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19.05.2000 - 

IT in der Prozessindustrie/Integrierte IT-Lösung für Alsecco

Von der Farbmischung bis zum fertigen Produkt

Alsecco ist ein Anbieter von Fassadensystemen und versteht sich als designorientierter Allround-Dienstleister. Ein neues IT-System sollte die zahlreichen Produktvarianten und Fertigungstechniken steuern und verwalten. Joachim von Manger* schildert Vorgehen und Wirkungsweise.

Alsecco schafft mit seinen Werkstoffen und Technologien die Voraussetzungen für vielfältigere und individuellere Möglichkeiten zur Gestaltung der Fassade. Das heißt, dass Architekten und Bauherren sich ganz darauf konzentrieren können, Ideen für eine gestalterische Umsetzung zu entwickeln. Das Wie ist dann Aufgabe von Alsecco. So hat der Gestalter den Kopf frei.

Das Bereitstellen der unterschiedlichen Materialien und der nahezu unendlichen Farbvariationen stellt eine Herausforderung dar. Rund 330 Mitarbeiter arbeiten in den Produktionsstandorten Wildeck (Hessen) und Gerstungen (Thüringen), den 20 Servicezentren in Deutschland sowie in Niederlassungen im europäischen Ausland. Die Kunden werden über einen 24- und 48-Stunden-Lieferservice bedient.

Das bislang bei Alsecco eingesetzte IT-System war in die Jahre gekommen und hatte nicht mehr die ausreichende Kapazität und Flexibilität, den Anforderungen der Variantengenerierung und der automatischen Informationsverteilung gerecht zu werden. Zudem war das System nicht auf den Jahrtausendwechsel vorbereitet. Ein weiteres Problem: Die 20 Servicezentren hatten bis dato keine Online-Anbindung an die Zentrale und damit nur bedingte Auskunftsfähigkeit über den Stand der Auftragsabwicklung. Auch die Verteilung von Stammdaten, zum Beispiel Teilestämme und Preislisten, war nicht optimal gelöst.

Aus der Produktion heraus ergaben sich neue Aufgaben: Denn bei einer beliebigen Anzahl von Farbkombinationen ist es nicht möglich, alle Produkte parat zu haben. Andererseits würde dies bedeuten, für jedes Produkt und für jede erdenkbare Farbe die richtige Rezeptur anzumischen. Da Alsecco nicht nur die Farben der eigenen Farbplatten anbietet, sondern darüber hinaus auch jede Farbe der Mitbewerber, ist eine Bereithaltung aller Varianten aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich. Um aber auch solche Produkte in der angestrebten Frist liefern zu können, braucht man eine Technik, die erkennt, dass diese Farbe für dieses Produkt bisher noch nicht produziert wurde, sowie eine Lösung, die innerhalb kürzester Frist die richtige Farbrezeptur ermittelt und an die Produktion weiterleitet.

Bei der Auswahl eines neuen Pakets wurden deshalb folgende Forderungen definiert:

-Leistungsfähige und stabile Datenbank, die auf mehreren Plattformen läuft,

-Möglichkeit zur Variantengenerierung und Merkmalsverwaltung,

-Workflow-Funktionalitäten,

-Online-Anbindung der Servicezentren entweder über Intranet oder Client-Server-Zugriff über ISDN-Leitung,

-Möglichkeit, das bestehende System individuell an die Anforderungen anzupassen und durch Individualanforderungen zu ergänzen sowie

-Datenaustausch mit Produktionsmaschinen.

Aufgrund der Erfahrungen mit unterschiedlichen Datenbanken wurde relativ schnell der Entschluss gefasst, nur Anwendungen in die Auswahl aufzunehmen, die als Datenbasis eine Oracle-Datenbank anbieten können. Die Unterstützung unterschiedlicher Betriebssystem-Plattformen sowie die Web-Fähigkeit waren hierfür ausschlaggebend.

Das Anforderungsprofil für die neue Software entwickelte sich sowohl aus Anwenderwünschen als auch aus der Vorstellung, wie und in welcher Form Aufträge durch das Unternehmen bearbeitet werden beziehungsweise wie auf kundenspezifische Wünsche eingegangen werden kann. Gerade die Vielfalt der Farben für Putze und Anstriche sowie deren Weiterleitung zur Reproduktion bei Nach- oder Gleichlieferungen stellten hohe Ansprüche an die Software.

Nach dem Testen der bekannten Softwarepakete hat sich gezeigt, dass nicht unbedingt die Pakete geeignet waren, die eine bauchemische Ausrichtung haben. Mit der beliebigen Zahl von Farbvarianten für Putze sowie den alternativen Fertigungsmöglichkeiten mit entsprechenden Rezepturen waren die Softwarelösungen häufig überfordert.

