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17.11.2000 - 

IT im Gesundheitswesen/St. Marien-Krankenhaus, Ludwigshafen, setzt auf offenes System

Von der Bestellkarte zum mobilen Client: Aktuelles Verpflegungs-Management

Patienten messen die Qualität der Pflege auch an der des Essens, zudem ist ihre Verpflegung ein immenser Zeit- und Kostenfaktor. Das St. Marien-Krankenhaus, Ludwigshafen, hat einen neuen Weg gefunden, über den künftig Kosten gespart, das Stationspersonal entlastet und die Patienten besser zufrieden gestellt werden können. Wolfgang Taschner* skizziert die Lösung.

Der Chefkoch der den Heiligen Marien gewidmeten Klinik in Ludwigshafen weiß, welchen Stellenwert die täglichen Mahlzeiten für die Patienten seines Hauses haben. Und so bereitet er jeden Tag rund 600 Mahlzeiten von solcher Qualität zu, dass sie sich vor den Testern eines "Guide Michelin" - allerdings für Großküchen - nicht verstecken müssten. Doch ist mehr als Kochkunst gefragt: Schon allein aus Kostengründen ist Management unumgänglich. Um den Einkauf zu steuern, muss die Küche spätestens am Vortag exakt wissen, welche und wie viele Gerichte am nächsten Tag benötigt werden.

Die Informationen darüber bekam der Chefkoch bisher - wie die Mehrzahl seiner Kollegen - per Telefon oder über Menükarten, die auf den Stationen ausgefüllt wurden. Der Knackpunkt: Wird ein Patient kurzfristig entlassen oder auf eine andere Station verlegt - und das kommt nicht selten vor -, hat das Pflegepersonal zunächst anderes zu tun, als dies der Küche mitzuteilen. Die Folge: Unzufriedenheit bei den Patienten, die ihre bestellte Mahlzeit nicht pünktlich bekommen, Ärger beim Stationspersonal, das fehlgeleitete Essensportionen zurückschicken oder weiterleiten muss. Und: Kosten in beträchtlicher Höhe. Nach Schätzungen wandern in einem Krankenhaus mittlerer Größe auf diese Weise rund 50 000 Essen pro Jahr einfach in den Abfall.

All dieser Ärger und Mehraufwand gehören in dem Ludwigshafener Krankenhaus der Vergangenheit an. Mit dem Softwaremodul "Cibait" von Centura wurde das Bestellsystem mobil.

Das Stationsmodul auf dem NotepadDas Pflegepersonal nimmt ein zirka 20 mal 30 großes Fujitsu-Notepad mit in die Krankenzimmer, auf dem das Stationsmodul installiert ist. Die gewünschten Mahlzeiten werden direkt am Bett der Patienten mit sanftem Anticken des Touchscreens eingegeben. Verwechslungen bei der Auswahl sind ausgeschlossen: Das Handheld weiß genau, ob ein Patient eine besondere Diät bekommen muss, und akzeptiert in diesem Fall kein Standardmenü.

Zurück im Stationszimmer der jeweiligen Abteilungen kommt das Notepad in eine Docking-Station, von wo aus die eingesammelten Daten an den zentralen Rechner übermittelt werden. Von dieser Schaltstelle aus gehen nun wiederum die Informationen an die Küche - alle zehn Minuten, zusätzlich gefüttert mit Basis-Angaben über den Standort der Patien-ten. Wird ein Patient auf eine andere Station verlegt, bekommt die Küche diese Information jetzt automatisch, ohne dass sie von der Station noch einmal durchgegeben werden müsste.

Der Küchenchef hat nicht nur die exakte Zahl der benötigten Mahlzeiten parat, er kann vom Küchencomputer aus zudem mit wenigen Handgriffen die Tablettkarte für die Auslieferung ausdrucken. Sie enthält neben dem Namen des Patienten dessen aktuelle Station und Zimmernummer und begleitet die fertige Mahlzeit bis ans Krankenbett; Fehllieferungen kommen nicht mehr vor.

Darüber hinaus werden für den Küchenchef Übersichten und Statistiken erstellt - wichtige Hilfen für die Einkaufsplanung. Diese wiederum muss er nun nicht mehr für die ganze Woche tätigen, sondern er kann seine Menüs kurzfristig zusammenstellen - schließlich brauchen die Stationen ja keinen gedruckten Wochenplan mehr. Über die Docking-Station erhalten sie täglich den aktuellen Menüplan direkt ins Notepad.

Basis für dieses Verpflegungs-Management bildet das Produkt E-Snapp. Im Mittelpunkt steht dabei die SQL-Datenbank von Centura, in der alle Informationen des Krankenhauses zentral gespeichert sind. Über lokale Netzwerkverbindungen haben die Mitarbeiter der einzelnen Stationen Zugriff auf die benötigten Informationen und können aktuelle Daten direkt an zentraler Stelle abspeichern. Das Modul liefert die Grundlage, um die Stationscomputer mit den mobilen Geräten zu ergänzen. Docking-Stationen, wie sie im St. Marien-Krankenhaus noch eingesetzt werden, sind eigentlich gar nicht mehr nötig. Mit der Option, ohne weitere Synchronisation der Daten arbeiten zu können, ist dieses System grundsätzlich in der Lage, zum umfassenden Problemlöser für Krankenhäuser zu werden.

In Ludwigshafen stand man zunächst einmal vor der Notwendigkeit, Kosten reduzieren zu müssen, wollte aber gleichzeitig die Arbeitsabläufe vereinfachen. Eine Projektgruppe, bestehend aus leitenden Mitarbeitern der Verwaltung, Pflege und Küche, hat im Frühjahr 1999 mehrere Systeme in anderen Krankenhäusern begutachtet. Die Entscheidung fiel zugunsten des vom Lösungsanbieter ETS aus dem saarländischen Spiesen-Elversberg entwickelten Cibait-Systems. Überzeugend war vor allem, dass es sich hierbei um ein offenes System handelt. Künftig könnten beispielsweise auch Kioskartikel wie Zeitungen und Zeitschriften bestellt werden. Denkbar ist auch, dass Patienten direkt per Handheld bei einem nahe gelegenen Pizzaservice Bestellungen aufgeben.

Besonders interessant wird das System jedoch, wenn die kompletten Krankendaten des Patienten über das Notepad abgerufen werden können. Laborbefunde, Röntgenbilder oder Berichte anderer Abteilungen stünden dann unmittelbar nach der Eingabe zur Verfügung - ein komplettes, immer aktuelles Krankenblatt also. Manche Ärzte warten bereits sehnsüchtig darauf.

*Wolfgang Taschner ist freier Journalist in München.

Die KlinikDas St. Marien-Krankenhaus Ludwigshafen ist ein Krankenhaus der Vollversorgung mit 529 Betten in den Abteilungen Chirurgie, Anästhesie, Gynäkologie/Geburtshilfe, Innere Medizin, Pädiatrie, Orthopädie, Radiologie, Augenheilkunde und HNO. Pro Jahr werden etwa 17000 Patienten behandelt und rund 6300 Operationen durchgeführt.

Das Ziel"Bei der Auswahl unseres Verpflegungs-Management-Systems haben wir Wert auf Offenheit gelegt. Damit sind wir nun auch für zukünftige Projekte gut vorbereitet. Wir können unser Stationspersonal deutlich entlasten. Das bedeutet weniger Verwaltungsaufwand und mehr Zeit für die Patienten."

Jörg Homeier, verantwortlich für die Netz- und Systemtechnik im St. Marien-Krankenhaus Ludwigshafen.