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Firmen-Webs verbessern Geschäftsabläufe


10.07.1998 - 

Von der Spielwiese zum nützlichen Kostendämpfer

Bei Schenck Prozeß, Hersteller von Wäge- und Dosiersystemen für schwere Lasten mit Sitz in Darmstadt, will kaum jemand mehr etwas von langwierigen Postwegen und umständlichen Informationsrecherchen per Telefon oder Fax wissen. Statt dessen holen sich die Vertriebs- und Servicekräfte in allen Unternehmensstandorten in Europa, Asien und den USA die gewünschten Daten aus dem firmeneigenen Intranet. Auf diese Weise stehen detaillierte Produkt- und Ersatzteilinformationen inklusive Preisen und Versanddauer sowie Ansprechpartner online zur Verfügung. Was dann noch zu klären bleibt, wird über Zeitgrenzen hinweg via Internet per elektronische Post geregelt. Der Vorteil für Schenck: Schnelle Informationsbeschaffung aus einem stets aktuellen Daten-Pool heraus sowie zügige Abstimmung statt langwieriger Papierstaffetten in Form von Broschüren, Handbüchern, Informations- und Faxblättern.

Das Darmstädter Unternehmen ist nur ein Beispiel für die wachsende Hinwendung zum Intranet, der firmeninternen Variante des Internet. Beflügelt von den Zeit- und Kostenvorteilen und damit den Rationalisierungseffekten der Web-Technik, scheint der Siegeszug nicht mehr aufzuhalten. Auf 1,8 Milliarden Dollar beziffert das Marktforschungsunternehmen Input den deutschen Intranet/Internet-Markt (Software und Services) im Jahr 1997. "Im Jahr 2000 werden in diesem Markt nach unserer Erhebung bereits 9,3 Milliarden Dollar Umsatz erzielt werden", prophezeit Felix Harmann, Geschäftsführer bei Input in Langgöns bei Gießen.

Im Intranet der EMC Corporation in Boston, Hersteller von Speicherlösungen in Hard- und Software, werden zusätzlich zur schnellen Weitergabe von Produkt- und Service-Informationen für die Niederlassungen weltweit Problembeschreibungen und die dafür passenden Lösungen vorgehalten. Parallel dazu sind im EMC-Netz die Daten zu allen Kundeninstallationen abgelegt. "Damit können unsere Systemberater aufkommende Probleme beim Kunden schneller lösen", erläutert Malte Rademacher, Leiter Marketing bei EMC Computer Systems Deutschland in Schwalbach.

Auch beim Lampenhersteller Osram in München schwört man auf die Vorzüge der Web-Technik im firmeneigenen Netz. Das im Unternehmen entwickelte "Purchasing und Marketing Informationssystem" (Pumas) ist nur eine Säule für einen effizienten Intranet-Einsatz.

Die aktuellen Produktinformationen von Osram-Zulieferern weltweit, inklusive der Konditionen, werden permanent in Pumas gesammelt und stets auf dem aktuellen Stand und abrufbereit gehalten. So können die Mitarbeiter im Einkauf durch eine schnelle Recherche in der Web-basierten Datenbank die Zulieferer mit den besten Konditionen ausmachen. Der Lohn für den Lampenhersteller: Erhebliche Einsparungen durch einen preisgünstigen Einkauf, ohne dafür zu lange Lieferfristen in Kauf nehmen zu müssen.

Auch bei DV-Problemen im Osram-Netz mit europaweit mehr als 2000 Teilnehmern ist das Intranet nützlich. "Kommt es zu Schwierigkeiten im Netz oder am PC, können sich unsere Mitarbeiter oft selbst helfen", berichtet Robert Blattenberger, Abteilungsleiter Informationstechnik in der Münchner Osram-Zentrale. "Die notwendige Unterstützung erteilt ihnen dazu ein elektronisches Helpdesk, in dem die bisherigen Probleme und die dazugehörigen Lösungsansätze genau beschrieben stehen."

