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29.04.2008

Vom Kostenfaktor zum Erfolgsgaranten

Rudolf van Megen 
Die Software-Qualitätssicherung, bislang eher als notwendiges Übel eingestuft, ist auf dem Weg zu industriellen Standards. Unternehmen erkennen allmählich die mit durchgängigen Testprozessen mögliche Wertschöpfung.

Hunderte von gestrichenen Flügen und Passagiere, die tage- bis wochenlang auf ihre Koffer warten müssen: Schlechter hätte jüngst der Start des neuen Terminals am Londoner Großflughafen Heathrow kaum verlaufen können. Die Ursache lag - nicht nur, aber maßgeblich - in einer Fehlfunktion der Software. Doch lassen sich solche Pannen überhaupt grundsätzlich vermeiden?

Die Notwendigkeit und der Nutzen eines eigenständigen, unabhängigen und systematischen Software-Qualitäts-Managements (QM) haben sich in der IT-Wirtschaft noch nicht überall herumgesprochen.

Je früher die Testvorbereitung beginnt, desto geringer ist der Gesamtaufwand für den Test.
Je früher die Testvorbereitung beginnt, desto geringer ist der Gesamtaufwand für den Test.

In Fällen wie dem in Heathrow reicht es nicht aus, das eine oder andere System mehr oder weniger intensiv zu testen. Zusätzlich muss die Gesamtlage des Projekts fortlaufend überwacht werden. Diese muss den Verantwortlichen jederzeit ungeschönt präsent sein, damit sie eigene Schlussfolgerungen ziehen können: Etwa ob die Inbetriebnahme wie geplant erfolgen kann oder ob ein Termin verschoben werden muss. Dazu benötigt ein Entwicklungsprojekt ein unabhängig aufgestelltes Qualitäts-Management, das vor Problemfeldern die Augen nicht verschließt und, falls notwendig, auch einmal "rot" und nicht so lange wie möglich "gelb" meldet.

Das Beispiel aus London könnte auch stellvertretend für die Situation im deutschsprachigen Raum stehen. Erst jüngst förderte eine Studie der Analysten von PAC (Pierre Audoin Consultants) ein widersprüchliches Bild des Softwaretestens zutage. Einerseits sprechen in Deutschland, Österreich und der Schweiz 56 Prozent der Befragten davon, dass Testen eine entscheidende Investition ins Produkt sei, die Wirtschaftlichkeit der Softwareproduktion verbessere, oder dass Testwerkzeuge einen echten Mehrwert für Unternehmen bringen. Andererseits herrschte jedoch oft Ratlosigkeit, als sich die Analysten nach dem konkreten Status des Softwaretestens erkundigen wollten. So wissen 46 Prozent der befragten Management- und Fachspezialisten zum Beispiel nicht, welcher Anteil ihres IT-Personals als Vollzeittester arbeitet. 39 Prozent können nicht beziffern, wie viel von ihren IT-Budgets in Qualitätssicherung (QS) und Qualitäts-Management (QM) fließt.

Aus dem Reparaturbetrieb wird ein systematischer Prozess

Noch immer treiben zu einem großen Teil verlustreiche und Image-schädigende Erfahrungen wie jene in Heathrow die QS-Investitionen. Doch sobald Unternehmen erste Schritte in Richtung systematisches Testen unternommen haben, verschiebt sich in der Regel ihr Blickwinkel: Aus dem Reparaturbetrieb wird Schritt für Schritt ein die Entwicklung begleitender Prozess, der Fehler möglichst früh findet und damit teure, weil erst spät entdeckte Irrtümer vermeidet. Dies lässt sich auch an den geänderten Anforderungen ablesen: Noch vor zehn Jahren hatte jeder zweite Auftrag der Qualitätsberater und Testexperten den Charakter eines Notfalleinsatzes, der retten sollte, was noch zu retten war. Inzwischen ist der Anteil solcher Aufträge am Gesamtvolumen eher rückläufig.

Was hat sich geändert? Die zunehmende Bedeutung und Systematisierung der QS in IT-Projekten wird zum einen allgemein durch die fortschreitende Standardisierung und Industrialisierung der Softwareproduktion getrieben. Zum anderen schaffen Investitionen in professionelles Softwaretesten einen zum Teil schnellen und gut messbaren Mehrwert.

Die erwähnte PAC-Studie zum Beispiel stellte folgende Zusammenhänge fest: Unternehmen, die professionelle Softwaretester in Voll- oder Teilzeit beschäftigen, klagen seltener darüber, dass sie wegen schlechter Softwarequalität zusätzlichen finanziellen Aufwand haben.

