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04.05.1979 - 

Der Dialogprogrammierer und seine Vorfahren:

Vom Kabelleger zum Organisationsprogrammierer

Kaum hat sich innerhalb kurzer Zeit ein Berufsbild so oft und so grundlegend verändert, wie das des Programmierers. Die mitunter in den Stellenanzeigen verwendeten monströsen Wortgebilde als Berufsbezeichnungen legen Zeugnis davon ab. Welcher moderne Vertreter seines Berufsstandes möchte schließlich mit einem Kollegen, der in der letzten Generation steckengeblieben ist, verwechselt werden?

Haben alle die Mitarbeiter in der Datenverarbeitung, die man zu ihrer Zeit Programmierer nannte oder nach heutiger Erkenntnis so einordnen könnte, überhaupt etwas miteinander gemeinsam? Was ist überhaupt ein Programm, das, was diese Programmierer erstellen? Es gibt mehrere Möglichkeiten zur Erläuterung. Die Ableitung vom Wort her erscheint mir die einfachste und einleuchtendste zu sein. Der Wortbestandteil Pro- kommt vom griechischen (griechische Buchstaben) und das bedeutet soviel wie vor, vorweg (zeitlich gesehen). -gramm vom griechischen (griechische Buchstaben) heißt übersetzt das Schreiben, die Beschreibung. In diesem Sinne ist darin ein Programm eine "Vorwegbeschreibung", eine Deutung, die -auch für ein Waschmaschinenprogramm, Rundfunk- oder Parteiprogramm paßt, wenn die Bedeutung des Wortes Schreiben nicht zu eng gefaßt wird. Für unsere Datenverarbeitung bedeutet dies nun, daß der Programmierer ein "Vorwegbeschreiber" ist. Er beschreibt vorweg, was die Maschine tun soll. Auf diesen Nenner können wir wohl alle diejenigen bringen, die sich damit beschäftigen oder je damit beschäftigt haben, einer Maschine vorher zu beschreiben, was sie tun soll.

Mehr handwerklich orientiert

Die ersten Programmierer in diesem Sinne waren dann sicherlich die Kollegen, die Datenverarbeitungsmaschinen oder Teile davon durch variable Verbindungen für die eine oder andere Arbeit hergerichtet haben. Im vorher definierten Sinne sind auch dies Programmierer gewesen. Waren die ersten Vertreter des Berufszweiges vielleicht noch mehr handwerklich orientiert, die nachfolgende Generation, die alle möglichen Verbindungen von einzelnen Maschinen oder innerhalb dieser Geräte auf einer Schalttafel zusammengeführt hatte, unterschied sich schon deutlich von den "Kabellegern". Das "Schalttafel-Programmierer"-Berufsbild hat sich verhältnismäßig lange über diese Technik hinaus gehalten. Heute geistert noch - selbstverständlich nicht bei EDV-Profis - die Vorstellung von dem Programmierer herum, der im weißen Kittel mit einer Schalttafel auf dem Schoß im Maschinensaal sitzt und bunte Stecker steckt.

Revolutionierend wirkte sich auf das Berufsbild des Programmierers die von Neumann'sche Entwicklung aus. Das Programm wurde nicht mehr von außen an die Maschine geschaltet, sondern die einzelnen Programmschritte wurden wie die zu verarbeitenden Informationen in codierter Form im Arbeitsspeicher der Maschine gespeichert. Nun saß unser Kollege Programmierer schon über weite Bereiche seiner Arbeitszeit am Schreibtisch und schrieb - in einer zunächst recht mühsamen Maschinensprache - seine Befehle. Diese Maschinensprache, die letztlich noch heute die einzige Sprache ist, die die Maschine versteht, war jedoch für uns Menschen wenig aussagekräftig. LLOL OOLO sagt uns, wenn es auch noch mit weiteren Operanden verbunden ist, recht wenig. Wir wollen jedoch nicht verkennen, daß sich diese Programmierer grundsätzlich von ihren Vorgängern unterschieden - von einem heutigen Mitarbeiter jedoch auch nicht mehr verstanden werden.

Babylon der Programmiersprachen

Das Babylon der Programmiersprachen heute ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß es viele unterschiedliche Aufgaben zu beschreiben gibt. Die große Palette der Compiler in dem hier zu beleuchtenden Zusammenhang aufzuzeigen, führt nicht sehr viel weiter, obschon ich dabei nicht verkenne, daß sich oft zwischen dem Assembler-Programmierer und einem problemorientierten "Cobol-Fan" Abgründe auftun. Von ihren Vorgängern unterscheiden sich die "Go to lesen"-Spezialisten in ihrer Arbeitsweise äußerlich auch dadurch, daß sie öfter von ihrem Schreibtisch aufstehen, um sich neue Arbeit zu holen, weil die letzte schnell fertig wurde.

Ein letzter Schritt - bis heute - vollzog sich in der Abkehr von Bleistift und Radiergummi (dem wichtigsten Requisit eines Programmierers dieser Zeit) hin zum Terminal. Der Dialogprogrammierer hat sich nicht nur von seinem Medium - oft auch schweren Herzens von der Lochkarte - getrennt, seine Arbeitstechnik ist ebenfalls anders geworden. Während er vorher sequentiell durch seine Aufgabe ging (Analyse, Kodierung, Testen und eigentlich auch Dokumentation), werden beim Dialog diese Schritte miteinander vermischt. Die Denkintervalle für eine Aufgabe sind umfangreicher geworden. Er braucht weniger Overhead, denn die Wartezeiten bei einem Problem (zum Beispiel bei Closed Shop Betrieb) werden nicht mehr mit anderen Aufgaben gefüllt. Im Idealfall kann er sich heute einer Aufgabe über alle Phasen widmen, 'bevor er sie nächsten Aufgabe annimmt.

Technisch gesehen hat sich die Aufgabe des Programmierers sehr stark gewandelt und ist - an dem ursprünglichen Aufgabenspektrum gemessen - immer einfacher geworden. Dafür hat sich sein Tätigkeitsbereich aber immer weiter in das Vorfeld verschoben. Während der "Kabelleger-Programmierer" allenfalls noch wußte, wo die Anschlüsse für das Addierwerk hinzulegen sind, muß der Programmierer heute schon ein Experte im Tarifrecht sein, wenn er ein Lohnprogramm auf die Maschine bringen will.

Überdenkt man diesen Wandel der Berufsbilder, erscheint es verständlich, daß sich jeweils eine Generation von Programmierern gegenüber der letzten durch exotische Berufsbezeichnungen: abzuheben versucht. Zugegeben, ein Programmierer muß heute erheblich mehr außerhalb der eigentlichen Programmierung (im oben definierten Sinne) beherrschen. Dennoch sollte man dies nicht durch immer neue Namensgebungen anzupassen versuchen. Das Leistungsspektrum der Post war vor hundert Jahren ebenfalls erheblich anders als heute, dennoch nennens wir nach wie vor Post. Welch schlichte Vokabel für die umfassenden Dienste, und Post ist kein Kunstwort, wie etwa Publik Office for Service und Trafficinformations.

*Rüdiger Podlech ist EDV-Fachlehrer.