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15.02.1985 - 

Wachstum und Trends aus der Sicht der Siemens AG:

Von Mainframe Konzepten zu Datenverarbeitungslösungen

Mainframes und deren Konzepte sind ein gefragtes Thema auf dem DV-Markt. Dazu ein paar Zahlen: Aus den vergangenen Jahren ist der jährliche Mehrbedarf der DV-Anwender bekannt. der bei der internen Verarbeitungsleistung der Zentraleinheiten und bei der externen Speicherkapazität entsteht. Er beträgt in der Größenordnung zwischen 30 und 50 Prozent jährlich.

Es besteht kaum Zweifel, daß sich dieses enorme Wachstum fortsetzen wird. Zweifel sind jedoch angebracht, ob einer heutigen DV-Anlage mit zum Beispiel zwei Mips ZE-Leistung und 2000-MB-Plattenkapazität wirklich im Jahr 2000 eine solche Anlage mit 100 bis 875 Mips und 100 000 bis 875 000-MB-Plattenkapazität entspricht. Die Zuverlässigkeit von Prognosen, zum Beispiel aus dem Bereich der Wirtschaft, hat sich oft als nicht sehr groß erwiesen, wie insbesondere die Prognosen des Energiebedarfs zeigen. Wenn also von Konzepten im Jahre 2000 die Rede sein soll, ist bei den Mainframes Vorsicht angebracht und darf eben nicht nur von Mainframes die Rede sein, wie sich zeigen wird.

Nicht das technisch Mögliche allein wird die DV-Szene 2000 bestimmen, sondern auch einige Tatsachen und Trends von heute weisen darauf hin:

- Die stets aktuellen Datenbestände und die gewachsene und ausgereifte Anwendersoftware sind ein höchst wertvolles Gut eines jeden Unternehmens mit DV-Einsatz.

- Die zahlreichen Büros in den Unternehmen stellen ein herausforderndes Rationalisierungspotential dar.

- Wie schon in der Vergangenheit ist der Hardwarepreisverfall um 10 Prozent für die Unternehmen mit DV-Einsatz eine feste Rechnungsgröße.

- Ebenso werden die potenten Hersteller mit Technologiesprüngen und Innovationen in den Markt gehen.

- Das zentrale RZ (mit Klimaanlage, Doppelboden, System- und Operationsmannschaft) ist keineswegs tot. Aber der Drang der DV-Systeme dorthin im Unternehmen, wo die DV wirklich gebraucht und angewendet wird, ist enorm.

- Das hat Folgen: Der Endbenutzer bestimmt die DV-Lösung ganz entscheidend (mit). Ein Teil der Datenbestände wird zunehmend am Nachfrageort geführt, wo auch die Pflegesicherheit am höchsten ist. Reines DV-Personal kommt als Rationalisierungspotential in Betracht.

- DV-Einsätze im Sinne eines Werkzeuges:

keine Spezialräume, kein DV-Personal, kein DV-Know-how beim Anwender, keine Spezialräume für das "Werkzeug" und kein Warten, das "Werkzeug" ist auf Knopfdruck verfügbar.

Was läßt sich nun aus dieser Bestandsaufnahme für die DV-Szene 2000 ableiten?

Die Art und Weise, wie DV in Unternehmen eingesetzt wird, vollzieht sich offensichtlich in verschiedenen Entwicklungsstufen:

1. Als es noch keine DV gab, stand den im Unternehmen räumlich verteilten Aufgaben eine ebensolche nichtelektronische Lösung gegenüber (Prä-DV).

2. Seit es Universal-Computer gibt, wird ein Teil der ursprünglich räumlich verteilten Aufgaben mit DV-Anlagen zentral gelöst (DV-Zentral)

3. Seit es DV-technisch und wirtschaftlich möglich ist, DV in dem benötigten Umfang zu jedem Endbenutzer zu bringen werden die Aufgaben teils zentral (wie bisher) und zum geringen Teil (zunehmend) dezentral gelöst. (DV-zentral/dezentral). An dieser Stelle in diesem Zeitraffer stehen wir heute.

4. In der vor uns liegenden Phase wird der schwierige Schritt gemacht von der technischen Möglichkeit des zentral/dezentralen DV-Einsatzes zu seiner Verwirklichung (DV-Lösungen). Ähnlich der Phase 1 (Prä-DV) werden die Aufgaben am Entstehungsort gelöst, aber mit DV-Werkzeug. Abweichend von der Phase 1 (Prä-DV) werden die Aufgaben zentral gelöst, die zentral wirtschaftlicher lösbar sind.

Die Phase 4 (DV-Lösungen) stellt allerhöchste Anforderungen an Hersteller, Realisierer und Anwender der DV, wirtschaftliche DV-Lösungen für komplexe Zusammenhänge zu finden.

