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27.01.1995

Von Fax, E-Mail und EDI zu Electronic Commerce Rauchzeichen und reitende Boten in der neuen Online-Welt

Unternehmen muessen sich nicht nur den Herausforderungen des Wettbewerbs stellen, sondern, um diese zu meistern, stets auch mit neuen populaeren Kommunikationstechniken und deren Anwendung in der Praxis auseinandersetzen. Dabei tut die einschlaegige Branche nicht selten ein uebriges, um die Qual der Wahl und damit die Unsicherheit ihrer Kundschaft zu erhoehen. Multimedia, Internet- Boom und Electronic Commerce sind nur einige wenige der Schlagworte, die derzeit den elektronischen Informationsaustausch der Zukunft skizzieren. Horst Hermann* versucht sich an einem klaerenden Ueberblick.

Anwendungen wie Electronic Mail, Fax und EDI veraendern die Geschaeftswelt immer nachhaltiger - eigentlich eine Binsenweisheit. Durch schnellere und direktere Verbindungen mit Geschaeftspartnern, aber auch Privatpersonen in aller Welt wird es moeglich, traditionelle Ablaeufe voellig neu zu gestalten. Mit anderen Worten: Es ist vom viel diskutierten Thema Multimedia die Rede - mit dem eine wachsende Zahl von Experten unsere Gesellschaft an der Schwelle einer neuen industriellen Revolution sieht.

Schlagzeilen verdecken den Blick auf die Realitaet

Die Auswirkungen solcher Szenarien auf Wirtschaft und Gesellschaft sind heute bei weitem noch nicht absehbar. Wenn gegenwaertig beispielsweise eine zukuenftige Anwendung wie Video on demand die Schlagzeilen beherrscht, so ist diese nur ein Teilaspekt dessen, was auf uns zukommen wird. Allerdings steht die Heftigkeit der Diskussion darueber in keinem auch nur ansatzweise realistischen Verhaeltnis zu den absehbaren Konsequenzen. Wer die momentane, je nach Ausgangslage, Euphorie oder Weltuntergangsstimmung auf sich wirken laesst, muesste fast zu dem Schluss kommen, dass sich die Abloesung herkoemmlicher Videotheken durch interaktive Dienste wie Video on demand mittelfristig zu einem zentralen Faktor unserer Volkswirtschaft entwickelt.

Ein Trend allerdings zeichnet sich bereits heute sehr deutlich ab: Die Nutzung von Multimedia wird sich zumindest mittelfristig primaer im professionellen Umfeld abspielen - beispielsweise in Form von Videokonferenzen oder, wie schon seit laengerer Zeit ueblich, durch den kommerziellen Gebrauch des Internet durch Universitaeten und andere Forschungseinrichtungen. Gleiches gilt aber in zunehmendem Masse auch fuer andere kommerzielle Anwender, die ueber die "Mutter aller Netze" oder per Videokonferenz weltweit Informationen austauschen. So werden in Zukunft Aerzte weltweit mit multimedialer Unterstuetzung chirurgische Eingriffe remote dirigieren und Studenten Bibliotheken rund um den Globus in Anspruch nehmen koennen.

Elektronische Maerkte sind also die Maerkte der Zukunft. Wertpapiere und Devisen werden bereits heute weitgehend elektronisch gehandelt; Spotmaerkte fuer Erdoel oder elektronische Speicherchips sind nach Auffassung vieler Experten die Prototypen entsprechender neuer Marktformen. Warum machen gerade diese Produkte den Anfang? Die Antwort liegt auf der Hand: Erdoel und Speicherchips koennen ebenso wie Aktien und Geld elektronisch einfach und eindeutig beschrieben werden, und durch die Kombination unterschiedlicher Medien (Multimedia) steht der Darstellung auch sehr differenzierter Produkte und Dienstleistungen - damit auch dem elektronischen Handel - nichts mehr im Wege.

Gerade am Beispiel Internet zeigen sich die rasanten Veraenderungen sehr anschaulich. Noch vor gut einem Jahr war das Internet in der Fachpresse nur ein Randthema. Laut "Information Week" hat sie im ersten Halbjahr 1993 den Begriff Internet 767mal verwendet, im gleichen Zeitraum 1994 aber bereits 9332mal. Die Zahl der Internet-User - juengsten Angaben zufolge mehr als 25 Millionen - soll derzeit pro Monat um zehn Prozent wachsen.

