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06.06.1980

Vom DV-Leiter zum "Manager of Information" ?

Die Position des DV-Leiters war nach Ansicht von Norbert Degenhardt bisher vor allem durch die Merkmale Fachkompetenz, Pioniergeist und Selbstbewußtsein gekennzeichnet. Wirtschaftlichkeitsaspekte wurden bei Entscheidungen allerdings kaum berücksichtigt. Inzwischen habe die Datenverarbeitung jedoch eine Entwicklungsstufe erreicht, auf der sich ein Wandel des EV-Chefs alter Prägung zum Manager für Information, Büroautomation sowie Kommunikation, mit Verantwortlichkeit für alle Unternehmensbereiche abzeichne. Walter Obermann von der Badischen Gebäudeversicherungsanstalt ist überzeugt, daß künftig Sichtung, Auswahl und Einführung neuer "Werkzeuge" oder Methoden unter Berücksichtigung der Entwicklungstendenzen von Hard- und Software das Tätigkeitsfeld des "Managers of Information" bestimmen werden. Systemtechnische Lösungen hingegen blieben dem Spezialisten überlassen.

Norbert Degenhardt

Leiter Organisation und DV, Dura Tufting GmbH, Fulda (Univac 90/60, VS 9)

Mit Einführung der Datenverarbeitung in die Unternehmen wurde ein vielseitig verwendbares aber auch sehr kostenintensives Organisationsmittel (Computer) Mitarbeitern anvertraut, die in der ersten Phase fast ausschließlich damit beschäftigt waren, dieses Instrument beherrschen zu lernen. Der beste Fachmann erhielt in der Regel auch die Abteilungsleitung zugestanden.

Durch eine rasante technische Entwicklung mit permanent verbessertem Preis-

/Leistungsverhältnis, stand den Anwendern sehr bald eine Hardware zur Verfügung, die neben der Durchführung von Abrechnungsarbeiten mit Massendaten auch Möglichkeiten eröffnete, aus den gespeicherten Daten gezielte und sinnvolle Informationen zu gewinnen. Auch in dieser Phase befaßte sich der DV-Leiter mehr mit den Fragestellungen, wie ein Problem mit Hilfe der Datenverarbeitung gelöst werden kann, als damit, durch Verständnis für die Schwierigkeiten der Fachbereiche zu anwenderoptimalen Lösungen zu kommen. Die Position des DV-Leiters war geprägt durch hohe Fachkompetenz verbunden mit Pioniergeist und ausgeprägtem Selbstbewußtsein. Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkte traten in den Entscheidungsprozessen immer noch in den Hintergrund.

Seit fünf Jahren hat die Entwicklung der Elektronik eine Stufe erreicht, die im Verbund mit sehr leistungsfähigen Betriebssystemen durch die Installation von Terminals den Anwendern die Nutzung des Computers am Arbeitsplatz ermöglicht. Diese verstärkte zentrale DV-Leistung wird im Bereich der Büroautomation ergänzt durch Textsysteme, Speicherschreibmaschinen, Mikroprozessor-gesteuerte Kopierer oder Tischcomputer, so daß eine unaufhaltsame Durchdringung der Fachbereiche mit immer mehr Computerleistung stattfindet. Zu erwähnen ist auch die neue Generation der Telefonanlagen, die Prozessor-gesteuert im Bereich der Kommunikation umfangreiche Zusatzleistungen bieten.

Sinnvollerweise sollten Datenverarbeitung, Büroautomation und Kommunikation in einem Dienstleistungsbereich unter einer Führung zusammengefaßt werden. Hier wird ein Manager benötigt, der einerseits ein gutes Fachwissen hat, andererseits die zur Verfügung stehenden Organisations- und Kommunikationsmittel einem gesamteinheitlichen Konzept folgend wirtschaftlich einsetzt. Die zunehmende, automatische Gewinnung von Informationen wird zu einer unbewältigten Informationsflut führen, gelingt es dem Manager nicht, diese zu bewerten und zu kanalisieren.

