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09.11.1979 - 

In absehbarer Zeit ist nicht mit 303X-Kaufpreissenkungen zu rechnen:

Vom warten auf die H-Serie profitiert nur IBM

Bei Vertragsverhandlungen über das Leasing von IBM-Großsystemen mit Anwendern in der Bundesrepublik und anderen europäischen Ländern hat es sich in den letzten Monaten vielerorts gezeigt, daß durch unprofessionelle Gerüchtemacher ("IBM wird die Kaufpreise der 303X-Serie demnächst um mehr als 20 Prozent senken") bei den Großanwendern eine allgemeine Verunsicherung über die IBM-Preispolitik eingetreten ist.

Die Konsequenz ist, daß viele IBM-Kunden ihre Anlagen bereits seit Monaten im Rahmen normaler IBM-Mietverträge, respektive Langzeitmietverträge, belassen in der Hoffnung nach einer drastischen Kaufpreisreduzierung unter Anrechnung der Optionsgutschriften ein preiswertes System kaufen zu können.

Dieses Warten auf Kaufpreissenkungen kostet den Anwender jedoch pro Monat mindestens ein Prozent des IBM-Listenverkaufspreises.

Ein Beispiel soll diesen Sachverhalt verdeutlichen:

Einem Anwender, der im Januar dieses Jahres zum Beispiel ein System 303X unter IBM-Normalmiete installiert hat, werden, wenn er das System im November kauft, 50 Prozent der gezahlten Mieten auf den Kaufpreis angerechnet, das sind pro Monat - je nach System - etwa 1,0 bis 1,5 Prozent des Listenpreises. Der Preis der Anlage liegt demnach nach zehn Monaten Installation also bei etwa 85 bis 90 Prozent des Listenpreises. Hätte der Anwender seine 303X dagegen bei Inbetriebnahme gekauft und im Rahmen eines Leasing-Vertrages genutzt, hätte das System heute, abhängig von; der gewählten Leasingvertragslaufzeit, einen Wert von etwa 70 bis 80 Prozent des IBM-Listenpreises, da die Mietraten voll zur Tilgung verwendet werden.

Mit anderen Worten: Unter dem Aspekt der Wiedervermarktung ist das: Unter IBM-Miete installierte System heute zehn bis15 Prozent teurer als die Leasing-Anlage, und der Abstand wird mit jedem Monat um gut ein Prozent größer.

Bei dieser Betrachtung ist die kostenlose Wartung eines Kaufsystems während des ersten Nutzungsjahres noch nicht einmal berücksichtigt. Warten lohnt also nicht. Für die Anwender von Großsystemen bedeutet dies, daß alle Anlagen der 303X-Serie, die 18 bis 24 Monate nach "first customer shipment" installiert wurden, umgehend gekauft und im Rahmen von Leasingverträgen genutzt werden sollten.

Wenn man weiterhin bedenkt, daß die monatlichen Mieten eines Langzeitmiet-vertrages etwa in 48 bis 52 Mietmonaten den gesamten Objektwert eines 303X-Systems tilgen, ist es naheliegend, daß in zweieinhalb bis drei Jahren, zur Zeit der ersten Installationen etwaiger H-, I- oder J-Serien, die heute bereits geleasten 303X-Maschinen so weit getilgt worden sind, daß der Leaser sie entweder zu besonders günstigen Konditionen selbst nutzen oder mit finanziellem Vorteil an den Markt zurückgeben kann. Entscheidet er sich für die Vermärktung des Systems, so läßt sich das - zumindest bei Großanwendern mit mehreren Installationen - nur durch die Einrichtung einer entsprechenden eigenen Vermarktungsfunktion im DV-Bereich des Unternehmens realisieren.

Bei negativer Einschätzung des potentiellen Vermarktungsrisikos müßte er die finanziellen Auswirkungen eines Aussteigens aus, dem Leasingvertrag vor Ablauf der vereinbarten Vertragszeit entwender mit den Mehrbelastungen eines normalen, IBM-Mietvertrages zuzüglich Mehrschichtmiete oder mit der Ausgleichszahlung vergleichen, die bei vorzeitiger Kündigung des IBM-LZM-Vertrages fällig ist. Falls der Mieter diese Ausgleichszahlungen zusätzlich zu einem marktgerecht aufgebauten Leasingvertrag zu reinvestieren bereit ist, so ist das Brokerrisiko des Leasingnehmers eliminiert. Bei positiver Betrachtung sind jedoch alle heute installierten 303X-Anlagen, die noch im Jahre 1979 nach dem von mir beschriebenen Verfahren gekauft und im Rahmen eines Purchase-Leaseback-Vertrages weiter genutzt werden, für den Leasingnehmer und die Leasinggesellschaft ein de facto risikofreies Geschäft.

Das gilt um so mehr nach den jüngsten Kaufpreissenkungen für die 303X-Serie, zumal die Mieten für diese Systeme nicht gesenkt worden sind.

Die per 1. Oktober 1979 wirksam gewordenen Mietpreiserhöhungen, die im übrigen von wirklichen Marktkennern bereits im Frühjahr 1979 prognostiziert worden waren, und die insgesamt unsichere Zukunft, der die Hersteller von heute noch "software-kompatibler" Hardware entgegen gehen sowie die gerade wirksam gewordenen Kaufpreisreduzierungen, die die Kassen der IBM-Geschäftsstellen sicherlich in dem gewünschten Maße zum Klingeln bringen werden, lassen nicht erwarten, daß IBM in überschaubarem Zeitraum mit weiteren Kaufpreissenkungen operieren muß.

Vom Warten hat bisher nur einer profitiert - für die Anwender wird es noch höchste Zeit, an die eigene Kasse zu denken.

Dr. Hans Joachim Schulthoff ist verantwortlich für den Vertriebsbereich IBM-Großsysteme bei der ICC Internationale Computer + Consulting GmbH. Hamburg.