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08.01.1982 - 

Siemens 1982: Das Jahr der Bewährung

Von Dieter Eckbauer

Überall Unsicherheit. Selbst in der DV-Branche. Bisher hatte man angenommen, das Konjunkturschiff des Marktes für Informationsverarbeitung sei unsinkbar. Doch im abgelaufenen Jahr sind Dinge geschehen, die die Computerindustrie im Mark getroffen haben.

Daß MDT und Terminal-Anbieter wie Triumph-Adler, Kienzle, Ruf, Logabax, MDS oder Data 100 in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, mochten unbedarfte Outsider noch für "normal" halten - Zeichen für einen intakten Wettbewerb. daß aber auch so renommierte Mainframer wie Siemens, Honeywell Bull, ICL und Burroughs ins Schleudern kamen, bedeutet für Marktkenner den endgültigen Abschied von einer Wachstumsideologie, die langfristig nur den Großen eine Überlebenschance einräumt.

Tatsächlich muß man davon ausgehen, daß sich die Konkurrenz unter den Mainframern noch verschärft. Eine harte Auslese nach dem K.-o.-System ist angesagt. Einige Hersteller scheinen auf den Kampf ums Überleben indes schlecht vorbereitet, rote Zahlen signalisieren gar Aufgabebereitschaft. Brancheninsider glauben, den Grund für den Abwärtstrend ausgemacht zu haben: Bei nur noch einstelligem Umsatzwachstum gelinge es den Traditionsanbietern nicht mehr, die enormen Kostensteigerungen im Vertriebsbereich aufzufangen.

Doch welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den Anwender? Rudolf Nechutnis, Leiter Rechnungswesen und Organisation bei Voith, Heidenheim, macht sich da seine Gedanken: "Die Entwicklung einzelner DV-Unternehmen als Hinweis auf ihre mittel- und langfristige Existenzsicherung", schrieb er zum Thema der Woche (CW Nr. 51/52 vom 18. Dezember 1981), "ist eine wichtige Einflußgröße für unsere Entscheidungen." Welchen Hersteller der DV-Profi da wohl außen vor läßt, wenn er über die Zukunftsaussichten einzelner Marktteilnehmer nachdenkt? Ganz gewiß den Marktführer. "Die IBM", scherzt Professor Hans Pärli an gleicher Stelle, "wird auch im kommenden Jahr existieren und bei bester Gesundheit sein."

Aber wie geht's bei Siemens weiter?

Diese Frage wird neuerdings öffentlich diskutiert. Nachdem der Elektrokonzern bei der kleinen Datenverarbeitung einen Teilrückzug angetreten hat - Basis-lnformationssysteme (BI) wurde als eigenständiger Unternehmensbereich aufgelöst -, vermuten Marktbeobachter, daß die Münchner ganz aus der Datentechnik aussteigen könnten. Man mag eine derartige Spekulation angesichts der Kronprinzenposition der Neuperlacher im deutschen DV-Markt hirnrissig finden. Sie steht aber nun mal im Raum. Und das Vertrackte daran ist: Derlei Demontagen des Siemens-Bildes beschwören Schäden an der Mitarbeiterbasis des Geschäftsbereiches Datentechnik (D) herauf - die eigenen Leute sind verunsichert.

Jetzt muß es den Verantwortlichen darum gehen, daß drinnen und draußen erkannt wird, wie der Hase läuft. Es gilt 1982 also, Prioritäten zu setzen. Noch ist davon wenig zu spüren Im Gegenteil, das interne Tauziehen der Unternehmensbereiche Energietechnik (E) und Kommunikationstechnik (K) um das BI-Erbe geht allem Anschein nach munter weiter. Die bisherige Aufteilung verweigert sich freilich jeder Logik. Was zum Beispiel hat der Laserdrucker bei K zu suchen? Oder: Wie paßt die Mittlere Datentechnik (Serie 6000) zu E? Da gibt es viele Ungereimtheiten.

Die große Bewährungsprobe steht demnach erst bevor - für alle, die sich bei Siemens der

Datenverarbeitung verschrieben haben.