Doch von der Zukunft zurueck in die Gegenwart. Elektronischer Austausch von Handelsdaten ist ja beileibe kein neues Thema mehr, und viele Zeitgenossen werden beim Gedanken daran zunaechst eine andere Frage stellen: Wann kommt fuer Electronic Data Interchange (EDI) der Durchbruch?

Ueber den Nutzen von EDI besteht heute kein Zweifel mehr, trotzdem wird das Verfahren mit Ausnahme der Automobilindustrie noch nicht flaechendeckend genutzt. Viele gutgemeinte Ansaetze bleiben auf der Ebene der Diskussion ueber Formate und die Konvertierungstechniken stecken - die Flut von Branchen-Subsets hat den urspruenglichen Edifact-Ansatz eines weltweiten Standards geradezu karikiert. Solange man EDI auf dieser technischen Ebene diskutiert und dabei der Nutzenaspekt auf der Strecke bleibt, kann, auch dies ist keine neue Erkenntnis, der Durchbruch nicht gelingen.

Das uebliche EDI-Szenario: Eine grosse Organisation beschliesst, EDI zu "machen". Vergessen werden dabei in der Regel jedoch die vielen dafuer erforderlichen Partner. Ohne ein schluessiges und in sich stimmiges Konzept, wie hundert oder tausend Lieferanten zum Einsatz von EDI motiviert und beraten werden muessen, ist jede Strategie zum Scheitern verurteilt. Die Situation in der Automobilindustrie mit einer totalen Abhaengigkeit der Lieferanten - frei nach dem Motto: entweder heute EDI oder morgen nicht mehr Lieferant - laesst sich jedenfalls nicht gerade als Schulbeispiel auf andere Branchen uebertragen.

Ohne ein solches konzeptionelles Vorgehen gleitet der Einsatz von EDI in den Grossunternehmen rasch auf das Niveau zahlreicher Inselloesungen ab. Der Forderung nach EDI ist damit zwar genuege getan, der eigentliche Zweck jedoch nur ansatzweise erfuellt. Inselloesungen erfordern zudem n-fachen Aufwand, die Motivation der Partner beschraenkt sich auf die Beratung in "Bits und Bytes". Ebenfalls ein weitgehend unterschaetzter, weil nicht direkt in Mark und Pfennig messbarer Faktor ist das heterogene Erscheinungsbild des Unternehmens. Mit anderen Worten: Inselloesungen sind auch kontraproduktiv zur jeweiligen Corporate Identity.

Nicht umsonst ist der hohe Nutzungsgrad von EDI und Electronic Mail in den USA und im asiatischen Raum ein Grund fuer den Kostenvorteil der dort ansaessigen Unternehmen. Einer Untersuchung der Coca Cola Research Group zufolge liegt das Einsparpotential bei einem konsequenten EDI-Einsatz und einer damit einhergehenden Ablaufoptimierung bei 1,8 Prozent des Umsatzes. Im Handel kaeme dies in etwa einer Verdoppelung der Umsatzrendite gleich. Effekte dieser Art sind allerdings nur zu erzielen, wenn ein vom Topmanagement unterstuetztes und kontrolliertes EDI- Einfuehrungskonzept dahintersteht.

Auch Electronic Mail wird heute in sehr unterschiedlicher Intensitaet genutzt. Waehrend die elektronische Post in weiten (traditionellen) Bereichen noch als Spielwiese fuer Technofreaks betrachtet wird, ist sie besonders fuer international agierende Unternehmen zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Corporate Communications geworden.

Die schon erwaehnten Automobilhersteller und Zulieferer sind geradezu ein Paradebeispiel dafuer, wie sich die elektronische Post auch im Aussenverhaeltnis sinnvoll einsetzen laesst. So werden dort Lieferinformationen und CAD-Entwicklungsdaten bereits auf elektronischem Wege ausgetauscht. Warum sollten sich dann nicht auch die Mitarbeiter von Herstellern und Lieferanten anderer Branchen via E-Mail statt ueber Telefon, Brief oder Fax verstaendigen?

