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04.03.1994

Von der DOS-Einfalt zur Vielfalt der Betriebssysteme

Die Zeiten sind vorueber, in denen der PC-User bestenfalls die Wahl zwischen verschiedenen DOS-Versionen hatte. Im Bereich der Arbeitsplatz-Systemsoftware beginnt sich so etwas wie Markt zu entwickeln. Besonders im Kommen sind 32-Bit-Systeme: Sie befreien den PC aus seiner Singletasking-Einzelhaft und helfen ihm, sein Leistungspotential zu entfalten.

Von Christoph Hammerschmidt*

Die Agentur Meteo Media Consult in Ismaning bei Muenchen beliefert Rundfunkstationen mit Wetterberichten. Die Redakteure erstellen ihre Vorhersagen am Arbeitsplatzrechner und versenden sie per ISDN an die Kunden. Daneben werden die Desktops auch fuer die ganz normale Bueroarbeit eingesetzt.

Bei der Suche nach einer geeigneten Plattform liess der DV- Verantwortliche des Unternehmens die verbreiteten Betriebssysteme links liegen. "Wir suchten ein System, mit dem man unkompliziert Plug and play machen kann und keine grosse Einarbeitungszeit braucht", erlaeutert Frank Bandle. "Insofern bin ich Microsoft- und Novell-geschaedigt." Bandle entschied sich fuer den Aussenseiter Nextstep. "Fuer E-Mail einschliesslich Voice-Mail und Multitasking gibt es nichts Vergleichbares", lobt der Praktiker.

Bandles Wahl wirft ein grelles Licht auf das Dilemma, in dem sich viele Anwender sehen: Die Anwendungen, die sie eigentlich gerne haetten, werden von den verfuegbaren Betriebssystemen nicht unterstuetzt. Weder das zaehlebige, aber schmalspurige DOS noch Windows entlocken heutigen Desktops die Power, die mittlerweile in ihren Prozessoren schlummert.

Das soll sich bald drastisch aendern: "Wir befinden uns an der Schwelle zu einem Paradigmenwechsel. Die Objektorientierung wird das Gesicht des Desktop Computing dramatisch aendern", schreiben Experten der Gartner Group in einer Studie zum Markt der PC- Betriebssysteme. Doch einig sind sich die Auguren nur in der Beschreibung des Status quo. Beim Versuch, der Zukunft ihren Schleier zu entreissen, bringen sie hoechst unterschiedliche Ergebnisse zustande. So sagt die Gartner Group Windows NT eine grosse Zukunft voraus, ungeachtet der Tatsache, dass dieses Betriebssystem zumindest vorlaeufig zu den Potentialen der als zukunftsbestimmend beschworenen Objektorientierung recht wenig beizusteuern hat.

DOS: Totgesagte leben laenger

Demgegenueber prophezeien IDC und Infocorp Microsofts neuem Paradepferd mittelfristig eher kuemmerliche Marktanteile - 6,5 Prozent bewilligt das European Unix Expertise Centre von IDC; die kalifornischen Kollegen von Infocorp gestehen Bill Gates immerhin elf Prozent zu, mit denen der Softwarekroesus aber wahrscheinlich ebensowenig zufrieden sein duerfte.

So viel ist jedenfalls sicher: DOS ist, entgegen allen Unkenrufen, nicht tot. Das ist nicht nur die Ansicht von Sven Kielgas, bei Novell in Duesseldorf zustaendig fuer das Marketing des Traditionsprodukts "Dafuer sorgt alleine schon die Verbreitung." In der Tat ist DOS nach wie vor das am haeufigsten eingesetzte Betriebssystem - vor allem wenn man beruecksichtigt, dass es auf allen Windows-Rechnern installiert sein muss, um die grafische Erweiterung quasi huckepack zu transportieren.

Novell ist gerade dabei, eine neue DOS-Auflage herauszubringen. Als Novell DOS 7 soll sie dafuer sorgen, dass die installierte DOS- Basis mit grundlegenden Netzwerkfunktionen ausgestattet wird. Das Betriebssystem enthaelt darueber hinaus Treiber, die den Protected Mode der Intel-Prozessoren nutzen und damit die Adressbereiche oberhalb des klassischen DOS-Arbeitsspeichers besser ausnutzen. Der Anwender hat somit mehr Platz in seinem moeglicherweise laengst zu klein gewordenen Speicher. Und last, but not least unterstuetzt Novell DOS 7 praeemptives Multitasking, wobei Hintergrund-Tasks weiterhin aktiv bleiben - ein Plus sogar gegenueber Windows.

