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26.04.1985

Von günstigen Leasing-Konditionen nicht ködern lassen

Immer kürzere Innovationszyklen machen es vor allem kleinen und kapitalschwachen Unternehmen schwer, mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. Leasing scheint hier das Gebot der Stunde zu heißen. Vor verfrühter Freude ist jedoch zu warnen: Wer sich in der ersten Begeisterung vorschnell für einen Leasinggeber entscheidet, zahlt oft einen hohen Preis. Andererseits jedoch sollte der potentielle Kunde bei Angeboten, die im Vergleich zu den Wettbewerbern sehr günstig erscheinen, auch besonders vorsichtig sein. Hinter der vielversprechenden Offerte kann sich ein plumper Trick-Leasingvertrag verbergen, gibt Hans Martin Rehbein von der HM Leasing GmbH zu bedenken. Die Auswahl des Leasingpartners sollte jedoch nicht allein von den angebotenen Konditionen abhängen. Ausschlaggebend seien auch Know-how sowie Vertrauen in die gegebenen Zusagen und in die Person des Leasingrepräsentanten. kul

Hans Martin Rehbein, Geschäftsführender Gesellschafter, HM Leasing GmbH, Heidelberg

Für wichtig halte ich, daß ein alternatives Angebot von einem Computerleaser bereits zu Beginn der Diskussion über ein mittel- oder langfristiges Hardwarekonzept herangezogen wird. Es ist die ausgesprochene Stärke der Computerleaser, kostengünstige Hardware-Angebote zu unterbreiten. Damit reduziert , sich die Funktion des Computerleasers nicht auf die reine Finanzierung. IBMs FLV-Strategie richtet sich ausdrücklich gegen derartige "alternative" Hardwarepakete. Diese Alternative sollte schon deshalb vom Entscheidungsträger sorgfältig geprüft werden.

Die Auswahl des Leasingpartners hängt erfahrungsgemäß nicht allein von den angebotenen Konditionen ab. Ausschlaggebend ist vielmehr das Know-how, das Vertrauen in die gegebenen Zusagen und letztlich die Persönlichkeit des Leasingpartners beziehungsweise seines Repräsentanten. Ich empfehle hier, sich die mit jedem Angebot übergebenen Referenzlisten intensiv anzuschauen und die dort aufgeführten Unternehmen auch einmal anzusprechen.

Der Entscheidungsträger sollte sich vom Anbieter die Bankverbindung offenlegen lassen, möglichst schon vor der Entscheidung. Es ist klarzustellen, daß der abzuschließende Leasingvertrag hernach nicht einer größeren Zahl von Finanzierungsinstitutionen angedient wird, da hiermit Finanzinterna des Leasingnehmers offengelegt werden, was sich bis zur betriebsprüfenden Finanzbehörde herumsprechen kann.

Einen besonders geschärften Blick sollte der potentielle Leasingnehmer gegenüber solchen Angeboten haben, die im Vergleich zu den Wettbewerbern besonders günstig sind. Hinter dem Angebot kann sich ein plumper Trick-Leasingvertrag verbergen (Side-Letter für Remarketing-Garantie im Innenverhältnis) oder eine schlichte Doppelfinanzierung (Abtretung der Forderungen an verschiedene Finanzierer).

Ergänzende Informationen über den Leasinggeber, wie Kapitalausstattung, eine allgemeine Bankauskunft, Volumen und Struktur des Portfolios und Dauer der Marktpräsenz runden das Bild ab. Häufig läßt sich eine entsprechende Fachkompetenz schon aus den Angeboten und dem Vertragskonzept ableiten. Wichtig für den Beurteiler, ist die Gewißheit, daß der Partner seines Leasingvertrages die Voraussetzung für die wirtschaftliche Existenz, wenigstens für die Dauer seines Vertrages mitbringt.

Selbstverständlich soll der Leasing-Interessent auch das Finazierungsleasingangebot (FLV) des Herstellers IBM prüfen - und zwar besonders kritisch, denn der Leasingvertrag mit einer besonders günstigen Leasingrate zu Beginn des Vertrages hat seinen Pferdefuß beim "Herauskaufen" während der Vertragsdauer. Dies aber ist die einzige Möglichkeit zur vorzeitigen Ablösung die der Hersteller anbietet. Paketgeschäfte mit kostenneutraler Ablöse aus bestehenden Leasingverträgen kann der Computerfabrikant IBM verständlicherweise nicht bieten. IBMs neuester Hit im FLV-Geschäft, der "Holliday Tarif", schiebt den Beginn der Amortisation nach hinten und bewirkt eine höhere Restamortisation beim Herauskaufen im hinteren Teil der Vertragsdauer.