Allerdings sind wir vom Idealzustand, also ueber E-Mail aehnlich einfach wie mit dem Telefon zu kommunizieren, noch meilenweit entfernt. Oft werden die im internationalen Vergleich doch recht hohen Telekom-Gebuehren als Hemmschuh bei der Einfuehrung neuer elektronischer Medien kritisiert. Fuer die elektronische Post kann dies jedoch auf keinen Fall gelten, denn gerade durch einen vermehrten E-Mail-Einsatz lassen sich die Telefonkosten betraechtlich senken. Darueber hinaus sind ueberwiegend proprietaere, untereinander nicht kompatible Systeme installiert - besagte Inselloesungen eben, die spaeter mehr oder weniger effektiv bilateral miteinander verbunden wurden. Will der Anwender dann ueber seinen Bereich hinweg Nachrichten austauschen, wird er mit den unterschiedlichsten Adressstrukturen konfrontiert, und schon ist es mit der Akzeptanz nicht mehr weit her.

Anders ist dies innerhalb einer optimalen Kommunikationsinfrastruktur, die es jedem E-Mail-Benutzer erlaubt, in seinem gewohnten Umfeld weiter zu arbeiten - unabhaengig davon, ob er sich in seiner "Insel" bewegt, mit einem Kollegen ueber ein anderes E-Mail-System kommuniziert oder via X.400 und Internet mit Lieferanten und Kunden Nachrichten austauscht. Allerdings kommt auch der Einsatz standardisierter X.400-Mail-Systeme nur schleppend voran, wobei jedoch das Argument zu hoher Kosten nicht mehr zutrifft. Zumindest sind sogenannte Remote User Agents (X.400-Clients) heute zu durchaus wettbewerbsfaehigen und damit fuer die Anwender erschwinglichen Preisen verfuegbar. Die Vorteile der Herstellerunabhaengikeit, ein breitgefaechertes und verfuegbares Know-how sowie die Freiheit, unter mehreren Alternativen waehlen zu koennen, sprechen jedenfalls eindeutig fuer standardisierte E-Mail- Systeme.

Zudem wird bei der haeufig geaeusserten Kritik in Sachen X.400- Adressierung gerne vergessen, dass es sich um einen weltweit gueltigen Standard handelt - mit dem Anspruch und der Notwendigkeit, Millionen Benutzer eindeutig zu adressieren. Immerhin ermoeglicht X.400 als Plattform fuer die globale Nachrichtenvermittlung die Integration unterschiedlichster Nachrichtenformate wie EDI ,E-Mail, Fax, Voice-Mail und Funkruf.

Was indes fuer den Einsatz von EDI gilt, ist gleichermassen auch beim Gebrauch der elektronischen Post zutreffend. So verwenden in den USA rund zehn Prozent aller potentiellen Nutzer die E-Mail, in Deutschland hingegen in einer Groessenordnung von lediglich zwei Prozent. Muesste da nicht die Tatsache Anlass zum Nachdenken geben, dass gerade Unternehmen aus den Regionen, die uns in Sachen Produktivitaet ueberlegen sind, auch beim Gebrauch moderner Kommunikationstechniken ein betraechtliches Stueck voraus sind?

Unsinniger Glaubenskrieg zwischen X.400 und Internet

Bleibt die Frage: Internet und X.400, die feindlichen Brueder? Anstatt hier nach praktikablen Loesungen zu suchen und sie zu realisieren, werden, so koennte man den Eindruck haben, Glaubenskriege entfacht - etwa darum, ob das Internet das "Aus" fuer X.400 bedeutet oder aehnliches. Dabei kann heute niemand die Entwicklung voraussagen, und es bleibt somit nur die Alternative uebrig, beide Systeme in einer Art Koexistenz zu nutzen. Dies um so mehr, als sich das Internet und X.400-basierte E-Mail grundsaetzlich voneinander unterscheiden. Wenn sich ueberhaupt ein Vergleich anstellen laesst, so kann sich dieser nur auf die E-Mail- Komponente SMTP versus X.400 beziehen.

Das anarchistische Internet-Prinzip - jeder darf im Netz tun, was er will - hat bis dato allerdings die kommerziellen Nutzer weitgehend davon abgehalten, ihre Daten dem Internet anzuvertrauen. Inwieweit das Anfang 1994 gegruendete "Commercenet"- Konsortium hier Abhilfe schaffen kann, muss sich erst noch erweisen. Commercenet ist eine von 40 Unternehmen aus der San Francisco Bay Area gegruendete Non-Profit-Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das Internet fuer kommerzielle Zwecke zu oeffnen. Aus Betreibersicht ist das Fehlen einer verantwortlichen Organisation "Das Internet" fast undenkbar - niemand fuehlt sich fuer Probleme zustaendig, niemand kann zur Verantwortung gezogen werden.

