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19.01.2006

Vom Besucher zum Gastgeber

19.01.2006
Mit eigenen Hausmessen schlagen Anwenderunternehmen die Brücke zwischen IT und Business.

Große IT-Messen wie die CeBIT oder die Systems gelten immer noch als Pflichttermine für viele Lieferanten und Anwender. Daneben sind IT-Hausmessen in den vergangenen Jahren unter den einschlägigen Herstellern in Mode geraten, da sich so die Kosten begrenzen sowie die Kunden gezielter ansprechen lassen. Doch was die Lieferanten mögen, gefällt zunehmend auch den Anwendern: Viele deutsche Konzerne veranstalten inzwischen Hausmessen, auf denen IT-Mitarbeiter und ihre Lieferanten ihre aktuellen Projekte vorstellen und sich mit Kollegen über Trends und Techniken austauschen können.

Hier lesen Sie …

• warum einige deutsche Konzerne Hausmessen ihrer IT-Abteilungen ausrichten;

• wie die Veranstaltungen finanziert werden;

• welche positiven Auswirkungen die Messen auf die Mitarbeiter haben;

• wie sich der Graben zwischen IT und Business schließt.

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www.computerwoche.de/go/

556697: Jürgen Maidl zur IT-Strategie von BMW;

1206905: Neuer CIO bei BMW;

570373: Die HVB-IT wird umstrukturiert;

570285: Kurzportrait Margit Bauer.

Margit Bauer, Geschäftsführerin der Münchner HVB Systems GmbH, bezeichnet sich als "große Verfechterin" dieser Veranstaltungsform. Die HVB Systems, die bei der Hypovereinsbank AG für Anwendungen zuständig ist, richtet regelmäßig im Sommer zusammen mit der auf den IT-Betrieb spezialisierten Schwestergesellschaft HVB Info die "HVB Core IT Days" aus. Zuletzt kamen über 3000 Besucher an zwei Tagen zur Messe, die im "Munich Order Center" stattfand. Initiiert worden war das jährliche Treffen durch einen Kollegen Bauers, der ähnliche Events bei Daimler-Chrysler und Bosch kennen gelernt hat. Nun können auch die bayerischen Banker Vorträge der eigenen IT-Spezialisten besuchen, Präsentationen der Lieferanten verfolgen, sich mit anderen Besuchern austauschen sowie im Rahmen der Ausstellung konkrete Lösungen anschauen und erleben.

Gerade der zwischenmenschliche Gedankenaustausch ist laut Bauer einer der größten Vorteile der Hausmesse: "In dieser konzentrierten Form können Sie die Gespräche eben nicht über E-Mail führen." Zudem bewirke die Messe einen Motivationsschub für die IT-Experten in der Bank: "Zu erleben, dass die eigenen Produkte wahrgenommen und wertgeschätzt werden, ist für die Mitarbeiter sehr wichtig."

Jürgen Maidl, ehemaliger CIO der BMW AG, hat noch zu seiner Amtszeit im vergangenen Herbst seine dritte IT-Messe eröffnet - in einer alten Maschinenhalle, keine 500 Meter vom HVB-Veranstaltungsort entfernt. Hier kamen rund 2500 Besucher an zwei Tagen, um sich über aktuelle IT-Projekte und Prozesse zu informieren. Darunter waren auch konkurrierende Kollegen aus Ingolstadt, die mit den "Audi-IT-Tagen" ihre eigene Veranstaltung ausrichten. Laut Maidl hat sich BMWs IT-Treffen "etabliert und ein starkes Standing im Konzern". Auch wenn der Prozessexperte seit Anfang des Jahres nicht mehr für die IT des Autobauers verantwortlich ist - er wechselte im Januar an die Spitze des Bereichs Organisation und Inhouse-Consulting - , hat er sein Kommen für die nächste Veranstaltung bereits angekündigt.

Maidl zufolge sind mehrere Gründe für den Erfolg der internen Messen maßgeblich: "Wir geben den Mitarbeitern die Möglichkeit, über ihren täglichen Horizont hinaus eine relativ große Bandbreite von IT-Angeboten zu sehen." Jeder BMW-Angestellte müsse sich fortbilden, argumentiert der ehemalige CIO, "und den Raum dafür haben wir unseren Kollegen schon immer geboten". Zudem sei der Netzwerkgedanke wichtig, sowohl gegenüber den Lieferanten als auch unter den BMW-Mitarbeitern. Und nicht zuletzt sollen die IT-Spezialisten ihre Prozesspartner aus den Geschäftsbereichen mit auf die Messe bringen, um ihnen zu zeigen, was die IT zu leisten imstande ist: "Man kann alles anfassen, denn die Projekte sind nicht nur Theorie." Der Anteil des sonst für IT-Messen typischen "Innovations-Announcements" sei zudem gering - allzu penetrante Marktschreier werden im Folgejahr nicht mehr eingeladen.

Sowohl Bauer als auch Maidl sehen die große Chance der Messe darin, den Graben zwischen den Fachabteilungen und den IT-Experten zu schließen. "Beide Seiten müssen aufeinander zugehen", argumentiert die Chefin der HVB Systems. Dies sei nicht immer einfach, was teilweise auch an der "Technikverliebtheit" der IT liege. Folglich fordert Bauer von ihren Mitarbeitern, "die Sprache des Kunden zu lernen und lösungsorientierter zu denken". Gerade die Messe könne dazu beitragen, den "partnerschaftlichen Dialog" zu führen. BMW-Manager Maidl kommt zum gleichen Schluss: "Eine Hausmesse schafft einfach die Zeit und den Raum, sich mit Kollegen frei zu unterhalten."

Finanziert werden die Veranstaltungen in der Regel durch Antrittsgelder, die ausstellende IT-Lieferanten zu entrichten haben. Auf Gewinne kommt es beiden Konzernen nicht an. So werden etwa bei BMW die Kosten per Umlageprinzip verrechnet. Die Kalkulation des Return on Investment (ROI) bezogen auf die Teilnahme der Mitarbeiter an der Veranstaltung hat der Autokonzern nach anfänglichen Versuchen fallen gelassen: "Das war viel zu theoretisch", so Maidl.

Während die BMW-Messe von zwei erfahrenen IT-Expertinnen des Konzerns organisiert wird, geht die Bank einen anderen Weg: Im Rahmen eines Förderprogramms ist ein Team aus handverlesenen Nachwuchskräften und Managern der beiden IT-Töchter mit der Planung und Umsetzung des Events betraut. "Wir wollen die Mitarbeiter dazu animieren, herauszufinden, in welche Richtung sie sich entwickeln wollen", sagt Geschäftsführerin Bauer. Mit dem Projekt "HVB Core IT Days" könnten sie sich selbst "eine Bühne geben".