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12.03.1999 - 

Vom einstigen Sorgenkind zum Faustpfand

Vom einstigen Sorgenkind zum Faustpfand Breitbandkabel hält der Deutschen Telekom den Rücken frei

MÜNCHEN (CW) - Die Deutsche Telekom hat es offenbar nicht eilig, ihr defizitäres TV-Kabelnetz zu veräußern. Einer der Kaufinteressenten, die Deutsche Bank, soll sich laut Zeitungsberichten um Schützenhilfe bei der EU- Wettbewerbskommission bemüht haben. Die Telekom reagierte verärgert.

Karel van Miert, oberster europäischer Wettbewerbshüter, hatte die Telekom bereits im vergangenen Jahr aufgefordert, das eigene Kabelnetz zu verkaufen. Anfang 1999 kam der Carrier seinen Kritikern scheinbar auf halber Strecke entgegen, als er das Kabelgeschäft in zwei eigenständige Gesellschaften auslagerte. Gegenwärtig läuft alles darauf hinaus, daß die Firmen, in regionale Einheiten zerlegt, weiterveräußert werden. Dabei ist noch ungeklärt, welche Anteile die Telekom behält, ob sie sich ganz aus dem Markt zurückzieht sowie an wen verkauft wird.

Die Initiative von van Miert hatte zum Ziel, den schleppend angelaufenen TK-Wettbewerb im deutschen Ortsnetzbereich anzukurbeln. Ähnlich wie in den USA sollten neue Anbieter das Breitbandkabel mit Telefonie- und Internet-Diensten aufpolieren. Mehr als 17,5 Millionen Haushalte sind hierzulande an das Kabel angeschlossen - eine verlockende Größe für Konkurrenten wie Arcor oder Otelo.

Deutsche Bank verärgert Telekom

Nach der freiwilligen Auslagerung kehrte im deutschen Kabelmarkt jedoch erst einmal Ruhe ein. Trotzdem verstummten die Spekulationen nicht, nach denen unter anderem Microsoft, die West LB und die Deutsche Bank am Kabelnetz stark interessiert seien. Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer soll nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" van Miert gebeten haben, den Verkauf des Kabelnetzes zu forcieren. Die Bank bestätigte auf Anfrage der CW, dem EU-Kommissar die eigene Strategie für das Kabelnetz erläutert zu haben, eine Bitte um Unterstützung habe es jedoch nicht gegeben.

Die Deutsche Telekom reagierte verärgert und drohte laut "Spiegel" damit, das Geschäft mit dem Kreditinstitut zu reduzieren. Auch mit dem genannten Kaufpreis von neun Milliarden Mark zeigte sich der Ex-Monopolist unzufrieden. Nach Angaben eines Sprechers schätzt der Carrier den Wert der Kabelnetze auf mindestens 20 Milliarden Mark. Mittlerweile versucht die Deutsche Bank, die Wogen zu glätten. In einem kurzen Statement gab sie an, weiterhin als Partner für die Deutsche Telekom zur Verfügung zu stehen.

Nach Aussage eines EU-Sprechers kann die Telekom nicht zu einem Abschluß gezwungen werden - schon gar nicht mit einem bestimmten Interessenten. Brüssel arbeitet allerdings gegenwärtig an einer neuen Richtlinie, um gegen Netzmonopole vorgehen zu können.