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03.05.1991 - 

Walldorfer wollen im Ausleseprozeß in der Softwarebranche bestehen

Vom 370-Standard zu offenen Systemen - SAP auf Unix-Kurs

WALLDORF (bk) - Die schwierige Branchensituation und das Engagement in Ostdeutschland sind Standardsoftware-Primus SAP nicht spurlos vorübergegangen. So erzielte die Gruppe zwar sowohl Umsatz- und Ertragssteigerungen, die AG indes mußte ein rückläufiges Geschäftsergebnis hinnehmen. Für 1991 ist deshalb Konsolidierung angesagt.

"IBM baut Personal ab, SNI schreibt rote Zahlen, Unisys ist in einer fast aussichtslosen Situation - und auch einige große Softwarehäuser zeigen zur Zeit eine negative Tendenz, so zeichnet Dietmar Hopp, Vorstandsvorsitzender der Walldorfer SAP AG, das gegenwärtig düstere Szenario der DV-Branche. Gerade in der Softwarebranche reichten heute längst nicht Mut und Ideen der mehr Fleiß, 70er Jahre aus, um den Ausleseprozeß schadlos zu überstehen, den die europäische Vereinigung noch zusätzlich verstärke. "Gefragt ist heute Kapital" so Hopp weiter, "und nur die Kapitalstarken werden überleben." Dabei ließ er keinen Zweifel daran, daß sein Unternehmen dazu gehören werde.

In der Tat scheinen die Walldorfer für die Zukunft gerüstet zu sein. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurde durch Ausgabe frischer Aktien die Kapitaldecke gestärkt, die Investitionen erreichten mit 129 (Vorjahr: 52) Millionen Mark neue Rekordhöhe und die Vorbereitungen, sich neben der Marktführerschaft bei Großunternehmen im Mittelstand ein zweites Standbein zu schaffen, laufen auf Hochtouren. Zwar treffe man hier auf starke Konkurrenz durch zahlreiche Hardwarehersteller, wie etwa IBM, DEC oder SNI, räumt Hopp ein. Durch die Fusion der 1990 aufgekauften Softwarehäuser Steeb und CAS zur Mittelstandsorganisation Steeb-CAS Informationstechnik GmbH aber glaubt der SAP-Chef, sich auch in diesem Markt durchsetzen zu können.

Im letzten Geschäftsjahr konnte der SAP-Konzern, dessen Aktivitäten im deutschsprachigen Raum die AG in Walldorf wahrnimmt, während das internationale Geschäft von der AG im schweizerischen Biel gesteuert wird, einen Umsatz von 501,1 Millionen Mark erzielen.

Dies entspricht gegenüber den 1989 erreichten 367 Millionen Mark einem Plus von 36,6 Prozent. Der Gruppen-Gewinn von 82,1 (Vorjahr: 68,2) Millionen Mark konnte zwar mit dem Umsatzwachstum nicht Schritt halten, kann sich aber mit einem Anstieg von 20,4 Prozent dennoch sehen lassen.

Freude bereitete den Walldorfern 1990 vor allem das Auslandsgeschäft. Die 13 Tochtergesellschaften steigerten den Umsatz um 47 Prozent auf 208 Millionen Mark und steuerten damit 42 (38) Prozent zu den Gesamteinnahmen bei. Vor allem das US-Geschäft hob Hopp dabei hervor. "Wir haben in die sein strategisch wichtigen Markt Fuß gefaßt und sehen auch in den kommenden Jahren dort ein großes Wachstumspotential." Rund 25 Millionen Mark konnten die Walldorfer 1990 in den USA einnehmen, im laufenden Geschäftsjahr soll der Umsatz dort verdoppelt werden.

Die deutsche AG konnte mit ihrem Ergebnis 1990 nicht sonderlich glänzen. Der Umsatz stieg zwar um 22 Prozent auf 287 (235) Millionen Mark, der Gewinn nach Steuern ging jedoch um vier Prozent auf 31 (32) Millionen Mark zurück. Vor allem beim operativen Ergebnis, das von 68,7 auf 46,3 Millionen Mark abrutschte, kam es zu einem Einbruch von 32 Prozent. Als Hauptursachen dafür nannte Hopp die hohen Belastungen im Rahmen der Doppelentwicklung der Systeme R/2 und R/3, die Kapitalerhöhung und den Aufbau des Marktes in den neuen Bundesländern. Unter anderem gründeten die Walldorfer zusammen mit SNI und Robotron Dresden die Beteiligungsgesellschaft SRS Software- und Systemhaus Dresden GmbH.

Zum Ostgeschäft erklärte der SAP-Chef, man sei nicht enttäuscht worden, dennoch dauere es mindestens noch zwei Jahre, bis man dort einen nennenswerten Absatz verzeichnen könne.

Im laufenden Geschäftsjahr will die AG im badischen Walldorf wieder besser dastehen, da die letztjährigen Belastungen für 1991 weitestgehend wegfallen. Nur die Doppelentwicklung von R/2 und R/3 beschere weiterhin hohe Kosten, so Hopp. Allein die Aufwendungen für das offene Systeme R/3 sollen bis 1995 zwischen 250 und 300 Millionen Mark verschlingen. Dennoch ist sich der SAP-Vorstandsvorsitzende sicher, daß sich die Doppelstrategie auszahlen wird, "denn die 90er Jahre gehören den offenen Systemen ". Für dieses Jahr sind erste Pilotinstallationen geplant, ab 1992 will man das System ausliefern. Mitte der 90er Jahre schließlich wird R/3 den Vorgänger R/2 ablösen und die alleinige Umsatzbasis der Walldorfer darstellen. Zur gleichen Zeit will SAP Japan ins Visier nehmen. "Wir schätzen diesen Markt extrem hoch ein", erklärte Hopp. Zwar bestehe in Japan bislang noch wenig Bereitschaft, Standardsoftware einzusetzen, doch seien Anzeichen eines Wandels deutlich erkennbar.

Umsatzmäßig will die SAP-Gruppe 1991 rund 40 Prozent zulegen. Dies würde einen Anstieg auf etwa 700 Millionen Mark bedeuten. Verbessert werden soll dabei vor allem der Pro-Kopf-Umsatz, der im vergangenen Jahr leicht rückläufig war. Begründet Hopp: "Wir haben ein starkes Personalwachstum hinter uns, viele durch Übernahmen hinzugekommene neue Mitarbeiter mußten ausgebildet werden. In diesem Jahr nun wollen wir versuchen, mit den Köpfen, die wir an Bord haben, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen." Deshalb sei 1991 eine gewisse Konsolidierung angesagt, so daß die Zahl der zur Zeit beschäftigten 2590 Mitarbeiter sich nur wenig verändern werde.