlaufwerken genannt. Hier geht es darum, auch bei einem - wenig wahrscheinlichem - Platten-Crash keine Lohndaten zu verlieren.

Die meisten Standardisierungsversuche auf dem BDE-Sektor scheiterten bisher nicht so sehr an unzureichendem modularem Aufbau, sondern weil die Programm-Strukturen nicht flexibel genug waren. Um möglichst allgemeingültige und anpassungsfähige Lösungen zu entwerfen, mangelte es zudem an entsprechender Erfahrung.

Durch neuere Produkte, die kleineren Hardwaresystemen Rechnung tragen, können auch kleinere Unternehmen in vollwertige BDE-Konzepte einsteigen. Dies wird möglich mit einer Hardwarekonfiguration die den Mikropreisen deutlich näher liegt als den sonst üblichen sechs- oder gar siebenstelligen Zahlen. Beginnt eine Anwendung mit zirka acht BDE -Terminals, so kann schon jetzt ein Mikro mit Winchesterplatte für rund 30 000 Mark als Basis genommen werden. In Sonderfällen läßt sich sogar auf die Winchesterplatte verzichten, was die Einstiegsschwelle weiter reduziert.

Klare Schnittstellen sind unabdinglich

Reicht der Mikro später nicht mehr, weil 40 und mehr Terminals im Betrieb installiert werden sollen, so kann man ihn - wenn man ihn nicht im Einsatz beläßt und einen weiteren Mikro oder Mini danebenstellt - durch einen voll Software - kompatiblen Mini ersetzen. Der Mikro ist häufig auch für PC-Anwendungen unter MS-DOS verwendbar so daß die HW -Investition auf keinen Fall verloren ist.

Wie schon erwähnt, stehen viele gängige Protokolle zur Verfügung und ermöglichen den Anschluß an praktisch jeden übergeordneten Rechner. Bei der Konzeption des BDE-Systems ist auf klare Schnittstellen zum Host sowie Kompatibilität zu den übergeordneten PPS-Systemen Wert zu legen.

Außer der Verbindung zum Host ist es sinnvoll, noch eine Kopplung mit einem Personal Computer, der unter anderem grafische Auswertungen vornehmen kann, vorzusehen.

Die verschiedensten Ausweissysteme, Barcodeleser und Waagenanschlüsse sind möglich. So kann beispielsweise im BDE-Terminal ein Induktivleser, ein Magnetkartenleser oder ein Lochkartenleser eingebaut werden; auch ein Barcode-Durchzugsleser ist einbaubar, wobei alle klassischen Barcodetypen und sogar eine Doppellesung zu berücksichtigen sind. Die Daten werden doppelt und mit Sicherungsinformation auf dem Beleg aufgebracht; bei Verschmutzung genügt es, wenn das eine oder andere Feld noch lesbar ist.

In der Software sollte sauber getrennt werden zwischen dem anwenderorientierten Programm und der Dialog- beziehungsweise System- und Hardware-orientierten "Schale", die um das den Kern bildende Betriebssystem gelegt ist.

Maßarbeit durch Varianteneinsatz

Durch die Herausnahme aller Terminal- oder Hardware-orientierten Operationen aus dem Anwenderprogramm sind die Module dann leicht in höheren Sprachen (Cobol, Pascal) zu implementieren.

Das Anwenderprogramm unterteilt sich im Normalfall in ein Rahmenprogramm (Steuerteil) und Module für die einzelnen Anwenderdialoge, wie "kommt", "geht" oder Start eines Arbeitsganges.

Die terminalspezifischen Module bestehen in einem solchen Produkt aus dem für die Maskenverwaltung zuständigen BDE-Steuermodul und gegebenenfalls spezieller Software für Terminals und Leitungen.

Zwei Terminalanschlußvarianten können, eventuell sogar gemischt, zum Einsatz gelangen, nämlich ein sternförmiger Anschluß der BDE-Terminals und der Anschluß der BDE-Terminals über Partylines.

In letzterem Fall können bis zu 16 Terminals an eine einzige 4-Draht-Leitung angeschlossen werden, was insbesondere bei größeren Systemen die Verdrahtungskosten erheblich senkt. Die Partyline-Software selektiert in sehr kurzen Abständen hintereinander die einzelnen Terminals - dieser Vorgang wird "Pollen" genannt - so daß das angewählte Terminal Informationen vom Rechner empfangen beziehungsweise an den Rechner abgeben kann. Bei der entwickelten Software ("Treiber", genannt) lassen sich auch 16 auf einer Leitung befindliche Terminals noch dreimal pro Sekunde vom Rechner abfragen.

Für alle Dialoge sind in neueren Konzepten umfassende Berechtigungs- und Plausibilitätskontrollen vorgesehen. Die Fehlermeldungen sollten zusammen mit einem Fehlertyp auf einer Datei gespeichert und durch den Benutzer änderbar sein. Mit dem Fehlertyp wird dann definiert, wie schwerwiegend dieser Fehler aus Anwendersicht ist. Der Benutzer kann ebenfalls Grenzwerte festlegen, bis zu denen ein Fehler noch übergangen werden darf, also nur als Warnung betrachtet wird. Da diese Grenzwerte je nach, Berechtigung unterschiedlich sein können, hat der User die Möglichkeit, selbst die Effizienz der Plausibilitätskontrollen variieren. So bietet es sich unter Umständen an, in der Einführungsphase bei bestimmten Plausibilitäten trotz Fehler eine Fortsetzung des Dialogs zu ermöglichen.

Das Anwenderprogramm sollte in einer höheren Sprache geschrieben und im Speicher nur einmal vorhanden sein, auch wenn viele Terminals über dieses Programm betrieben werden. Dadurch wird der Speicher im BDE-Rechner optimal genutzt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß trotzdem mehrere unterschiedliche Anwenderprogramme gleichzeitig im BDE-Rechner vorhanden sein dürfen. So können sogar Terminals auf der gleichen Partyline völlig unterschiedliche Applikationen Ausführen.

Für den praktischen Einsatz (Erweiterungen, Änderungen, Einsatz ch weniger qualifizierter Mitarbeiter) ist es wichtig, daß im Programm keine komplexe terminalspezifische Koordinierung vorgenommen werden muß.

Grundsätzlich kann das Anwenderprogramm in einer beliebigen höheren Sprache geschrieben werden, unter anderem: Pascal, Cobol, Fortran oder "C". Dabei nimmt diese Sprache bezüglich des Attributes "höher" insofern eine Sonderstellung ein, als sie einerseits Konstrukte wie bei Pascal unterstützt, andererseits aber auch eine maschinennahe Programmierung wie unter Assembler ermöglicht.

Zwischen dem anwendungsorientierten BDE-Programm und der Treiber-Software ist in dem besprochenen Konzept das BDE-Steuermodul geschaltet. Die Zwischenebene gestattet die Realisierung von Funktionen, die in höheren Sprachen nicht immer gegeben sind, die Entlastung des Anwenderprogramms von Masken-Aufbau und Verwaltung und damit eine terminalunabhängige Programmierung im Anwenderprogramm. Ferner wird der Aufbau der Masken in einer Form ermöglicht, die eine Maskenerstellung über einen Generator erlaubt.

Durch große Flexibilität beim Anschluß von Industrie-Terminals kann ein breites Spektrum von BDE-Anwendungen abgedeckt werden. So sind preiswerte Lösungen mit nur drei bis vier BDE-Terminals künftig genauso denkbar wie mit über hundert Arbeitsstationen.