Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

19.10.1984 - 

Morgen könnte man auch in der DV-Geschichte zum Beherrschbaren zurückkommen:

Von der Plastik- zur Jute-Datenverarbeitung

Damals, im Oktober '74 - das waren noch Zeiten! Während die COMPUTERWOCHE aus der Taufe gehoben wurde, wurden Magnetkontencomputer programmiert und die Kollegen hatten eine Jahresaufgabe zu bewältigen, um eine rechte Datenbank auf einer 370/115 anzulegen.

Tools waren noch wenig bekannt and die DV-Abteilung litt wie in einem gut inszenierten Drama, weil sie mit den Schwierigkeiten von CICS zu kämpfen hatte. Allerdings: Unsere Kunden erstarrten damals noch vor Ehrfurcht, weil man uns für Supergenies hielt, die scheinbar furchtlos mit den so unergründlichen Computern umgehen konnten.

Damals brachte uns die Chefin zu nachtschlafener Zeit eine dampfende Suppenterrine zur Stärkung ins RZ und demonstrierte so auf ihre Weise, daß sie ihren Mitarbeitern für so manche durcharbeitete Nacht dankbar war Als dann endlich die Firmendatenbank stand, wurde gefeiert...

Heute ist alles anders Fachinformationszentren bieten jedem, der will Online-Zugriff auf angeblich riesige und aussagefähige Datenpools - aber nur wenige Experten können mit den erforderlichen Abfragesprachen hantieren. Entsprechend gering werden die Online-Angebote genutzt.

Heute bieten Mikrocomputer Hauptspeichergrößen in Megabytes, sind vermeintlich leistungsfähiger als man es sich je hätte erträumen lassen. Aber nur wenige Programme nutzen die vorhandenen Möglichkeiten wirklich aus, nur wenige Anwender profitieren deshalb von ihren Supermikros.

Heute buhlen Hunderte von Hardware-Herstellern und Software-Häusern um die Gunst der Interessenten - aber nur wenige Mikros werden dem kommerziellen Nutzer verkauft weil es an fachkundiger Beratung und an reellen, den Käuferbedürfnissen entsprechenden Verkaufsmethoden mangelt.

Heute stehen dem Programmierer Tools, Debugger, Generatoren, Bildfenster und neue, immer komfortablere Programmiersprachen und Betriebsysteme zur Verfügung. Aber die damit erstellte Software ist nur in Ausnahmefällen für den Anwender leichter erlernbar, sicherer, einfacher zu bedienen, leistungsfähiger und ergonomischer als des gute alte Magnetkontenprogramm.

Heute grassieren Schlagworte wie "Netzwerke für Mikrocomputer", in denen zig Systeme samt Peripherie miteinander gekoppelt werden können. Aber ich suche noch immer denjenigen, der mir mehr als drei Praxisanwendungen zeigen kann, die im alltäglichen Streß "ihren Mann stehen".

Morgen wird man, wie in vielen anderen Lebensbereichen, vielleicht auch in der DV wieder zum Einfachen Beherrschbaren, zum unmittelbar Nutzbaren und aus Kostensicht Vernünftigen zurückkehren. Das klingt nach Technolgiefeindlichkeit und dennoch sollte man diese Möglichkeit einmal durchdenken.

Es könnte soweit kommen, wenn sich nicht einiges an den Verkaufsmethoden ändert und daran, daß oft genug völlig an. Bedarf vorbei produziert wird. Und es könnte so kommen, wenn der Anwender nicht mehr bereit sein wird, sich umzustellen, wenn er Qualität und Beratung in Mark und Pfennig honorieren will. Die Umkehr von der Plastik-DV zur Jute, zur Einfach-DV ist so utopisch nicht. Denn so schlecht waren jene Magnetkontencomputer und ihre Konzeptionen gar nicht, die anno '74 programmiert wurden. Da hatte man etwas in der Hand, mit so einem Magnetkonto. Wenn es kaputt ging, wurde es halt neu angelegt und obendrein war es sogar optisch lesbar - einfach so ...

Plattencrash und nichtlesbare Disketten würden glatt der Vergangenheit angehören. Nicht selten hat der Markt (besser: der Kunde) die Anbieter und Produzenten das Fürchten gelehrt, weil er eben nicht annahm, was die Werbung glaubte als unentbehrlich und notwendig propagieren zu müssen.

Aber Ironie beiseite, Maus und Touchscreen her: Morgen wird es wichtiger sein als alle technischen Feinheiten, dem Anwender beizubringen, wie und mit welchem System ihm am besten in der Bewältigung seiner täglichen Arbeit geholfen werden kann.

Heute stehen wir am Ende einer Phase in der viele glaubten, einen Computer haben zu müssen. Die Computeranwender beginnen mündig zu werden, wollen nur noch das kaufen, was sie tatsächlich brauchen. Wenn es doch endlich in das Hirn der cleveren PR-Leute hineinginge, daß es dem Computerbenutzer nicht wichtig ist, ob er mit der Maus hantiert oder Tasten drückt.

Ob auch morgen die Chefin noch mit ihrer Suppe kommt, darf bezweifelt werden. Denn bei 38 Stunden langt es nicht mehr für die Nachschicht. Morgen wird manches in der DV anders sein. Aber immer mehr Anbieter und Anwender erkennen, daß sie die Suppe auslöffeln müssen, die sie sich heute einbrocken.

*Dieter Keil ist Computerberater in Hüttenberg-Rechtenbach