Management-Unterstützung senkt die Fehlerquote

Diejenigen, die Testen als erfolgsentscheidend bezeichnen, haben zudem weniger Probleme mit zu langsamem oder zu teurem Testen. Und schließlich: Je mehr das obere Management die Bedeutung des Softwaretestens erkennt, umso seltener weisen die IT-Systeme des Unternehmens bei Auslieferung kritische Fehler auf.

Hinsichtlich der Gestaltung professioneller Testprozesse hat sich mittlerweile ein Industriestandard herausgebildet hat, der drei wesentliche Merkmale aufweist: Erstens arbeiten Entwicklungs- und Testteams unabhängig voneinander. Zweitens wird Qualitätssicherung/Testen eigenständig organisiert und budgetiert. Zudem wird das Testen durch Spezialwerkzeuge zunehmend automatisiert.

Organisatorisch und fachlich unabhängige Softwareentwicklung und -tests können Unternehmen nur dann realisieren, wenn sie über eine ausreichende Anzahl von Fachkräften verfügen, die speziell für das Testen ausgebildet sind. War es vor wenigen Jahren noch Usus, beim fachlichen Testen auf Mitarbeiter der Business-Abteilungen zurückzugreifen und ihnen einige wenige QS-/Test-Coaches zur Seite zu stellen, herrscht heute eine andere Tendenz: Zwar liefern die Fachbereichsmitarbeiter nach wie vor den Input, doch alles Weitere übernehmen eigens dafür ausgebildete Testexperten, zum Beispiel die Definition der zu testenden Funktionen (Testfälle). Dieses Vorgehen rechnet sich in der Regel auch wirtschaftlich, da es aus dem Business wesentlich weniger Ressourcen abzieht.

Die für diesen Weg notwendigen Testexperten stellt der Markt inzwischen zur Verfügung. Softwaretesten hat sich als eigenständiger Karriereweg etabliert. Dies ist nicht zuletzt das Verdienst des International Software Testing Qualifications Board (ISTQB), dessen Ausbildungsstandard für den so genannten ISTQB Certified Tester sich mittlerweile weltweit durchgesetzt hat. Rund 80 000 Tester in etwa 40 Ländern haben heute das Zertifikat in der Tasche.

Test-Outsourcing noch in den Kinderschuhen

Doch in welcher Weise kommen diese Tester zum Einsatz, und wie sehen ihre Aufgaben aus? In der heutigen Praxis zeigen sich ganz unterschiedliche Modelle. Meist arbeiten die Qualitätssicherer zwar in unabhängig organisierten QS-Einheiten, stehen jedoch als interne Kräfte auf dem Lohnzettel des Auftraggebers. Eine weitere Variante sind externe Testspezialisten, die hausinterne QS-Teams verstärken. Schließlich hat sich mittlerweile ein eigener Markt für das Test-Outsourcing entwickelt, der sich auf Nearshore- und Offshore-Regionen verteilt. Ähnlich wie beim Auslagern von Entwicklungsaufgaben ist auch hierbei die Kostensenkung vorrangiges Ziel.

Im Vergleich zu den angelsächsischen Märkten spielt das Test-Outsourcing in deutschsprachigen Ländern allerdings eine noch untergeordnete Rolle. Nur neun Prozent der in der PAC-Studie befragten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben mehr als die Hälfte ihrer Testaktivitäten an Dienstleister ausgelagert.

Als Hemmschuh wirken vor allem Befürchtungen, dass Kommunikationsprobleme in solchen Outsourcing-Projekten an der Tagesordnung sind - zumal die Software-Qualitätssicherung eine kommunikationsintensive Angelegenheit ist, bei der schon kleine Missverständnisse ausreichen, um schwerwiegende Fehler zu produzieren. Deshalb ist davon auszugehen, dass beim Softwaretesten neue Sourcing-Modelle zum Tragen kommen, die sich von denen der Softwareentwicklung zum Teil deutlich unterscheiden. Sie sind gekennzeichnet durch Dienstleister, die sowohl vor Ort als auch offshore Services aus einer Hand bieten und gleichzeitig wichtige Steuerungsfunktionen beim Auftraggeber belassen. Darüber hinaus müssen die Offshore-Teams die Muttersprache des jeweiligen Auftraggebers beherrschen (Language matters).