Wenn das E-Mailing fester Bestandteil einer weltumspannenden, kommerziell nutzbaren Netzinfrastruktur sein soll, ist dies jedenfalls eine andere Perspektive, als wenn im universitaeren Umfeld Informationen ausgetauscht werden. Andererseits sprechen fuer das Internet die 25 Millionen Benutzer.

Als X.400-Pionier und weltweiter Marktfuehrer fuer X.400-Backbone- Systeme sowie Mitbegruender der Commercenet-Initiative bietet Tandem bereits heute Loesungen fuer die Integration beider Welten an - sprich: um zwischen den proprietaeren E-Mail-Inseln Bruecken zu schlagen sowie Verbindungswege zu der X.400- und Internet-Welt zu schaffen. Diese werden im uebrigen auch konsequent fuer eigene Zwecke eingesetzt. So stehen via World Wide Web auf dem "Home- Page"-Server von Tandem Unternehmensdaten, Produktbeschreibungen, Serviceinformationen und vieles mehr zum Abruf bereit. Gleichzeitig koennen fuer das X.400-System von Tandem mehrere logische Message Transfer Agents (MTAs) konfiguriert werden. Geraet beispielsweise ein logischer MTA in eine Fehlersituation, erfolgt automatisch das Umschalten auf einen anderen MTA. Der Durchsatz kann so flexibel den Anforderungen angepasst werden; Wartungsfenster sind dabei ein Fremdwort, der Service erfolgt online.

Umfragen beschreiben nicht den Kommunikationsbedarf

Den Bedarf an E-Mail-Kommunikation mit Umfragen bezueglich des aktuellen Kommunikationsverhaltens zu ermitteln hiesse jedoch, um auf die vorhin erwaehnten Vergleiche mit dem Ausland zurueckzukommen, das Pferd vom Schwanz her aufzuzaeumen. Eine intakte Kommunikationsinfrastruktur ist im Gegenteil erst die Vorausetzung fuer das Funktionieren einer modernen, dezentralen Organisation mit flachen Hierarchien. So hatte man bei Volvo, um ein bekanntes Beispiel anzufuehren, den Nutzen von Gruppenarbeit, also die Entwicklung weg von der extremen Zergliederung des Arbeitsprozesses, bereits vor 20 Jahren erkannt. Gescheitert ist das Projekt dann daran, dass der Informationsfluss zwischen den einzelnen Gruppen fehlte.

Doch zurueck zum Grundsaetzlichen, besser gesagt, zum Schlagwort Electronic Commerce. All das, was man unter diesem Begriff subsumiert, stellt bei weitem keine fertige Loesung dar, die installiert und in Betrieb genommen werden kann. Electronic Commerce ist vielmehr ein Konzept fuer den gesamten elektronischen Informationsaustausch (vgl. Abbildung 1), wobei sich jedes Unternehmen und jede Organisation der Thematik aus einer anderen Richtung her naehern wird. Was jedoch andererseits nichts daran aendert, dass der konsequente Einsatz von Electronic Commerce, also die richtige Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort sowie in der richtigen Form erst die Einfuehrung moderner Organisationsformen in den Unternehmen ermoeglicht.

Die optimale Infrastruktur fuer Electronic Commerce ist zweifelsfrei ein zentraler Messaging-Hub, eine, wenn man so will, elektronische Informationsdrehscheibe, ein Clearing-Center fuer den kompletten elektronischen Nachrichtenaustausch (vgl. Abbildung 2). Niemand wuerde heute noch ernsthaft auf die Idee kommen, fuer jede Abteilung eine separate Poststelle einzurichten. Was fuer Briefpost und auch fuer den Telefondienst (zentrale Nebenstellenanlage) heute Stand der Technik ist, muss erst recht fuer den elektronischen Nachrichtenaustausch eine organisatorische Selbstverstaendlichkeit sein.

Wie anders koennen sonst neue Geschaeftspartner schnell und ohne grossen Aufwand in bestehende Strukturen eingebunden werden? Wie anders kann ein permanenter Nachrichtenaustausch zwischen Tausenden von Mitarbeitern in einem heterogenen E-Mail-Umfeld erfolgen? Wird die Kommunikation auf bilateralem Wege abgewickelt, sind in grossen Unternehmen Verbindungen oft nur ueber mehrere Gateways hinweg moeglich. Da mit jedem Gateway in der Regel ein Verlust von Funktionalitaet verbunden ist, laesst sich leicht nachvollziehen, welcher Informationsverlust bei einer derartigen Struktur entsteht.

