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24.01.2003 - 

Kolumne

"Von defensiver zu aktiver IT-Investition"

Christoph Witte Chefredakteur CW

Bei manchen Aussagen fällt es einem wie Schuppen von den Augen. "Die meisten IT-Investitionen sind defensiv", ist so ein Spruch. Plötzlich lässt sich erklären, warum die Stimmung gegenüber der Informationstechnik und ihren Vertretern so schlecht und warum vielen Business-Verantwortlichen die IT in letzter Zeit ein rotes Tuch ist. Als defensiv bezeichnet Therese Torris, Research Director von Forrester Research, solche Investitionen in IT, die ausschließlich aufgrund von Konkurrenzdruck getätigt wurden. Weil Mitbewerber A elektronisch einkauft, muss Unternehmen B natürlich auch ein E-Procurement-System einsetzen, um so mögliche Wettbewerbsvorteile des Konkurrenten zunichte zu machen. Dabei haben sich die Entscheider meistens die Auswirkungen einer solchen Investition auf Prozesse und Systeme nicht klar gemacht. Ergebnis: Die Business-Verantwortlichen fragen sich nach der Implementierung, wieso der Konkurrent trotz des gleichen E-Procurement-Systems immer noch günstiger einkauft oder trotz des gleichen CRM-Systems immer noch schneller auf Kundenwünsche reagiert. Erklärt man ihnen dann, dass in der Eile die betroffenen Prozesse nicht angepasst wurden und auch die Auswirkungen auf andere IT-Subsysteme nicht genau beachtet wurden, macht sich Enttäuschung breit. Misstrauen gegenüber der gesamten IT ist die Folge.

Das Gegenteil von defensiver ist aktive Investition. In diesem Fall haben die Beteiligten nicht nur verstanden, welchen potenziellen Vorteil ein IT-System bringt, sondern auch, wie die Einführung Unternehmensprozesse und vorhandene Systeme beeinflusst.

Dieses Gesamtverständnis ist jedoch immer seltener vorzufinden. Ihm steht die zunehmende Komplexität im Weg. Wird sie nicht reduziert, verstehen bald nicht mehr nur Business-Entscheider zu wenig, sondern auch IT-Fachleute verstricken sich immer tiefer in Details und sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Viele Anwender haben das erkannt und bemühen sich, ihre System- und Softwarelandschaften zu konsolidieren. Wo sie heterogene Landschaften behalten müssen, versuchen sie, mit geeigneter Middleware gangbare Brücken zu bauen.

Dem verständlichen Wunsch der Anwender nach Vereinfachung kommen die großen Infrastruktur- und Applikationsanbieter wie IBM, Sun, Oracle, Microsoft und SAP scheinbar entgegen. So weit noch nicht vorhanden, erweitern sie ihre Produktpalette um Infrastrukturservices wie Applikation-, Web-oder Collaboration-Server und/oder um Tools, die es erlauben, Produkte anderer Hersteller in die eigenen Plattformen einzubinden. Neuestes Beispiel dafür ist die SAP (siehe Seite 1), doch alle großen Player arbeiten in die gleiche Richtung. Dabei ist weniger der Wunsch der Anwender Triebfeder dieser Anstrengungen, sondern der Wille, sich im Backend des Kunden einzunisten und dort unersetzlich zu werden.

Gelingt es Anwendern durch solche Angebote, ihre Landschaften zu konsolidieren und wieder beherrschbar zu machen, wäre der Transparenzgewinn sicher höher einzuschätzen als die Gefahr einer neuen Abhängigkeit im Backend. Nimmt die Komplexität dagegen weiter zu, lässt sich mit IT nur noch defensiv umgehen, und das Misstrauen würde (zu Recht) weiter steigen.