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20.04.1979 - 

Mogelkommode:

VOM "Türken" am Hof zum Schach-Roboter im ZDF

MÜNCHEN (ik) - Über Jahrhunderte ließ der Gedanke an eine schachspielende Maschine den Erfindungsgeist und die Fantasie der Menschheit nicht ruhen. Die erste, der sogenannte "Türke", führte bereits anno 1770 dem erstaunten österreichischen Hofe Maria Theresias seinen allerersten Zug vor.

Unendlich viel Raffinesse und Erfindungsgeist mußte der Pfiffikus Baron Wolfgang von Kempelen entwickeln, um das Geheimnis seiner ersten Schachmaschine überhaupt zu wahren. Denn wie sich 71 Jahre später herausstellte, hielt sich im Inneren der Mogelkommode des Herrn Hofrats ein zwergwüchsiger Schachmeister versteckt, um die komplizierte Übertragungsmechanik des Triebwerkes zu bedienen. Unerkannt konnten der französische Schachmeister Mouret und später William Schlumberger das Spiel des Gegners mittels 64 Magnetplättchen von unten verfolgen und meistens auch gewinnen.

Nicht einmal vor den gekrönten Häuptern wie Josef II., der russischen Zarin Katharina II. oder sogar dem angeblich stark spielenden Napoleon Bonaparte, zeigte der Automat großen Respekt.

Vergeblich würde man heutzutage mit einer Kerze, so wollte man damals dem "Türken" auf die Schliche kommen, nach dem Zwerg im Herzen des Großrechners Cyber 176 suchen. Die Mikroprozessoren der dritten Generation erledigen die einst menschliche Aufgabe in Sekundenbruchteilen. Die verblüffend ähnliche Mechanik des Türken mit dem verlängerten Arm des Schachkyberneten "Chess 4.8" sticht ins Auge.

Die deutschen Fernseh-Zuschauer hatten im Februar 1979 zum erstenmal die Gelegenheit, das Robotermonstrum bei dem inzwischen fast legendären Zweikampf zwischen dem amerikanischen Weltmeisterprogramm und dem schottischen Herausforderer, dem internationalen Schachmeister David Levy, in Hamburg live zu verfolgen.

Die elektronische Steuerung für den hydraulisch betriebenen Arm, der Mikroprozessor Z-80 von Siloc, war mit seiner Speicher-Kapazität von genau 64 verschiedenen Programmen für das Schachbrett mit gleicher Felderzahl wie geschaffen.

Die mit den Nummern 1 bis 64 (den Feldern zugeordnet) adressierten Programme wurden dann direkt von dem 8000 Kilometer entfernten Cyber 176 in Minneapolis je nach Bedarf abgerufen.

Jedes einzelne der 64 Zielfelder mußte vor der Sendung beim "Teachprogrammieren" vom Startpunkt aus mit der Hand angefahren, im BCD-Code auf eine Diskette aufgezeichnet und später als jeweils entsprechende Außenfunktion dem Cyber 176 mitgeteilt werden. Mit millimetergenauer Treffsicherheit nahm dann der ferngesteuerte Trallfa-Roboter die Figuren in die Zange und führte jeden von "Chess 4.8" vorgesehenen Zug auf dem elektromagnetischen Spielfeld aus.

Eine bemerkenswerte Leistung der Elektronik, wenn man bedenkt, daß der hydraulische Roboterarm der Firma De Vilbiss aus Dietzenbach eigentlich zum

Schichten von Badewannen und ähnlichem bestimmt is. -ik-