Einsparungen von vier Millionen Mark

Der Einsatz eines Intranet zahlt sich für Osram aus. Allein für die Intranet-Anwendungen "Infothek" (elektronisches Telefonbuch, Blättern zur Reisekostenabrechnung, Devisenkurse, Schulungsprogramme und Ratschläge zur Informationssicherheit), "Projektverfolgung" und "elektronischer Helpdesk" hat der Lampenhersteller auf einen Zeitraum von fünf Jahren bezogen in Deutschland Einsparungen in Höhe von vier Millionen Mark kalkuliert. IT-Abteilungsleiter Blattenberger führt die maßgeblichen Kostenvorteile auf: "Ein Prozent Produktivitätsgewinn pro Mitarbeiter durch schnelle Informationsrecherche plus 500000 Mark Einsparung durch papierlosen Informationstransfer. Das macht sieben Millionen Mark." Die Projektkosten für diese Intranet-Anwendungen veranschlagt er dagegen auf nur drei Millionen Mark.

Demnächst möchte Osram die Daten des Großrechners mit den SAP-Programmen zur Finanzbuchhaltung, zum Vertrieb und zur Logistik unter einer universellen Browser-Oberfläche verfügbar machen.

Einen solchen Migrationsschritt hat die Firma INA Wälzlager Schaeffler in Herzogenaurach bereits vollzogen. Beim Hersteller von Wälzlagern, Linearsystemen und Motorenelementen können die Teilnehmer aus dem Intranet heraus direkt auf die Daten des IBM-Zentralrechners sowie auf die der zahlreichen Abteilungsrechner zugreifen. Ein Web-Server, der die herstellerspezifischen Datenformate in Hyper Text Markup Language (HTML) umsetzt beziehungsweise in Java-Applets weiterverarbeitet, dient als Tor zu den unterschiedlichen Rechnerwelten. Zusätzlich zu den Mitarbeitern in der Zentrale haben die Beschäftigten in den INA-Niederlassungen in Prag, Singapur und Taicang (China) über das Internet Zugriff auf die Auftrags-, Vertriebs-, Material-, Lagerbestands- und CAD-Daten der Zentrale.

Viel günstiger als Terminalemulationen

Insgesamt 4000 Teilnehmer kommen so in den Genuß eines schnellen Informationstransfers, und das mit einem Kostenvorteil für das Unternehmen. Das Management von INA spricht von nur einem Zehntel der Kosten gegenüber dem klassischen Zugriff via Terminalemulation und traditionellen Fernverbindungen über ISDN.

Die Möglichkeiten, die Intranets bieten, bewogen auch die Firma U. I. Lapp in Stuttgart, Anbieter von Verkabelungssystemen, ein elektronisches Bestellwesen zu implementieren. Dazu setzt das Unternehmen auf "Lotus Domino" und hat damit gleichzeitig die Datenbank mit den kompletten Bestelldaten unter der Browser-Oberfläche im Zugriff. Günther König, Leiter der Informationsverarbeitung bei U.I. Lapp, erläutert die Vorteile der Anwendung: "Damit haben wir den Bestellvorgang in weiten Teilen automatisiert und gleichzeitig die Kommunikation mit unseren Lieferanten transparenter gestaltet."

Preise, zusätzliche Konditionen und Lieferzeiten werden dabei, falls erforderlich, per E-Mail abgestimmt. Pro Jahr wickeln die Mitarbeiter bei U.I. Lapp so 60000 bis 80000 Bestellvorgänge auf elektronischem Wege ab. Nach Angaben von König hat sich die gesamte Intranet-Installation bereits nach vier Monaten amortisiert.

Doch es sind nicht nur der schnelle, ortsunabhängige Zugriff auf die Informationsbestände und die hohen Einsparungen durch schlankere Geschäftsprozesse, die dem Intranet zu diesem Höhenflug verhelfen. Die Web-Technik selbst bietet den Firmen aller Branchen zählbare Vorteile. "Sie ist einfacher umzusetzen und zu handhaben als herstellerspezifische Systeme", so Eberhard Kurz, Projekt Senior Manager bei Arthur D. Little in Wiesbaden. "Der Grund dafür: Die Unternehmen können bei der Realisierung ihres Intranet auf Standardmethoden und -Werkzeuge, zudem auf marktgängiges Know-how zurückgreifen."