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25.02.1983

Von Mäusen und Meinungen (Teil II)

Wir sollten am Ball bleiben, lobten einige CW-Leser die Kolumne "Die Maus rausgelassen" (CW Nr. 8 vom 18. Februar 1983) und dem DV-Spezialisten ruhig öfter mal auf den Schlips treten. Was wir hiermit tun wollen.

Um kurz zu rekapitulieren: Die wahren Vorzüge von "Lisa", Apples längster Errungenschaft, müßten verborgen bleiben, solange es die Werber des Mikroproduzenten nicht verstanden, die Leichtigkeit des Maus-Handlings über die Rampe zu bringen. Aber es sei auch "Vogel-Strauß-Politik" im Spiel, wenn die DV-Organisatoren die verbesserten Möglichkeiten des "Personal Computing" nicht sähen. Lisa selbst steht dabei nur stellvertretend für eine neue Generation von Geräten, mit denen jeder in der Fachabteilung mittlerer und großer Unternehmen "computern" kann.

Hier nun setzt die Kritik der CW-Leser ein. Tenor der Aussagen: In Datenverarbeitungsfragen entschieden immer noch "Fachidioten" (Originalton), was wie zu geschehen habe, und nicht diejenigen, die "die Sache ausbaden" müßten, nämlich die Anwender. Die Anrufer glauben zu wissen, wie es zu der Vertrauenskrise - und darum handelte es sich - zwischen den eigentlichen Benutzern und den DV-Spezialisten gekommen ist. Den Computerexperten sei gar nicht daran gelegen, die Anwender schlau zu machen. Sie fürchten nämlich, Ansehen und Einfluß zu verlieren.

Man macht es sich freilich zu leicht, den DV-Fachleuten allein den Schwarzen Peter zuzuschieben. Gewiß: Es gibt sie, die Abgekapselten, die die Zeichen der Zeit nicht erkennen, die weiter ihr Vorurteil pflegen, die DV-Kunden seien Blinde, nicht Könige. Es fällt auf, daß es sich hierbei häufig um Datenverarbeiter der ersten Stunde handelt.

Die meisten "alten Hasen" erkennen jedoch in gewisser Weise den Vorwurf an, sie ließen die Klienten mit ihren Anwendungsproblemen allein. Sie sind bereit, die Rolle des "Sekundanten" für die Fachabteilungen zu übernehmen, glauben aber, daß es den Benutzern nicht um Kompetenz und Mitwirkung in der Anwendungsentwicklung gehe, sondern mehr ums Prinzip, nämlich klarzustellen, wer der Herr im Hause ist.

Was macht die Zusammenarbeit nun so schwierig? Da gibt es zuallererst Verständigungsprobleme. Die Fachabteilungsmitarbeiter können sich nicht blindlings darauf verlassen, daß ihnen die DV-Organisatoren auch zuhören, wenn sie ihr Anliegen unpräzise vorbringen, gewissermaßen "ins Unreine" denken. Andererseits können die Spezialisten nicht davon ausgehen, daß sie mit Fachchinesisch durch die Anwenderwelt kommen.

Eine gemeinsame Sprache, eine Art Esperanto, fehlt in der Datenverarbeitung. Also braucht es Übersetzer - und dies noch für lange. Es wäre töricht zu glauben, man käme in absehbarer Zeit ohne Spezialisten aus. Da paßt es nicht ins Bild, wenn sich DV-Abteilung und Fachbereich darüber in den Haaren liegen, wer die Computertugend gepachtet habe. Die Professionals haben gesündigt, daran besteht kein Zweifel. Aber auch die "Amateure" sind nicht mehr so unschuldig, wie sie sich geben.

Es kommt darauf an, sich zu arrangieren, eine Koexistenzgrundlage zu finden. Dies wird die vordringlichste Managementaufgabe der kommenden Monate und Jahre sein. Betroffen macht, daß Hardwarehersteller und Softwareanbieter das Treiben nicht torpedieren, sondern eher fördern mit verlockenden Angeboten sowohl an die nimmersatten DV-Zentralen als auch an die nörgelnden Endbenutzer.