Hat der Interessent sich in der Endrunde für eine begrenzte Anzahl von Wettbewerbern entschieden, so sollte er nun das Vertagskonzept sehr sorgfältig prüfen. Von Begriffsbestimmungen und Abgrenzungen darf er sich dabei nicht beirren lassen. Ob der Vertrag nun "Mietvertrag" oder "Mietabkommen" oder "Leasingvertrag" heißt, maßgebend für seine steuerliche Beurteilung und der Leasing-Erlaß, der TA-Erlaß und der Paragraph 39 A0. Eine ausdrückliche Abgrenzung eines "Mietvertrages" gegenüber einem Leasingvertrag" mit dem Hinweis, der Mietvertrag beinhalte die Kosten für den Abbau und die Elektronikversicherung, was im Leasingvertrag nicht der Fall sei, ist schlichter Unsinn. Im Gegenteil: Das Begriffsverwirrspiel gefährdet allenfalls die eindeutige steuerliche Beurteilung. So ist es wichtig, daß ein kündbarer Vertrag und/oder ein Vertrag mit Andienungsrecht sauber formuliert ist. Auch eine Nachlease-Option sollte in jedem Vertrag enthalten sein. Feste Grundmietzeit und Vertragsdauer sind zu erwähnen und nicht nur aus dem Vertrag herauszuinterpretieren. Auch ein Zahlungsplan, der die Restamortisation zum jeweiligen Kündigungszeitpunkt aufführt, ist von Nutzen.

Die zivilrechtliche Problematik von Leasingverträgen möchte ich an dieser Stelle nicht aufgreifen. Hier muß in erster Linie klargestellt werden, daß die vereinbarten Kündigungsrechte mit Abschlußzahlung als Individualvereinbarung von beiden Seiten aufgefaßt werden und nicht gemäß AGB-Regelung aufzufassen sind.

Der Leasingvertrag ist in erster Linie unter steuerlichen, bilanziellen und allgemeinrechtlichen Aspekten konzipiert worden. Das besagt jedoch nicht, daß er aus technologischen oder systemlichen Gründen während der Laufzeit nicht geändert werden kann. Keine Finanzbehörde erwartet von den Vertragspartnern, daß sie den einmal abgeschlossenen Leasingvertrag bei total veränderten technischen Voraussetzungen "abreiten". Die Erfahrung zeigt, daß Finanzbehörden bei der Beurteilung solcher Leasingverträge keine unangemessenen Forderungen stellen.

Udo-Achim Wrieske, Inhaber der Wrieske Unternehmensberatung, Hamburg

Mit der Möglichkeit, DV-Systeme "zu leasen", eröffnen sich für die Anwender neue Möglichkeiten Besonders denjenigen, deren

Kapitalkraft für größere Investitionen nicht ausreicht beziehungsweise die ihre "Kreditlinie" bei der Hausbank für andere Zwecke erhalten wollen oder müssen, bieten sich hier interessante Voraussetzungen für die Nutzung der Computertechnologie. Das trifft insbesondere für Unternehmen der mittelständischen Wirtschaft zu, eine Größenordnung von Betrieben, die für den Einsatz der DV geradezu prädestiniert sind. Für die DV-Hersteller bietet sich hier ein außerordentlich interessanter Markt, weil weitgehend "Entwicklungsland". Die Einführung der Finanzierungsform "Leasing" mit ihren außerordentlichen zahlreichen Vertragsformen hat zweifellos das Geschäft belebt und damit kaufkraftfördernde Wirkung erzielt. Man kann sagen, daß für fast jeden Betrieb, jede Situation und jedes Problem eine jeweils individuelle Leasing-Lösung am Markt angeboten wird oder zumindest im Einzelfall gestaltet werden kann.

Der Name "Leasing" stammt aus dem Amerikanischen (to lease) und heißt: (ver-)mieten. Dem wirtschaftlichen Gehalt nach sind die meisten Leasing-Verträge als Darlehensgewährung zu werten, insbesondere dann, wenn das DV-System nach Ablauf der vereinbarten Mietzeit zu einem vorher festgelegten Rest-Preis vom Leasingnehmer erworben wird.

Die Frage, ob im konkreten Fall ein Leasingvertrag vorteilhaft oder nachteilig ist, muß deshalb einerseits nach Maßstäben, die auch für Kreditvereinbarungen gelten, andererseits nach steuerlichen Gesichtspunkten beantwortet werden. Betriebswirtschaftlich gesehen kann die Liquiditätsplanung - gegebenenfalls sogar unabhängig von den "Finanzierungskosten" und "steuerlichen Vor- und Nachteilen" - ausschlaggebend für eine Entscheidung zugunsten des Leasing sein.

