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13.01.1995

Vom Selbstbewusstsein der Informatiker Dieter Eckbauer

Der Trend geht zur Fruehpensionierung - in der Computerbranche nicht weniger als in anderen Wirtschaftszweigen. Endvierziger und Anfangsfuenfziger brauchen, wie es im Jargon der Management- Gesundbeter heisst, Optimismus, Gelassenheit sowie die Faehigkeit, gewisse Dinge zu verlernen - welche genau, wird jeder selbst wissen. Man redet oeffentlich nur ungern darueber. Es gab eine Zeit - und man muss gar nicht so weit zurueckgehen -, da war die Berufsperspektive in der Datenverarbeitung selbst fuer angelernte DV-Spezialisten mit der Aussicht auf eine lebenslange Bilderbuch- Karriere verbunden. Jetzt ist eine wachsende Zahl von DV-Profis damit beschaeftigt, die eigene Existenz zu rechtfertigen.

Die Tragik liegt darin, dass diese Generation mit der Tatsache, keine Perspektive mehr zu haben, nahezu ohne Vorwarnung konfrontiert wurde. Das kann man fuer die heutigen Berufseinsteiger nicht mehr sagen. Aber wissen beispielsweise die Studierenden der Fachrichtung Wirtschaftsinformatik (WI), was sie in der betrieblichen Praxis erwartet? (Wirtschaftsinformatik, zitiert nach Professor Peter Mertens von der Universitaet Erlangen- Nuernberg: "Die Wissenschaft, die sich mit der Konzeption, Entwicklung, Einfuehrung, Wartung und Nutzung von Systemen beschaeftigt, in denen die computergestuetzte Informationsverarbeitung im Unternehmen angewandt wird.")

Wenn die WI-Absolventen diese Definition benutzen, dann muesste ihnen auch der Umstand bekannt sein, dass sie es, wo sie auch hinkommen, mit SAP-Anwendungen zu tun haben werden. Ein vermeintlich erfreulicher und ermutigender Ausblick: Einschlaegige Kenntnisse konnten die neuen Leute bereits waehrend ihres Studiums erwerben. In dieser Feststellung liegt jedoch zugleich die Erklaerung fuer die Informatikkrise, wie auch ein Hinweis auf das, was in diesem Fach mit einiger Sicherheit weiter falsch laufen wird.

Zu konstatieren ist das Versagen einer Wirtschaftsinformatik, die fuer die betriebliche IT-Anwendung keine wissenschaftlichen Grundlagen geschaffen hat, sondern sich willfaehrig erwies gegenueber einer DV-Industrie, der es nur um den eigenen Vorteil ging. Wo war denn der WI-Sachverstand, als sich die Anwender in MIS-Konzepte verrannten, die keine Verbesserungen brachten? Outsourcing und Downsizing sind doch nur die Symptome der Krise, fuer deren Beseitigung sie sorgen sollen.

Nein, so kann man dem WI-Nachwuchs nicht mehr kommen. Das Scheitern des bisherigen Systems ist offenkundig. Verlierer, wohin man schaut: bei den Traditionsanbietern wie IBM, Unisys, Bull oder SNI, beim DV-Establishment in mittleren und grossen Anwenderfirmen, bei Wissenschaft und Forschung - und alle tun so, Gipfel der Verlogenheit, als sei nichts geschehen. Das Ziel einer unabhaengigen WI muss die Kritik an den vorhandenen Systemen sein, es gilt darueber hinaus neue Wege aufzuzeigen, wie Informationstechnik die Unternehmensprozesse wirksam unterstuetzen kann. Das koennte fuer SAP den Anfang vom Ende bedeuten. Na und?