Der Wandel des DV-Leiters traditioneller Prägung zum Manager für Informationen, Büroautomation und Kommunikation zeichnet sich ab. Die neue Position erfordert neben der Führung eines gut organisierten DV-Produktionsbetriebes die Bereitschaft, die Verantwortung über alle Aufgaben zu übernehmen, die im informationstechnischen Bereich liegen. Bei ausgeglichenem Verhältnis von Verantwortung und Kompetenz ist hier eine Managementposition gegeben, die in der höchsten hierarchischen Ebene anzusiedeln ist.

Walter Obermann

DV-Leiter, Badische Gebäudeversicherungsanstalt, Karlsruhe (Unlvac 90/60, VS9)

Die rasche Wirtschaftsentwicklung bringt ein ständiges Ausweiten der Dienstleistungen und Produktpaletten mit sich und erfordert einen steigenden Verwaltungsaufwand.

Die gleichfalls unvermindert fortschreitende Entwicklung der Computertechnologie stellt dem Anwender zur Bewältigung dieser Aufgaben eine ungeheuere Vielfalt an Geräten und leistungsfähigen Systemen zur Verfügung. Darüber hinaus werden bereits heute für die Routinearbeiten von den Fachabteilungen unmittelbar Bürogeräte für spezielle Anwendungszwecke und für die Einfachnutzung verwendet.

In Zukunft werden uns wesentlich leistungsfähigere Systeme zur Verfügung stehen, wie etwa Kilorechner oder planare Datenbankcomputer nach dem Relationen-Modell. Oder neue Kommunikationssysteme von Telefax über COM-Retrieval-Systeme bis zur elektronischen Post, unterstützt durch Satellitenübertragungsverfahren. Der damit zusammenhängende Wandel bringt beinahe zwangsläufig eine Veränderung der EDV-Berufsbilder mit sich.

Größe und Marktanteil eines Unternehmens haben schon immer das Aufgabengebiet und den Verantwortungsbereich des EDV-Leiters geprägt. Bald werden Sichtung, Auswahl und Einführung neuer "Werkzeuge und Methoden" unter Berücksichtigung der Entwicklungstendenzen von Hard- und Software der kommenden integrierten Online-Informations-Systeme eine Hauptaufgabe des "Informationsmanagers" sein. Der EDV-Leiter und seine Abteilung haben in der Vergangenheit alle Arbeiten übernommen um den Fachabteilungen mit wenig entwickelten EDV-Kenntnissen die gewünschten Ergebnisse zu liefern.

Die Lösungskonzepte wurden den Fachabteilungen "verkauft" wobei Desinteresse und Akzeptanzprobleme bei den Abnehmern beinahe die Regel waren. Inzwischen werden EDV-Systeme mit Direktzugriff und erste Formen der Dialogverarbeitung eingesetzt. Hohe Hardwarekosten zwingen zur besseren Nutzung der Geräte und Weiterentwicklungen werden durch Personalknappheit begrenzt. Diese Erscheinung wird sich noch wesentlich verstärken.

Derzeit können alle Fachabteilungen mit Computerleistungen in fast jeder gewünschten Form versorgt werden. Die EDV stellt sich als das effizienteste Sachmittel dar und kann für komplizierte Aufgabenstellungen Lösungen anbieten. Aufgrund der Personalknappheit, des häufigen Wechsels der Betriebssysteme und der fehlenden "vernünftigen" Software zur Programmerstellung sind Kosten und Termine jedoch noch immer nicht ganz beherrschbar.

Versuche mit Rechenzentren und Profit-Centers zeigen erste Erfolge für eine wirtschaftlichere Nutzung der EDV. In Zukunft wird eine bessere und stabilere Hardware mit mehr Bedienungs- und Systemkomfort zu einem noch wesentlich verbesserten Preis-/Leistungsverhältnis beitragen. Diese Vorteile sind von den Anwendern nicht immer direkt erkennbar. Sie werden dadurch jedoch einen höheren Direktnutzen haben. Die EDV-Abteilung wird Kompatibilitäts- und Integrationsprobleme zu bewältigen haben, um das technische Zusammenspiel der Systeme zu gewährleisten (neue Anwendungen, intelligentere Einzelgeräte).