Dass DOS keineswegs am Ende sei, diese Position vertritt auch IBM. Das Unternehmen, das erst vor kurzem die Version 6.1 praesentiert hat, wird in Kuerze ein neues Update mit der Versionsnummer 6.3 und verbesserten Virenschutzmechanismen auf den Markt bringen. Damit nicht genug: Der Methusalem bekommt ein modernes Kleid verpasst, die Workplace Shell fuer DOS. "Damit sieht DOS genau aus wie OS/2", beschreibt Erika Fritz, Pressesprecherin der Big-Blue-Division Personal Systems Products (PSP), die Metamorphose. Die Fertigstellung ist fuer das vierte Quartal dieses Jahres geplant.

Ungeachtet seines Windows-Engagements will auch Microsoft DOS nicht in den verdienten Ruhestand schicken. Statt dessen moechte Bill Gates dem Betriebssystem noch einmal eine Frischzellenkur mit Organtransplantation verpassen.

Waehrend Novell seinem DOS 7 nachtraeglich mit Multitasking die Muskeln staerkt, geht Microsoft den umgekehrten Weg: Der 32-Bit- Nachfolger von Windows (Codename "Chicago") soll seiner grafischen Benutzeroberflaeche entkleidet werden und dann als MS-DOS 7 die Kommandozeilen-Tradition fortsetzen. Immerhin wird die Version Multitasking mit verbesserter Abschirmung der Tasks untereinander bieten, wahrscheinlich auch Netzwerkunterstuetzung.

"Wir denken ueber DOS-Clients fuer Peer-to-peer-Netze nach", orakelt Microsofts zustaendiger Pressesprecher Thomas Baumgaertner. Als Termin fuer die Markteinfuehrung nennen Microsoft-Stimmen die Jahreswende 1994/95, doch mehren sich die Hinweise darauf, dass es auch ein wenig laenger dauern koennte. "Chicago ist noch gut ein Jahr entfernt", versucht auch Baumgaertner, voreilige Erwartungen zu bremsen.

In der aktuellen Betriebssystem-Diskussion ist Multitasking ein wichtiger Punkt. Wer schon einmal versucht hat, unter Windows im Hintergrund eine Datei aus dem Internet zu laden, ein laengeres Dokument auszudrucken oder eine Diskette zu formatieren, wird dieses Feature schmerzlich vermisst haben: Windows erledigt strikt nur eine Aufgabe zur selben Zeit; wird beispielsweise ein Fax per PC verschickt, hat alle sonstige Arbeit zu ruhen. Unter diesem Aspekt ist OS/2 dem Microsoft-Produkt um eine starke Nasenlaenge voraus - nicht nur in diesem Bereich.

Unter den gegenwaertig angebotenen Betriebssystemen duerfte OS/2 dasjenige sein, das dem Leistungspotential heutiger PCs am ehesten gerecht wird. IBMs Windows-Schreck nutzt die 32-Bit-Struktur der Intel-Prozessoren, gilt als ausgesprochen absturzsicher, ist ebenso komfortabel zu bedienen wie Windows und vor allem: Es verarbeitet die Software seines Erzrivalen problemlos, was umgekehrt nicht der Fall ist.

Insider behaupten gar, unter OS/2 laufe Windows-Software schneller als in der Originalumgebung. Insofern kommt eines der gravierendsten Mankos von OS/2 nicht zum Tragen: Nur rund 2000 32- Bit-Programme gibt es fuer dieses Betriebssystem. Die Zahl der Windows-Anwendungen dagegen ist Legion. Dem OS/2-User kann das jedoch egal sein, denn sein Rechner verarbeitet, wie gesagt, beide Kategorien.

Ein anderes Manko von OS/2 ist seine Gier nach Ressourcen. Doch im Vergleich zu High-end-Systemen im Unix-Bereich verhaelt sich das IBM-Produkt hier nahezu harmlos. Eine Hauptspeicherkapazitaet von 8 MB und 30 bis 40 MB Platz auf der Festplatte schreckten bei der Einfuehrung des Systems im Jahr 1987 die User zuhauf ab; heute sind diese Werte nicht mehr so ungewoehnlich.

