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18.10.2002 - 

Verzeichnisdienste/Einsatzpotenzial und Funktion von Meta Directories

Vom Carrier-Tool zum Enterprise-Werkzeug

18.10.2002
Directories gelten als das Werkzeug, um große Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen aktualisiert und effizient vorzuhalten. Die Entwicklungsgeschichte der Verzeichnisdienste zeigt, welches Potenzial und welche Grenzen diese Technologie hat. Von Robert Fuchs*

Die Beschleunigung aller Informationsprozesse prägt die heutige Arbeitswelt. Immer kürzere Entwicklungszeiten und Lebenszyklen von Produkten und Dienstleistungen sowie eine Globalisierung der Wirtschaft tragen zur Schnelllebigkeit von Daten und Informationen bei. Für den unternehmerischen Erfolg spielen daher Aktualität und Qualität von Informationen eine immer größere Rolle, denn diese beiden Faktoren bilden das eigentliche Kapital der "Informationsgesellschaft" und erlangen im E-Business eine nach wie vor wachsende Bedeutung.

So setzen die Unternehmen zunehmend neue Anwendungen ein, mittels derer Kunden, Partnern, Lieferanten und eigenen Mitarbeitern gezielt Informationen bereitgestellt werden. Zur Administration dieser Daten dienten in den letzten Jahren häufig unterschiedlichste Systeme wie etwa SAP-Standardsoftware, Microsofts Exchange Server, Lotus Notes Domino sowie Datenbanken von Oracle oder Sybase. Innerhalb nur eines Unternehmens existiert deshalb eine Vielzahl von Informationsquellen. Der Aufwand, diese Informationen zu verwalten, zu pflegen und zu schützen, steigt unaufhaltsam. Darüber hinaus trägt die Unterschiedlichkeit der einzelnen Systeme in erheblichem Maße dazu bei, dass der Datenbestand immer unübersichtlicher genutzt wird.

Letztlich ist also ein Verfahren erforderlich, um alle Daten in einer zentralen "Verteilungsdrehscheibe" zu konsolidieren. Hierzu bedarf es einer Technologie, die in der Lage ist, diese verschiedenen Quellen miteinander zu verbinden und die Daten in ein zentrales Verzeichnis zu übertragen. Diese Aufgabe übernehmen Meta-Directories, welche die gesammelten Daten regelbasierend in Form eines Workflows in die entsprechenden Systeme einpflegen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Personendaten oder andere Informationen handelt, da auf diesem Wege die Administration beziehungsweise Erfassung nahezu aller Arten von Daten möglich ist.

Ursprung der Meta Directories

Mit der Herausforderung, große Datenmengen aktualisiert und effizient bereitzustellen, sehen sich insbesondere Anbieter von Kommunikations- und Mehrwertdiensten schon seit vielen Jahren konfrontiert. So haben die großen Telekommunikationsgesellschaften nicht selten mehrere Millionen Nutzer zu hosten. Zudem haben inzwischen zahlreiche moderne Kommunikationsservices wie Sprachdienste, Informationsdienste, Mobilkommunikation, Unified Messaging und andere Einzug in den täglichen Arbeitsablauf gehalten. Millionen User erwarten für diese Services eine effiziente Datenarchitektur, um nutzer- und dienstbezogene Daten (Profile) und Ähnliches zu verwalten. Wenn täglich nur ein geringer Prozentsatz der Benutzer seine Daten, beispielsweise das Passwort oder das Web-Interface ändert, entsteht ein hohes Datenaufkommen, welches optimal gemanagt werden muss.

Hinzu kommt die Vielzahl der abonnierten Dienste und Content-Angebote. Dies können Privatkunden-Pakete, Business-Kunden-Angebote, Premium-Pakete, spezielle Dienste wie etwa Location-based-Services oder temporäre Informationsdienste, welche der Kunde nur bei persönlichem Interesse bucht, sein. Hierdurch steigt die Individualisierung der Benutzerdaten, was die Aufgabe des Daten-Managements noch komplexer macht. Darüber hinaus besteht eine Vielzahl "interner" Daten, auf welche der Nutzer nicht unmittelbar Einfluss hat. Zu dieser Kategorie gehören Informationen über Nutzungshäufigkeit beziehungsweise das -verhalten, die als Grundlage zur Tarifierung der Dienste dienen.

Anforderungen, denen sich Anbieter von Kommunikationssystemen wie Critical Path stellen mussten. Die Aufgabe bestand nicht mehr nur darin, Dienste als Produkte und Lösungen zur Verfügung zu stellen, sondern auch eine Plattform anzubieten, welche alle anfallenden Informationen einer solchen Lösung verwaltet. Bei der Realisierung dieser Szenarien sahen sich die Anbieter gleich mit mehreren Fragen konfrontiert: Wie sind Millionen von Nutzerdaten performant zu verwalten, wie sieht die entsprechende IT-Architektur aus, eignen sich die Standards der Verzeichnisdienste wie X.500 und LDAP für die Integration von Datenbanken und anderen Directories?

