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13.10.1989

Von Besuchsberichten kann man nicht leben

Werner Marzin ist ein guter Hausvater. Der Geschäftsführer der Münchner Messe- und Ausstellungs-Gesellschaft sorgt sich um die Ertragslage der Messe München. Große Nachfrage, wenig Platz, vorerst kein Ausweg: Von Wartelisten, stöhnt der Messe-Manager, könne man nun mal nicht leben (Seite 13). Kann dem armen Mann denn nicht geholfen werden?

Einen interessanten Ansatz gäbe es da schon. ADV/Orga hat ein Zeichen gesetzt. Das IBM-nahe deutsche Softwarehaus, mit systemnaher Software (IBM-kompatible Datenbanken) in die Beinahe-Pleite gerutscht, bleibt der SYSTEMS '89 zwar ideell verbunden - doch ausgestellt wird aus guten (schlechten) Gründen nicht. Die Wilhelmshavener sorgen sich um den Bestand ihres Unternehmens. Man will zurück in die Gewinnzone und bleibt der Messe fern, wohlwissend, daß ein Softwarehaus von Besuchsberichten nicht leben kann.

Noch ist es nicht soweit, daß Hardware-Hersteller, was die Messe betrifft, ins Wanken geraten. Da gibt es zwar das Gegenteil von einem Boom in der DV-Branche - auch wenn Marktforscher wie Diebold oder IDC hartnäckig das Gegenteil behaupten -, da gibt es auch einen enormen Preisverfall, der viele Anbieter zu radikalen Sparmaßnahmen zwingt. Aber noch überwiegt der Glaube an ein Wunder, wie immer dieses auch aussehen mag.

Derweil laufen den Prognostikern die Prognosen weg, richtet der Markt die Dinge auf seine Weise. Sichtbar wird ein Mangel an Kompetenz, den kein Messe-Hurra-Gefühl mehr überdecken kann. Nicht immer sind die Auswirkungen so leicht zu verschmerzen wie im Falle "BiiN". Das vor fünfzehn Monaten von Siemens und Intel gegründete Unternehmen soll liquidiert werden. Die BiiN-Väter werden nicht behaupten können, sie hätten das Fiasko nicht kommen sehen. Wenn sie heute lapidar verkünden, mit einem geschäftlichen Erfolg habe man nicht mehr rechnen können (Seite 1), dann müssen sich die Interessenten getäuscht fühlen, zumal für die BiiN-Produkte noch im Vorfeld der SYSTEMS heftig geworben wurde. Indes: Kunden hatte der Newcomer praktisch noch nicht - und mit Siemens trifft es ja keinen Armen.

PS: Die Branchenmisere, die ein Kompetenzproblem ist, hätten wir natürlich mit vielen Beispielen (Nixdorf undundund ... ) belegen können. Das BiiN-Beispiel, in der Tonart von Charlie Rivel: einfach "schööön" ...!