Den Eindruck von OS/2 als einer reichhaltigen Betriebsumgebung versucht IBM mit Angeboten wie Multimedia-Unterstuetzung, einem speziellen Sparpaket namens "OS/2 fuer Windows" und demnaechst einer Security-Version mit dem Zugangskontrollpaket "Safeguard" von Uti- Macos weiter zu naehren. Letzteres soll auf der CeBIT vorgestellt werden und ein aehnliches Sicherheitsniveau bieten wie ein Mainframe mit Resource Access Control Facility (RACF), so verspricht zumindest IBMs PC-Division PSP. IBM will sich dafuer jedenfalls vom Bundesamt fuer Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Sicherheitsstufe C-2 ausstellen lassen. Diese OS/2- Variante waere dann das erste PC-Betriebssystem ausserhalb der Unix- Landschaft, das sich mit dem C-2-Praedikat schmuecken duerfte.

Unklarheiten gibt es allerdings hinsichtlich der Einordnung von OS/2 in IBMs Gesamtstrategie. Das Unternehmen verkuendet naemlich immer wieder, dass die Zukunft der blauen Betriebssysteme in einem fuer alle Plattformen gemeinsamen Konzept namens Workplace OS liege. Dieses Konzept basiert auf dem Mach-Microkernel und wurzelt im Unix-Bereich.

Das Workplace OS laesst sich mit unterschiedlichen Personalities ausstatten, so dass es sich dem User gegenueber wie ein OS/2 Presentation Manager verhalten kann. Potentiell zeigt es sich dem Anwender aber auch wie die Unix-Oberflaeche Motif oder mit einer eventuell noch zu entwickelnden objektorientierten Oberflaeche.

Die Bekanntgabe der diesbezueglichen Plaene hat allerdings die OS/2- Vermarkter bei PSP in Erklaerungsnotstand gebracht. "Workplace OS ist fuer die portierbaren Systeme vorgesehen", stellt Sprecherin Fritz klar - also fuer die RISC-Architekturen einschliesslich Power- PC. "Bisher wurde Workplace OS in den Medien schon fast als fertiges Produkt gehandelt. Das hat dazu gefuehrt, dass der Glaube an OS/2 etwas verlorengegangen ist. Aber OS/2 bleibt unser strategisches System fuer die Intel-Plattform. Workplace OS ist einstweilen Zukunftsmusik."

Klarer Trend zur Objektorientierung

In einem Punkt ist sich die sonst so zerstritten Branche einig: Von Next ueber Sun und Microsoft bis hin zu IBM und Apple laufen alle Trends in Richtung Objektorientierung. Next kann als Vorlaeufer gelten - sein Unix-Betriebssystem Nextstep ist durch und durch objektorientiert aufgebaut; die zugehoerige Entwicklungsumgebung soll den Bau kompletter Anwendungen in wesentlich kuerzerer Zeit ermoeglichen als bei konventionellen Entwicklungsumgebungen.

Sun folgt mit seinem Projekt "Distributed Object Everywhere" (DOE) der gleichen Spur. Erst kuerzlich hat sich das Unternehmen mit dem Ankauf von Next-Technologie eine kraeftige Know-how-Transfusion genehmigt. Sun hat fuer sein Betriebssystem So- laris eine eigene Implementierung der Nextstep-Programmier-Schnittstellen angekuendigt, so dass Applikationen zwischen beiden Plattformen austauschbar werden.

Beim Thema Objektorientierung kreuzen sich die Wege vieler Betriebssystem-Hersteller: Mit Apple, Novell, Wordperfect, Taligent und einer Reihe weiterer Unternehmen kooperiert Big Blue bei der Entwicklung des systemuebergreifenden Dokumentenstandards "Open Doc", der offenbar darauf abzielt, die Vormachtstellung Microsofts anzukratzen.

DEC, Univel, HP, Sunsoft, Intel und wieder IBM sitzen neben weiteren Unternehmen in der Object Management Group (OMG) an einem Tisch, um das programmiersprachenunabhaengige Objektwerkzeug SOM (System Object Model) und dessen Vetter DSOM (Distributed SOM) auf den Weg zu bringen. Und schliesslich hat sich IBM mit Apple zusammengetan, um in der gemeinsamen Tochter Taligent ein objektorientiertes Betriebssystem zu entwerfen. An Taligent hat sich mittlerweile auch HP finanziell beteiligt.