Hinzu kommt, dass in solchen gewachsenen Umgebungen eine Vielzahl proprietärer Lösungen mit Inselcharakter existieren. Der Anwender steht dabei vor dem Problem, diese miteinander in Einklang bringen zu müssen, um einen transparenten und kontrollierten Zugriff auf Informationen zu erhalten. Einen Ausweg eröffnen Meta Directories, die als Firmenverzeichnisse alle Informationen über Mitarbeiter und Ressourcen erfassen. Großer Vorteil einer solchen Lösung ist der zentrale Zugriff und die Administration des gesamten Datenaufkommens. Auf diese Weise wird für Unternehmen die einfache und gezielte Verfügbarkeit von Adressen, Daten und Dokumenten möglich. Die hinterlegten Informationen reichen in ihrer Vielfalt von personenbezogenen Daten, Nutzerprofilen, IP-Adressen über Fotos, Login-Daten, technische Details von Netzressourcen bis hin zu umfangreichen Projekt- und Produktverzeichnissen.

Einführung eines Meta Directory

Ähnlich wie bei den Carriern die Nutzerverwaltung ist bei den Unternehmen die Realisierung einer Mitarbeiter-Provisionierung häufig der Motivationsfaktor zur Einführung einer Meta-Directory-Lösung. Sie soll beispielsweise die Arbeitsabläufe bei der Einstellung neuer Mitarbeiter vereinfachen und automatisieren und dabei die Mehrfacheingabe der Mitarbeiterdaten ersparen. In der Regel werden alle relevanten Daten eines Mitarbeiters in einem "Human-Resources-(HR-)System" erfasst. Um nun den weiteren Arbeitsablauf zu vereinfachen, sollte ein IT-System in der Lage sein, aus diesen Informationen automatisch Login-Accounts bei den entsprechenden Applikationen, der Mail-Adresse etc. generieren. Hier kommt nun das Meta Directory ins Spiel. Wenn das System erkennt, dass ein neuer Mitarbeiter im SAP-System definiert wurde, legt es diesen regelbasierend im Directory-Server an. Dabei können die Attribute beziehungsweise Merkmale des HR-Datensatzes eins zu eins übernommen oder modifiziert werden. Ist der Eintrag im Directory-Server erfolgt, reagiert das Meta Directory ereignis- oder zeitgesteuert, um den Eintrag wiederum regelbezogen in die angebundenen Systeme zu transportieren.

Directory-Baum

So könnte in der Folge im Microsoft Active Directory Service (ADS) ein neuer Eintrag in einem bestimmten Teilbaum erfolgen. Des Weiteren ist vorstellbar, dass das Meta Directory den Eintrag in einem Lotus-Notes-Adressbuch anstößt. Dabei bekommt der neue User eine ID und eine Mail-Adresse sowie Gruppenzugehörigkeiten und andere Notes-spezifische Eigenschaften. Nach Abschluss dieses Prozesses überträgt Notes wiederum Informationen wie die neu generierte Mail-Adresse an den Directory-Server. Anschließend könnte der neue Mitarbeiter in eine Telefonanlage eingebunden werden, wobei er eine Telefon- und eine Faxnummer erhält. Auch diese Attribute speichert wiederum der Directory-Server. Regelbasierend übergibt er diese dann beispielsweise an ein Unternehmenstelefonbuch, das auf diese Weise immer automatisch auf dem neuesten Stand ist. Die Meta-Directory-Lösung bietet somit ein Verzeichnissystem, mit dem der Aufbau eines zentralen Benutzer-Managements und einer Single-Sign-on-Struktur realisierbar ist.

Fazit

Primär verfolgt also die Einführung einer Meta-Directory-Lösung das Ziel, die Unternehmensprozesse zu optimieren und eine marktnahe und damit wettbewerbsfähige Firmenorganisation zu schaffen. Dieser Punkt gewinnt im Zusammenhang mit dem Aufbau von E-Business-Strukturen immer mehr Bedeutung. Vorhandene Technologien werden so unabhängig von der jeweiligen IT-Plattform effizient in die täglichen Unternehmensprozesse eingebunden, um Informationen zentral zu sammeln und in die E-Business-Infrastruktur zu integrieren. Eine Vorgehensweise, von der die Nutzer ebenfalls profitieren, denn Mitarbeiter, Kunden oder Partner verfügen je nach Berechtigung schnell und von jedem Ort aus über aktualisierte Projekt- und Produktverzeichnisse oder etwa Kommunikationsdatenbanken. Der stetig wachsende Einsatz von Meta Directories in den unterschiedlichsten Branchen zeigt, dass letztendlich die Anwender den Nutzen und damit die Notwendigkeit dieser Lösungen erkannt haben. (hi)

*Robert Fuchs ist Director Professional Services Central Europe bei Critical Path in Berlin.

Angeklickt

Fast schon mystisch muten die Einsatzszenarien an, in denen Verzeichnisdienste laut Herstellerangaben die Probleme von heterogenen DV-Landschaften lösen sollen. Ein Blick auf die Entwicklungsgeschichte der Directories entzaubert diese Technologie und öffnet den Blick auf das wahre Potenzial und die Grenzen dieses Verfahrens zur Datenkonsolidierung.

Abb.1: Prozessverbesserung

Eine Meta-Directory-Lösung trägt zur Effizienzsteigerung und Kosteneinsparung bei, in dem es Prozesse übernimmt. Quelle: Critical Path

Abb.2: Einsatz als Kommunikationsplattform

Mehr als nur Prozesssteuerung: Auf Basis eines Directories kann etwa eine komplette Kommunikationsplattform aufgebaut werden. Quelle: Critical Path