Erst durch das Einbeziehen von PPS-Paketen, die eher für Maschinenbauer gedacht sind, waren die gewünschten Funktionen im größeren Umfang vorhanden. Interessant dabei ist ein Merkmalsystem, das prüft, ob für ein bestimmtes Produkt, Farbhersteller, Farbtonkarte und Farbton bereits ein Rezept vorhanden ist.

Aufgrund der umfangreichen Recherche nach einer geeigneten Lösung verzögerte sich die Entscheidung für eine Software erheblich. Als Termin für den Echtstart des Systems in der Zentrale wurde der 1. Januar 1999 festgelegt. Letztendlich fiel die Entscheidung auf das Softwarehaus Schrempp EDV in Lahr, das mit seinem Paket "Sivas" - basierend auf der Datenbank und den Entwicklungswerkzeugen von Oracle - eine geeignete Basis für die Vorstellung der Abläufe hatte. Speziell das Merkmalsystem sowie die Variantengenerierung und die Workflow-Funktionalität zeigten sich als zentrale Punkte für die Lösung.

Für das abweichende Handling von Rezepturen und Stücklisten wurde eine spezielle Verwaltung für Alsecco entwickelt, die sich vom vorhandenen Standard unterscheidet, ohne die Vorteile einer Baukastenverwaltung aufzugeben. Als weiterer Vorteil erwies sich die standardmäßige Mengeneinheitenverwaltung, die beliebig oft von einer Mengeneinheit in eine andere umrechnen kann. Damit ließ sich unter anderem das praktische Problem lösen, dass der Preis sich auf Kilo bezieht, die minimale Verkaufseinheit aber ein Sack mit 25 Kilo ist.

Da die Kunden eine schnelle Ausführung der Aufträge erwarten, müssen möglichst viele Abläufe ereignisgesteuert sein. Automatisch erhalten die beteiligten Abteilungen und Funktionen die notwendigen Informationen zur weiteren Bearbeitung. Diese Aufgabe erledigt das Standard-Workflow-Werkzeug hervorragend.

Ein Beispiel für die Arbeitsabläufe: Ein Auftrag wird im System erfasst. Handelt es sich um ein farbiges Produkt, verzweigt das System automatisch zur Eingabe der Farbmerkmale. Anhand des eingegebenen Farbherstellers, der Farbtonkarte und des Farbtons, prüft das System automatisch, ob das Produkt in dieser Kombination bereits herstellt wurde. Ist das der Fall, erfolgt eine entsprechende Meldung an den Erfasser. Gleichzeitig gelangt der Auftrag zur Produktion.

Sollte die Rezeptur nicht vorhanden sein, so erfolgt ebenfalls ein Hinweis an den Erfasser. Zusätzlich wird die farbmetrische Abteilung informiert, dass eine neue Farbrezeptur zu entwickeln ist. Nach der Entwicklung (innerhalb einer Stunde) wird die Aufgabe als erledigt gekennzeichnet und die Produktion über das System informiert, dass der Auftrag nun bearbeitet werden kann. Die Basisrezeptur und die auftragsbezogene Farbrezeptur werden für den Produktionsauftrag generiert unter Berücksichtigung der gewünschten Fertigungsalternative. Je nachdem, wie diese Entscheidung ausfällt, werden unterschiedliche Materialien eingesetzt. Aufgrund der registrierten Merkmale ist jederzeit nachvollziehbar, wie und unter welchen Voraussetzungen der Auftrag gefertigt wurde.

Der Echtstarttermin wurde am 4. Januar 1999 in der Zentrale eingehalten. Zwischenzeitlich werden die 20 Servicezentren in Deutschland auf die neue Software umgestellt. Die Vorbereitungszeit betrug also vier Monate, die Anlaufzeit knapp drei Monate. Schon jetzt haben die Anwender weitere Wünsche an das System, wie zusätzliche Programmierungen für eine Tourenplanung (Zuordnung von Aufträgen zu Ladekapazitäten), statistische Auswertungen in vielfältiger Form, Anbindung von Produktionsmaschinen zur automatischen Rückmeldung von Waren- und Rohstoffbewegungen oder Silo- und Geräteverwaltung.

*Joachim von Manger ist Leiter der IT bei Alsecco in Wildeck.

Das UnternehmenAlsecco wurde 1957 als Tochter der Richelsdorfer Hütte in Wildeck gegründet. Hervorgegangen aus einem Hüttenbetrieb, entwickelte sich das Unternehmen in den vergangenen 40 Jahren zu einem Anbieter von Fassadensystemen. Mit der Vorstellung des Alsecco Fassaden Design Systems (AFDS) im Jahre 1998 begann eine neue Phase der Entwicklung.

Das Unternehmen beschäftigt heute rund 350 Mitarbeiter, unterhält zwei Produktionsstätten in Wildeck (Hessen) und Gerstungen (Thüringen) und verfügt über 20 Servicezentren in Deutschland sowie in Niederlassungen im europäischen Ausland.