Integrierte Konzepte werden dem breiten Markt etwa in fünf Jahren zur Verfügung stehen. Durch eine planvolle und dem technischen Stand entsprechende Vorgehensweise kann eine wirtschaftlich rationelle Nutzung der betrieblichen Ressourcen gewährleistet werden. Das heißt: Entscheidungen, die heute eine Lebensdauer von etwa fünf Jahren haben, behindern möglicherweise eine Weiterentwicklung. Deshalb sollte der Anwender künftig nur noch dreijährige Mietverträge anstreben.

Der EDV-Leiter wird seine Aufgabe dann mehr und mehr im Zusammenwirken von Computer-, Büro- und Nachrichtentechniken sehen und unter diesem Gesichtspunkt das Feld der Systemtechnischen Lösungen dem qualifizierten Fachpersonal, beziehungsweise den Spezialisten überlassen müssen.

Um diese Informationssysteme zu realisieren, die Benutzeraufträge als Dienstleistungen zu erfüllen und den EDV-Bereich konsequent nach dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit zu führen, muß sich der heutige DV-Leiter, um die noch oft mangelnde

Verantwortungsbereitschaft abzubauen, durch entsprechende Kompetenzausstattung mit seinem neuen Tätigkeitsfeld "lnformationsmanager" identifizieren. Er wird Vorbereitungen zur Erarbeitung einer Gesamtstrategie, der Bedarfserhebung sowie Bewertung und Kanalisierung der bereitzustellenden Informationen treffen müssen um Fehlinvestitionen in Mehrfachentwicklungen oder emotional getragene Entscheidungen zu vermeiden.

Auf der Basis einer optimalen Durchführung der traditionellen Arbeiten führt die Bereitschaft zur Übernahme der Verantwortung für alle im informationstechnischen Bereich liegenden Aufgaben als Gesamtkonzeption zu einem neuen Selbstverständnis des

"Managers of Informations".

Helmut Gebauer

Leiter der DV und Organisation, Alpine AG, Augsburg (Univac 90/30, OS 3)

Das Berufsbild des EDV-Leiters hat sich mit der schnellen Weiterentwicklung der Informationsverarbeitung stark gewandelt und wird auch in Zukunft neuen Herausforderungen gegenüberstehen. Die künftigen Aufgaben des EDV-Leiters lassen sich jedoch treffender unter der Bezeichnung "Informationsmanager" vereinen.

Die Ursachen für die Veränderung, beziehungsweise Verschiebung des DV-Leiter-Berufsbildes, sehe ich primär in technologischen und organisatorischen Aspekten:

1.Technologische Aspekte

- Extreme Preisreduzierungen für Hardware-Einrichtungen führen zum Einsatz technischer Hilfsmittel weit über die Grenzen des Rechenzentrums hinaus. In der Büroorganisation werden in zunehmendem Maße arbeitsplatzorientierte EDV-Hilfsmittel eingesetzt.

- Die in steigendem Maße geforderten integrierten Lösungen beinhalten auch herkömmliche Kommunikationsmittel, deren Kenntnis für den EDV-Leiter künftig unerläßlich ist.

- Die Kostensteigerung auf dem Softwaregebiet fordert in verstärktem Maße den Einsatz von vorgefertigten Lösungen. Dadurch ist der EDV-Leiter gezwungen, sich mit allgemein gültigen Lösungen und deren Einsetzbarkeit für die spezielle Organisation auseinanderzusetzen.

- Während in der Vergangenheit bestehende spezielle Verfahren mit dem Hilfsmittel EDV betrieben wurden, verlangen die heute zur Verfügung stehenden Verfahren bei jeder Neueinführung eine vollständige Umorganisation der herkömmlichen Vorgehensweise oder deren partielle Anpassung an die vorgefertigte Software.

- Der Vormarsch der "EDVTechniken" in den Fachabteilungen zeigt Wissens- und Verständnislücken beim Anwender auf und fordert den EDV-Sachkundigen zu verstärkter Unterstützung bei arbeitsplatzorientierter EDV-Nutzung heraus.

- Bisher als Spezialwissen klassifizierte EDV-Einsatzmöglichkeiten (NC-Programmierung, CAD oder Prozeßsteuerung) werden verstärkt den meist kommerziell orientierten EDV-Leiter herausfordern.

