Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

14.11.2005

Vom Wimax-Hype zur Realität

Mit dem bundesweit ersten kommerziell betriebenen Wimax-Netz für Privatkunden in Berlin-Pankow zeigt die Technik ihr Potenzial in der Praxis - und das ist meilenweit von den Marketing-Versprechen entfernt.

Für 70000 Bewohner des Berliner Stadtteils Pankow ist das Warten vorbei. Sie können jetzt dank der Funktechnik Wimax breitbandig ins Internet gehen. Die Berliner haben das Pech, in einem der OPAL-Gebiete (Optische Anschlussleitung) der Telekom zu wohnen, und konnten deshalb bislang kein DSL bekommen, da hier statt Kupferkabel Glasfasern verlegt sind.

Hier lesen Sie …

• was Wimax in der Praxis bringt;

• wie eine erste Wimax-Tarifierung aussieht;

• welches Potenzial die Technik hat;

• warum Gerätehersteller noch abwarten.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/go/

568434: Intel meldet Wimax-Offensive;

568424: Erstes Wimax-Netz für Privatkunden;

550601: Wimax - Sprengstoff für den TK-Markt.

Erstes kommerzielles Wimax-Netz

Ort: Berlin-Pankow;

Potenzielle Nutzer: 70000;

Bandbreite: 1,5 bis 3,5 Mbit/s;

Reichweite: 800 Meter bis 1,2 Kilometer bei Empfang in Gebäuden.

Diese Versorgungslücke schloss die Heidelberger Deutsche Breitband Dienste GmbH (DBD), die unter dem Markenzeichen Maxxtelekom das bundesweit erste kommerziell genutzte Wimax-Netz für Privatkunden in Betrieb nahm. "Damit beweist Wimax in Deutschland nach den zahlreichen Pilotversuchen zum ersten Mal seine Praxistauglichkeit für kommerzielle Anwendungen", hebt Jürgen Thiel, Director Sales bei Intel Deutschland, die Signalwirkung des Pankower Funknetzes hervor, in dessen Komponenten Intels Wimax-Chip "Rosedale" eingesetzt wird.

Die in Berlin verwendete Technik basiert auf dem IEEE-Standard 802.16-2004 (auch als Wimax 2004 bekannt). Dieser definiert eine Funktechnik, die bei einer Bandbreite von 28 Megahertz Datentransferraten von bis zu 109 Mbit/s erlauben soll. Und dies, so lauteten zumindest in der Vergangenheit die vollmundigen Versprechen der Marketiers, über eine Entfernung von bis zu 50 Kilometern. Entsprechend wurde Wimax häufig auch vereinfachend als das WLAN für Metropolitan Area Networks (MANs) bezeichnet. Doch gerade von der klassischen WLAN-Technik unterscheidet sich Wimax auf der MAC-Layer-Ebene gravierend: In einem WLAN gemäß IEEE-Spezifikation 802.11 buhlen alle Stationen einer Funkzelle ständig miteinander um das Senderecht. Stationen, die ein besonders starkes Signal ausstrahlen, können dabei im wahrsten Sinne des Wortes WLAN-Empfänger mit niedrigen Signalstärken niederbrüllen, womit die Datenübertragung für diese zusammenbricht. Wimax operiert dagegen mit einem Zeitscheibenverfahren. Hat sich ein Sender einmal im Funknetz angemeldet, so erhält er von der Basisstation eine bestimmte Sendezeit zugewiesen. Auf diese Weise will man verhindern, dass bei Überlastung oder Überbuchung der Funkzelle die gesamte Übertragung zusammenbricht wie bei 802.11-Funknetzen. Zudem soll so sichergestellt werden, dass auch unter ungünstigen Empfangsbedingungen eine Übertragung möglich ist. Angesichts dieser Vorteile wurde Wimax teilweise bereits als Alternative zu DSL und UMTS gefeiert.

1,2 Kilometer Reichweite

Eine Euphorie, vor der Fabio Zoffi, CEO bei der DBD, warnt: "Es ist absurd zu denken, dass Wimax der DSL- oder UMTS-Killer wird." So könne Wimax etwa in Berlin-Pankow mit einer Basisstation eine Entfernung von 800 Metern bis 1,2 Kilometern überbrücken, wenn die Endkunden mit Zimmerantennen empfangen. In Kombination mit Außenantennen plant der CEO mit Reichweiten von bis zu sieben Kilometern, "aber hier rechnen wir eher konservativ".

