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19.07.2002 - 

Kolumne

"Vom Phänomen zur Normalität"

Christoph Witte Chefredakteur CW

Manche Leute kaufen sich jedes Jahr ein neues Auto. Das erscheint Menschen, die zu diesem Transportmittel eine nicht ganz so innige Beziehung pflegen, als absonderliches Verhalten. Andererseits galt es aber bis vor kurzem keineswegs als exzentrisch, IT-Equipment und dabei besonders Software im gleichen Rhythmus auszutauschen. Begründet wurde das mit dem extremen Innovationstempo der Branche. Die Angst, den Online-Zug zu verpassen, und die konjunkturbedingt vollen Kassen ließen die meisten Anwender für die rasende Fahrt im Upgrade-Karussell tief in die Tasche greifen.

Jetzt steigen sie aus Geldmangel aus und ziehen meist eine magere Bilanz. Viele fragen sich noch leicht schwindelig, wie sie in Zukunft mit ihren stark geschrumpften IT-Budgets umgehen sollen. Folgerichtig investieren sie nur das Notwendigste, bis sie sich eine neue IT-Strategie überlegt haben, auf deren Grundlage sie dann Entscheidungen über die einzusetzenden Technologien und über die künftige Zusammenarbeit mit Herstellern treffen werden. Und genau da liegt eine weitere Schwierigkeit. Wofür soll sich der Anwender entscheiden? Welcher Weg zu einer möglichst kostengünstigen, dabei zukunftssicheren und flexiblen IT-Infrastruktur ist der beste? Geld für Experimente und teure Projektabrüche steht nicht mehr zur Verfügung, jetzt gilt es genau abzuwägen.

Unter dieser Unsicherheit leiden die Hersteller. Beispiel SAP: Vergangene Woche gab der ERP-Anbieter eine Gewinnwarnung für das zweite Quartal heraus und nahm die Wachstumsprognosen für das laufende Geschäftsjahr zurück. Statt 15 Prozent glauben die Walldorfer nur noch um fünf bis zehn Prozent wachsen zu können (siehe Seite 11) - und selbst das scheint hochgegriffen.

Natürlich liegt das zum Teil an der Wirtschaftskrise in Europa und Asien, wie Co-CEO Henning Kagermann erklärte. Aber verstärkt wird die Investitionszurückhaltung durch das geschwundene Vertrauen in den Nutzen der IT-Investitionen. Seit dem Abklingen der E-Business-Euphorie glaubt niemand mehr, dass IT quasi im Alleingang Unternehmenserfolg auch gegen eine sich abschwächende Konjunktur sicherstellen kann. Und nur noch wenige Manager rechnen damit, dass eine effektive IT helfen kann, die Auswirkungen einer Wirtschaftskrise abzuschwächen. Dazu haben die Hersteller zu viele Produktivitätsversprechen gebrochen.

Die IT-Branche muss sich an Steigerungsraten im einstelligen Prozentbereich gewöhnen. Aficionados, die weiterhin jedes Jahr ein neues Software-Release implementieren, wird es nämlich unter den IT-Anwendern künftig genauso selten geben wie unter Autofahrern. Einfach deswegen, weil auch in der IT Realismus eingekehrt ist.