Microsoft schlaeft unterdessen auch nicht. Chicago, die bereits erwaehnte Folgeversion von Windows 3.11, wird mit einer objektorientierten Oberflaeche versehen sein. Das gleiche gilt fuer die naechste Ausgabe von Windows NT, die derzeit unter dem Projektnamen "Cairo" entsteht.

Fuer Arbeitsplatzrechner - im Gegensatz zu Multiuser-Systemen und Servern - duerfte Windows 4.0 alias Chicago mit Sicherheit das interessantere der beiden Betriebssysteme darstellen.

Glaubt man den diversen Veroeffentlichungen, so wird Windows 4 im Wesentlichen das bieten, was heute mit OS/2 machbar ist. Bessere Performance durch Nutzung des 32-Bit-Potentials der Hardware, Unabhaengigkeit von einem darunterliegenden DOS und echtes Multitasking zaehlen zu den wichtigsten Features.

Hinzu kommen wahrscheinlich eine erweiterte Netzwerkunterstuetzung, ein ueberarbeitetes Dateisystem, das einen schnelleren Zugriff erlaubt, ohne dabei auf das von DOS uebernommene FAT-System (File Allocation Table) zu verzichten, sowie ein stark modularer Aufbau, der eine massgeschneiderte Installation zulaesst und dafuer sorgt, dass Windows 4 - im Gegensatz zu OS/2 - tatsaechlich mit 4 MB Arbeitsspeicher befriedigende Ergebnisse erzielen wird.

Vorsicht ist bei allzu detaillierten Angaben angeraten, wie sie bereits in der Fachpresse kursierten. "Da haben einige Magazine bereits Testberichte von Chicago veroeffentlicht", grollt Microsoft-Sprecher Baumgaertner. "Dabei hat es sich um raubkopierte Alphaversionen gehandelt. Die endgueltige Ausfuehrung wird ganz anders aussehen."

Unix: Fuer DOS-User eine neue DV-Kultur

Wer sein Multitasking aber hier und jetzt braucht und - aus welchen Gruenden auch immer - weder Windows NT noch OS/2 einsetzen moechte, muss zur Zeit noch mit einer der zahlreichen Unix-Varianten vorliebnehmen. Die prominentesten Vertreter duerften Open Desktop (ODT) vom Unix-Altmeister SCO sein, dazu kommen Unixware von Novell, Interactive Unix und Solaris von Sunsoft sowie das eingangs erwaehnte Nextstep von Next Computer.

Saemtliche angefuehrten Varianten verfuegen ueber eine grafische Benutzeroberflaeche mit Mausbedienung, was angesichts der Enduser- Feindlichkeit von Unix schon eine deutliche Verbesserung gegenueber der gefuerchteten Kommandozeile darstellt. Ob der Benutzer alle seine Aufgaben aus dieser Oberflaeche heraus durchfuehren kann, sei einmal dahingestellt, darf aber bezweifelt werden.

Auf jeden Fall sollte ein Umsteiger von traditionellen PC- Betriebssystemen wie DOS oder Windows zu Unix sich auf einen Komplexitaetssprung gefasst machen, dem nicht jeder User gewachsen ist. Der Schritt zu Unix stellt in gewisser Weise den Uebergang von dem stark Enduser-bezogenen PC-Computing zur "erwachsenen" DV dar, so dass hier meist ganz andere Kriterien, Normen und Arbeitsweisen relevant werden.

Ueber diesen Kulturwechsel taeuscht auch die Tatsache nicht hinweg, dass viele Anwender gar nicht wissen, dass sie Unix auf ihrem Rechner haben: Traditionell laufen gerade Branchenloesungen fuer Betriebe ohne geschultes DV-Personal haeufig als Komplettloesungen unter Unix. Doch in diesen Faellen ist der Anwender so stark vom Betriebssystem und seinen Funktionen abgeschirmt, dass er gar nicht gewahr wird, womit er es zu tun hat.

Hinsichtlich der installierten Basis auf PCs mit Intel-Prozessor duerfte wohl SCO das Feld anfuehren. Das Unternehmen erhebt auch den Anspruch auf die breiteste Applikationspalette. Unter anderem sind fuer SCOs grafisch orientierte Unix-Variante ODT so verbreitete Arbeitsplatzanwendungen erhaeltlich wie die Textverarbeitung Wordperfect, das Buerokommunikationspaket Ongo (das frueher Uniplex hiess), die Tabellenkalkulationen 1-2-3 von Lotus, Wingz von Informix, das High-end-DTP-Paket Framemaker oder die Datenbank Ingres.