Für Zoffi als Operator ist aber grundsätzlich weniger die Technik von Bedeutung als das mit Wimax abbildbare Business-Modell. So hofft der Manager mit der DBD, die seit eineinhalb Jahren am Markt agiert, spätestens Mitte 2006 profitabel zu sein. Bislang hatte das Unternehmen vor allem unter dem Markennamen DSLonair in ländlichen Gebieten Funknetze mit Prewimax-Standard-Equipment aufgebaut. Insgesamt, so der Firmenchef, ist Wimax eine wettbewerbsfähige Technik, mit der DBD den Konkurrenzkampf im DSL-Haifischbecken bestehen kann.

So erhalten die Berliner in Pankow einen Internet-Zugang per Wimax bereits ab 33,99 Euro pro Monat. Zu diesem Preis gibt es die Flatrate "Maxxbasic" mit einem Downstream von 1,5 Mbit/s und einem Upstream von 320 Kbit/s sowie einen VoIP-Anschluss, so dass ein klassischer Telefonanschluss entfallen kann. Damit sind laut Zoffi Telefonate ins deutsche Festnetz ab 1,5 Cent pro Minute möglich.

Für das schnellste Privatkundenangebot "Maxxpremium" werden pro Monat 43,99 Euro berechnet. Gegen diese Monatsgebühr erhält der Anwender Daten mit einer Transferrate von bis zu 3,5 Mbit/s und kann sie in umgekehrter Richtung mit bis zu 768 Kbit/s versenden. Ein Preismodell, das aber Anwender, die in mit DSL versorgten Gebieten wohnen, nur bedingt vom Hocker reißen dürfte. So erhalten etwa Berliner, die nicht gerade in der OPAL-Insel Pankow wohnen, bei Versatel eine 6 Mbit/s schnelle DSL-Flatrate mit ISDN für eine Monatsgebühr von 49,98 Euro. "Wir haben nie behauptet, dass der Kostenvorteil für den Verbraucher sehr groß ist", kommentiert Zoffi die Wettbewerbssituation. Angesichts dieses geringen Preisunterschieds zu DSL und der niedrigen Reichweite beim Innenempfang stellt sich die Frage, ob sich Wimax in den mit DSL versorgten Gebieten wirklich durchsetzen kann.

Suche nach Nischenmärkten

Zudem sollten potenzielle Wimax-Operatoren nach Ansicht des CEO weniger die Konkurrenz zu DSL suchen als neue Nischenmärkte erschließen, wobei die Möglichkeiten lediglich von der Phantasie der Netzbetreiber begrenzt würden. Wie diese Anwendungen aussehen könnten, verdeutlicht der Manager an drei Beispielen aus Heidelberg, wo die Company seit Jahresmitte ein Wimax-Netz für Geschäftskunden betreibt. Dort nutzt etwa ein Unternehmen, das Werbe-Displays vermietet, die Wimax-Technik, um kostengünstig die Inhalte per Funk auf die Anzeigetafeln zu übertragen. Ein anderes Szenario ist die Vernetzung von Rathaus und angeschlossenen Bürgerhäusern per Funk. Oder im mobilen Rettungsdienst werden Daten per Wimax an das nächste Krankenhaus übermittelt, um eine Notoperation schnell vorbereiten zu können.

Reichhaltige Möglichkeiten sieht auch Intel-Manager Thiel. Er hebt noch einen anderen Aspekt hervor: "Da zum Aufbau eines Wimax-Netzes nur die Basisstation und ein entsprechender Empfänger beim Benutzer benötigt werden, eignet sich die Technik auch, um temporäre Netze auf Großveranstaltungen wie Messen oder Sport-Events kostengünstig einzurichten." Ein solches zeitweiliges Funknetz zeigte Intel mit Partnern während der diesjährigen Tour de France.

Hersteller warten ab

Die Wimax-Begeisterung teilen aber nicht alle Hersteller. So stehen etwa US Robotics oder Netgear, die beide auch Router, WLAN- und DSL-Equipment für den Massenmarkt produzieren, der neuen Technik noch abwartend gegenüber. "Wir glauben, dass momentan, in dieser frühen Phase von Wimax, insbesondere Service-Provider gefragt sind", gibt Jim Thomsen, Senior Product Manager bei US Robotics, zu bedenken. "Wenn die Technik vollkommen ausgereift ist, dann ziehen auch wir die Möglichkeit in Betracht, unseren Kunden Wimax-Lösungen anzubieten." Auch Marco Peters, Geschäftsführer von Netgear Deutschland, sieht für sein Unternehmen heute noch keinen Business Case für Wimax, "zumal es noch alternative Funktechniken wie Flash-OFDM oder EVDO gibt, wobei Flash-OFDM in den USA, Finnland oder Osteuropa genutzt wird und EVDO in Asien populär ist". So verkauft Netgear etwa in den USA bereits einen Flash-OFDM-Router. Im Labor, so Peters, arbeite die Company an allen drei Technologien, die Produktstrategie hänge aber letztlich von der vorhandenen Funk-Infrastruktur der entsprechenden Märkte ab.