2.Organisatorische Aspekte

- Die inzwischen gewachsene Organisationsstruktur der Unternehmen hat Informationsbarrieren und falsche Vertraulichkeitsbegriffe aufgebaut, deren Beseitigung die vordringliche Aufgabe eines fortschrittlichen Informationswesens ist. Der Träger der Umorganisation - "lnformationsmanager - stößt hierbei auf kritische Gegebenheiten, wenn nicht durch ausreichend definierte Kompetenzen Vorsorge getroffen ist.

- Während in der Vergangenheit auf Veranlassung der Fachbereiche Teile aus herkömmlichen Abläufen "automatisiert" wurden, müssen für neuere Einsatzmöglichkeiten der Datenverarbeitung künftig Anstoß und Grobkonzept von der EDV/Org-Abteilung ausgehen. Die Erfolgsaussichten daraus resultierender Rationalisierungseffekte sind innerhalb eines Unternehmens direkt von der Bedeutung der Person des EDV/Org-Chefs abhängig.

- Die häufig praktizierte Zuständigkeitstrennung nach EDV oder sonstigen Organisationsmitteln führte zu gegensätzlichen Entwicklungen.

- Eine Zuordnung der Datenverarbeitung zu einem Fachbereich zeigt sich in einseitiger Entwicklung der Gesamtablauforganisation und in zu Ungunsten des Unternehmens gesetzten Prioritäten bei der Abwicklung der Informationsverarbeitung. Die unabhängige Eingliederung der EDV/Org-Abteilung in die Unternehmenshierarchie setzt andererseits beste Kenntnisse des Gesammtunternehmens voraus.

- Umfangreicher gewordene Entwicklungsvorhaben der Informationsverarbeitung beanspruchen den EDV-Leiter inzwischen mehr mit Planungs- und Steuerungsaufgaben als mit Sachfragen. Die in der Entwicklungsphase zwischen EDV/Org und Fachabteilung praktizierte Form der Zusammenarbeit muß in eine praktikable Arbeitsweise (nach Abschluß der Entwicklung) übergeführt werden. Der jeweilige Ansprechpartner sowie der Verantwortliche in der Fachabteilung muß aufgebaut und "erzogen" werden, da ein größerer Anteil des Arbeitsablaufes bereits in der Fachabteilung liegt.

Aus den beschriebenen Ursachen für die Aufgabenmodifikation lassen sich bezüglich der Position des EDV-Leiters Konflikte ableiten, deren Überwindung zu einem optimalen und langfristig erfolgreichen Einsatz des Hilfsmittels Datenverarbeitung unerläßlich ist :

Die Reichweite (Kosten und Zeit) und Durchsetzbarkeit de Entscheidungen für bestimmte Informationsverarbeitungsverfahren erfordert entgegen herkömmlicher Ansichten eine Eingliederung des Informationsmanagers die obere Hierarchie des Unternehmens.

Einheitliche Entwicklungen im Informationswesen verlangen, entgegen der praktizierten Spezialisierung, die Vereinigung der vollen Verantwortung für alle Organisationsverfahren und Kormmunikationsmittel innerhalb eines Unternehmens auf eine Position.

Mit der Gesamtverantwortung wird auf den Informationsmanager eine Informationsflut seitens der Produzenten von Organisationsmitteln sowie der eigenen, zu verwaltenden Organisation zu kommen, deren Bewältigung eines der größten Probleme darstellt.

Vom künftigen Informationsmanager werden kaum noch spezifische Systemkenntnisse gefordert werden, sondern vielmehr vorausschauende Entscheidungsbefähigung auf der Basis einer gute Marktkenntnis der Kommunikationsmittel im weitesten Sinne.

Leider sind die bisherigen Ausbildungsmöglichkeiten überwiegend auf spezifische Sachthemen und Spezialwissen ausgerichtet. Die Heranbildung zum Informationsmanager bleibt der Initiative des Einzelnen überlassen. In diesem Berufsstand wird deshalb ein Mangel an qualifizierten Kräften entstehen.