Und wie anders schliesslich koennen Unternehmensdaten gegen unbefugten Zugriff gesichert werden? Die Eingangstueren fuer die Mitarbeiter werden kontrolliert. Wer ueberwacht jedoch die Zugaenge zu den Unternehmensdaten? Jede Kommunikationsinsel ist ein potentielles Sicherheitsrisiko im Sinne eines moeglichen unbefugten Zugriffes auf die Unternehmensdaten. Ueber die Funktion eines elektronischen Postamtes hingegen wird der elektronische Nachrichtenverkehr kontrolliert, gesteuert und protokolliert; es ist somit die Schnittstelle zur Aussenwelt.

Die konventionelle Poststelle im Unternehmen verteilt eingehende Briefe an die Adressaten, unkorrekte Adressen werden ergaenzt und korrigiert. Bei Abteilungswechsel wird die Post nachgesendet, wichtige Briefe werden protokolliert. Die Telefonzentrale vermittelt alle Anrufe, die unter der zentralen Rufnummer eingehen. Gleichzeitig ist dort dokumentiert, wer Auswaerts- oder Auslandsgespraeche fuehren darf. Ausgehende Gespraeche werden registriert und die Kosten zugeordnet. Exakt diese Funktionen erfuellt ein elektronisches Postamt auch. Die Benutzung des eigenen MTAs als Relay-Station durch Dritte wird verhindert, die Flut der eingehenden Internet-Nachrichten kann sinnvoll gefiltert werden.

Mit zunehmender Akzeptanz solcher Anwendungen wird auch die Frage der Directories immer wichtiger. Elektronischer Nachrichtenaustausch ohne Directory-Service ist wie Telefonieren ohne Telefonbuch. Der X.500-Standard fuer Verzeichnisdienste wird jedoch weit ueber den Nachrichtenaustausch hinaus Bedeutung erlangen. So werden sich zukuenftige Netzwerk-Management-Systeme eines X.500-Directorys bedienen, das alle Objekte einer komplexen DV-Landschaft umfasst.

Fuer Internet-Benutzer gibt es schon heute Loesungen fuer den Zugang zu X.500. Wer beispielsweise einen Mosaic-Client installiert hat, kann sich auf diesem Wege Infos aus X.500-Directories beschaffen. Groessere X.500-Directories mit Hunderttausenden von Objekten lassen sich - eine akzeptable Antwortzeit vorausgesetzt - durch parallelisierte Abfragen sinnvoll nutzen.

Was bleibt also abschliessend festzuhalten? Betrachtet man die Geschichte der Nachrichtenuebertragung, so hat bis dato nie ein Medium ein anderes vollstaendig abgeloest. In der Politik und in der Unterwelt wird manch brisantes Dokument auch heute noch per Kurier uebermittelt - aller Elektronik und Computertechnik zum Trotz. Vor wenigen Jahren konnte sich andererseits, um auf das legale Geschaeftsgeschehen zurueckzukommen, kaum jemand vorstellen, dass E- Mail in vielen Bereichen zu einer Selbstverstaendlichkeit werden wuerde.

X.500-Zugang fuer Internet-User moeglich

Im Jahr 2000 wird, glaubt man den Prognosen serioeser Marktforscher, das Video- oder Teleconferencing - also die logische Zusammenfuehrung unterschiedlicher Medien zur persoenlichen Kommunikation alltaeglich sein.

Auch wenn der Information-Highway, die Datenautobahn, die Infobahn oder was immer an Begriffen in der Zukunft noch gepraegt werden wird, heute noch nicht oder nur in Ansaetzen zur Verfuegung steht, bietet die gegenwaertig existierende Technologie bereits eine Menge ungenutzter Moeglichkeiten. Dies trifft fuer die elektronische Kommunikation in noch weit staerkerem Masse als fuer die gesamte Informationstechik zu. Electronic Commerce ist kein Schlagwort mehr, sondern heute realisierbar.

* Horst Hermann ist Vertriebsleiter Electonic Commerce bei der Tandem Computers GmbH, Geschaeftsstelle Stuttgart.