Wettbewerb der PC-Unix-Anbieter

Eine prominente Stellung nimmt auch Unixware von Novell ein. Das hat allerdings eher mit den strategischen Ambitionen zu tun, die Novell mit dem Betriebssystem verfolgt, als mit der installierten Basis, denn das Angebot an passender Anwendungssoftware fuer Unixware kann bisher nicht eben als ueppig bezeichnet werden. Dem haelt Novell zwar entgegen, dass alles, was unter SCO-Unix laufe, auch unter Unixware betrieben werden koenne. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht: In der Regel sind bei der Installation Eingriffe vonnoeten, die den Kenntnisstand des Durchschnittsanwenders ueberfordern. Immerhin handelt es sich bei Unixware jedoch um einen Vertreter der Version SVR4, die aus den verschiedensten Quellen bezogen werden kann und sich einer grossen Verbreitung erfreut.

Auch Sunsoft buhlt mit Solaris um PC-Kunden. Im Vergleich zu SCO und den meisten SVR4-Anbietern geht es Sunsoft nach eigenem Bekunden allerdings mehr um High-end-Geraete mit entsprechend komplexen Aufgabenstellungen.

Allen Unix-Varianten ist gemein, dass sie im Vergleich zu traditionellen PC-Betriebssystemen ziemlich grosszuegig mit den Ressourcen des PCs und seines Benutzers umgehen. Das macht auch vor dem Geldbeutel nicht halt: Bekommt man heutzutage OS/2 fast nachgeworfen und Windows mit DOS ohnehin auf nahezu jedem Rechner vorinstalliert, so muss man fuer Unix doch noch recht tief in die Tasche greifen. SCO ODT, keineswegs die teuerste Variante, steht mit stolzen 2750 Mark in der Preisliste - fuer PC-gewohnte User ein Unding.

Natuerlich eroeffnet Unix sehr viel weitergehende Anwendungsperspektiven als DOS, Windows und OS/2. Insofern kann Unix nicht mehr unbedingt als reinrassiges PC-Betriebssystem gelten. Wie wichtig den Unix-Anbietern aber der klassische PC- Markt ist, geht aus der Bestueckung der meisten Systeme mit DOS- Emulatoren und aehnlichen Werkzeugen hervor, die die Verwendung von DOS- und Windows-Software sicherstellen. Als State of the art kann hier die Emulation von DOS im Verein mit Windows 3.1 gelten. Es darf allerdings nicht uebersehen werden, dass sich Windows dabei nur im Standard Mode betreiben laesst - und das tut kaum ein wirklicher Windows-User; unter diesen Anwendern ist der Enhanced Mode mit der Unterstuetzung virtueller Speicheradressierung viel staerker verbreitet.

Einen Lichtblick bietet hier das von Sun entwickelte Windows- Interface Wabi. Dieses Stueck Software erlaubt den Einsatz von Windows-Software unter Solaris (und mittlerweile auch einigen anderen Unix-Derivaten), indem es die Windows-Befehle in die bei Unix gebraeuchliche Fensterumgebung X umsetzt; es handelt sich also nicht um einen Emulator.

Nach Aussage von Brian Aiken, Deutschland-Chef von Sunsoft, sollen Windows-Applikationen damit sogar eine deutliche Performance- Steigerung erfahren. Der Pferdefuss: Wabi funktioniert nur bei "Well behaved"-Programmen. Derzeit sind zudem nur etwa zwei Dutzend populaerer Windows-Anwendungen als lauffaehig zertifiziert.

Angesichts dieser Bandbreite von Betriebssystemen fuer den PC wird offenbar, dass die Zeiten vorbei sind, da ein einziges System den gesamten Markt dominiert hat. Zu diesem Schluss kommt auch die Gartner Group in ihrer Studie ueber die Zukunft der PC- Betriebssysteme: "Die meisten Anwender werden sich in einer Vielfalt von Desktop-Betriebssystemen wiederfinden, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine einzelne Plattform mehr als 50 Prozent der Auslieferungen ausmachen wird."