IT-Qualität fängt beim Business an

Die eigenständige und von Projektbeginn an begleitende Rolle der Softwaretester verbessert vor allem die Ausrichtung der IT-Systeme auf die Geschäftsanforderungen. Die mit diesem Ansatz erzielten Erfolge haben nun die ersten Unternehmen bewogen, einen weiteren Schritt zu tun. Sie binden die IT-Qualitätsexperten bereits in die Diskussion um Geschäftsprozessoptimierungen mit ein - also noch bevor überhaupt die Frage nach den dazu notwendigen IT-Maßnahmen und -Projekten ansteht. So soll bereits bei den Entscheidungen der Fachabteilungen und des Managements Fehlern vorgebeugt werden, die sonst während der späteren Realisierung durch die IT zu Inkonsistenzen führen würden.

Doch nicht nur bei Eigenentwicklungen spielt die Harmonisierung der Business-Anforderungen mit der IT eine erfolgsentscheidende Rolle. Auch bei Standardsoftware stellt sich diese Herausforderung. So weisen etwa SAP-Einführungsprojekte in der Regel eine hohe Komplexität und infolgedessen ein hohes Risikopotenzial auf. Ein umfassendes und systematisches Testen der Software leistet hier einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von Fehlern. Testwerkzeuge wie die Test-Management-Komponente des SAP Solution Managers können dabei erhebliche Effizienzsteigerungen bewirken. Allerdings: Vor einer Verbesserung der wirtschaftlichen Effizienz von Testaktivitäten muss deren Wirksamkeit gewährleistet sein. Die lizenzkostenfreie Verfügbarkeit eines Tools sollte nicht dazu verleiten, die mit der Einführung und der Nutzung des Werkzeugs verbundenen Aufwände und Implikationen zu unterschätzen.

Spezialwerkzeuge noch wenig verbreitet

Generell sind auf das Testen spezialisierte Werkzeuge noch wenig verbreitet. So kommt das in Deutschland, Österreich und der Schweiz marktführende Spezial-Tool von HP/Mercury auf einen Marktanteil von gerade einmal elf Prozent (Quelle: PAC). Sogar Open-Source-Produkte sind beliebter. Am meisten verbreitet sind jedoch selbst entwickelte oder nicht testspezifische Lösungen. Je mehr die alten Individualsysteme samt den selbst entwickelten Tools aufs Altenteil geschickt werden, umso mehr wird die Bedeutung standardisierter Testwerkzeuge wachsen.

Auch über die Werkzeuge hinaus hat sich das Bild von Software-Qualitäts-Management und -Qualitätssicherung in den vergangenen Jahren erheblich gewandelt. In zahlreichen Projekten hat sich gezeigt, dass eine konsistente und standardisierte Testinfrastruktur in der Lage ist, Fehler und dadurch bedingte Ausfallzeiten zu entdecken, bevor Software an den Kunden ausgeliefert wird.

Erfolgsfaktoren

Aufgabe

Lösung

Kostensenkung in Systementwicklung und -wartung

Outsourcing-/Offshore-Modelle für das Softwaretesten

Effizienzverbesserung in IT-Projekten

Frühzeitige Qualitätssicherung schon auf Business-Ebene

Verzahnung von Business und IT

Durchgehende Qualitätssicherung durch unabhängige Tester

Time-to-Market und Beschleunigung von IT-Prozessen

Testautomatisierung durch Spezialwerkzeuge

Steuerbarkeit von IT-Projekten, Lieferanten-Management

Kennzahlengestützte Qualitätsleitstände, Auswirkungsanalysen

Deshalb besteht die heutige Herausforderung vor allem im Aufbau beziehungsweise der Optimierung durchgängiger Testprozesse. Ihnen liegt in allen Fällen das Prinzip zugrunde, dass Entwicklung und Test separat organisiert und verankert sind. Je unabhängiger die Testverantwortlichen dabei agieren, je frühzeitiger sie ansetzen und je intensiver ihre Kommunikation mit dem Business ist, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, einen Ausfall wie in Heathrow zu erleben. (ue)

Gutes Outsourcing

  • Die Projektbeteiligten seitens des Test-Dienstleisters beherrschen die Muttersprache des Auftraggebers fließend.

  • Der Onsite-Offshore-Mix stimmt: Rund 30 Prozent der Aufgaben müssen vor Ort erledigt werden.

  • Die Testdienstleistungen kommen onsite und offsite aus einer Hand. Das vermeidet zusätzliche Schnittstellen.