Die Vielfalt der Leasing-Vertragsformen hat nicht nur den Vorteil, maßgeschneiderte individuelle Problemlösungen zu ermöglichen. Sie beinhaltet auch den Nachteil, daß die Verträge zum Teil - juristisch gesehen - kompliziert sind. Einem Leasingnehmer,- also dem künftigen DV-Anwender, ist daher dringend anzuraten, sich neben der betriebswirtschaftlichen und steuerlichen Seite auch juristisch durch auf diesem Gebiet erfahrene Experten beraten zu lassen. Denn das "Dreiecksverhältnis" Kunde - Lieferant - Leasinggesellschaft enthält durchaus einigen "Zündstoff", der häufig - oberflächlich betrachtet - vom Kunden nicht ohne weiteres erkannt wird.

Eine weitere Belebung des Marktes bietet das in der Bundesrepublik Deutschland heute noch weitgehend unterentwickelte Software-Leasing. Interessant ist es insbesondere deswegen, weil auf dem Hardware-Sektor ein Preisverfall zu beobachten ist und daher die Software-Preise zunehmend die größere Finanzierungsproblematik darstellen.

Siegfried Steinhauser, Steuerbevollmächtigter, Kanzlei E. Heltzer S. Steinhauser, München

In der Praxis wird an uns häufig die Frage herangetragen, welche Möglichkeit der Finanzierung einer DV-Anlage die günstigste ist, denn es werden von den Herstellern bereits diverse Finanzierungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Die wohl häufigste Finanzierungsform wird derzeit eine Leasingvariante sein. Hierbei muß jedoch auf die spezielle Situation des Erwerbers eingegangen werden, denn Leasing ist unserer Erfahrung nach nicht für alle Investoren die günstigste Lösung.

Bei Klein- und Mittelbetrieben kann ein Kauf aufgrund der zur Zeit bestehenden Steuergesetzgebung und der damit verbundenen

Abschreibungsmöglichkeiten die günstigste Finanzierungsgestaltung sein. Ob dieser Kauf aus Eigenmitteln oder durch Fremdfinanzierung zu erfolgen hat, muß auf die Liquiditätssituation des Unternehmers abgestimmt werden.

Der große Unterschied zwischen Leasing einer DV-Anlage sowie deren Kauf ist steuerlich darin zu sehen, daß man sich in der Regel bei einem Leasingvertrag für eine gewisse Laufzeit verpflichtet, monatlich einen Betrag von X zu bezahlen und nach Ablauf der Grundmietzeit die Anlage durch Ablösung eines Restwertes zu übernehmen.

Steuerlich stellen diese monatlichen Raten bei richtiger Gestaltung des Vertrags Betriebsausgaben dar, so daß sich die Investition steuerlich auf die Laufzeit des Leasingvertrages gleichmäßig verteilt.

Beim Kauf einer solchen Anlage kann die Abschreibung nach Paragraph 7 Abs. 2 EStG mit derzeit maximal 30 Prozent der Anschaffungskosten im ersten Jahr und in den Folgejahren jeweils 30 Prozent vom Restwert vorgenommen werden.

Dies setzt voraus, daß die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer dieser Anlage mit fünf Jahren angesetzt wird. Außerdem können kleinere und mittlere Betriebe mit einem Einheitswert von nicht mehr als 120000 Mark, und einem Gewerbekapital von nicht über 500000 Mark eine Sonderabschreibung in Höhe von 10 Prozent der Herstellungskosten vornehmen.

Diese Sonderabschreibung ist neben der Normalabschreibung oder degressiven Abschreibung zulässig. Somit könnten im ersten Jahr dieser Investition bis zu 40 Prozent der Investitionssumme Steuerlich geltend gemacht werden.

Außerdem gilt es, besonders bei DV-Anlagen zu prüfen, inwieweit im Laufe der Nutzungsdauer dieser Anlage eine sogenannte Teilwertabschreibung möglich ist. Dies wäre dann möglich, wenn sich herausstellt, daß aufgrund des technischen Fortschritts die bestehende Anlage technisch überholt ist und der Buchwert deshalb über dem Verkehrswert liegt und angepaßt werden kann.

Hieraus ist ersichtlich, daß eine solche Investition durch Kauf sehr hohe steuerliche Vorteile mit sich bringen kann. Jedoch sollte immer auf den Einzelfall abgestellt eine genaue Prüfung vorgenommen und diese mit dem Betriebs-, Finanz- oder Steuerberater abgestimmt werden.