Hier entsteht ein enormer Bedarf an Fachleuten, die mindestens 4 Fähigkeiten in sich ausgewogen vereinen: EDV-Know-how, Wissen über Unternehmen und Organisation, Einfühlungsvermögen in menschliche Bedürfnisse und Akzeptanzschwellen, und das verbunden mit Phantasie und Willen zur Lösung.

Passive DV-Lösungen sind schwieriger

So ist zu erwarten, daß langfristig die Unternehmen mit ihren Organisations- und Verhaltensformen in ihrer DV-Lösung ein Abbild finden. Bleibt zu wünschen, daß dabei organisatorische Schwachstellen entdeckt und beseitigt werden. Das bedeutet übrigens auch, daß die DV-Lösung eines Unternehmens höchstens so gut sein kann, wie seine Organisation und deren Funktionieren in der Praxis. Da mit zunehmender Unternehmensgröße auch ihre Komplexität stark wächst, sind die passiven DV-Lösungen in großen Unternehmen schwieriger zu realisieren als in kleinen. Andererseits ist die Bereitschaft und die finanzielle Basis zur DV-Lösung in großen Unternehmen auch größer als in k einen. Das bedeutet, daß die Unternehmen, ob groß oder klein, in den nächsten Jahrzehnten gleichermaßen nach ihrer optimalen DV-Lösung suchen müssen. Das können sie selten allein dazu sind die DV-Hersteller und -Realisierer herausgefordert! Was bieten sie und was werden sie bieten?

Wie sieht das Siemens-DV-Konzept für die nächsten Jahrzehnte aus? Es muß den genannten Herausforderungen gerecht werden und die Rolle im Markt weiter ausbauen. Siemens ist ein Hersteller und Realisierer mit großem elektrotechnischem und elektronischem Know-how - die DV darunter nur ein Gebiet. Siemens ist deshalb prädestiniert zur Lösung komplexer, auch DV-übersteigender Aufgabenstellungen. Das DV-Konzept besteht aus zwei Schwerpunkten: einer stark wachsenden Systemlandschaft und einer bedarfsgerechten Servicepalette.

Anhand der heutigen Systemlandschaft läßt sich das Konzept zeigen.

Zwei Systemlinien decken Anforderung ab

Wie ausgeführt, sind für Lösungen verschieden ausgeprägte DV-Systeme als Basis erforderlich. Das reicht vom PC über MDT-Anlagen bis hin zu Universal-Computern. Diese Palette deckt Siemens heute ab mit zwei besonders stark wachsenden Systemlinien:

1. Das Universalrechnersystem 7.500.

2. Die von der PC-Grundlinie rasch nach oben wachsende Sinix-Familie mit dem zweiten Standard-Betriebssystem Unix als Kern mit Siemens-Bedienoberfläche .

Organisch verbunden mit dem System 7.500 ist das Kommunikationssystem Transdata zur Lösung der DFV-Auflagen. Daneben setzt Siemens besonders für dedizierte DDP-Lösungen in Großprojekten die Basis-Datensysteme 6.600 mit dem Betriebssystem Amboss ein. Weiter vertreibt Siemens die IBM-kompatible Systemlinie 7.800 mit dem Betriebssystem MSP und die Vektorprozessoren VP 100/200 mit dem Betriebssystem VSP.

Aufbauend auf der heutigen Systemlandschaft stützt sich das DV-Konzept der nächsten Jahrzehnte besonders auf zwei moderne Quasi-Standard-Betriebssysteme, die beide zeitscheibengesteuert arbeiten. BS2000 und Sinix.

BS2000 mit seinem Systemumfeld DB/DC und Transaktionsmonitoren ist ein elegantes und leistungsfähiges Betriebssystem für die ausgewogene Verarbeitung von Dialog, Batch und Kommunikation. Es bietet eine allen Anforderungen anpaßbare Oberfläche und optimale Automatisierungsmöglichkeiten. BS2000 läuft heute auf Rechnern 7.500 mit einer sehr großen Leistungsbreite, nämlich von 0,15 bis über 8 Mips. Das System 7.500 mit seiner Leistungsbreite von zirka 50 heute wird künftig schritthaltend dem jeweiligen Leistungsmehrbedarf entsprechend nach oben ausgeweitet. Ebenso wird das BS2000 in seinen Funktionen und seinen Leistungen weiterentwickelt. Dazu gehören die Erhöhung der Taskanzahl die Erhöhung des Adressierungsraumes, die Einführung des dynamischen Kanalsubsystems, die Bedienung der jeweiligen Prozessorstruktur, die Nutzung der Prozessor-Redundanz zur Steigerung der Verfügbarkeit im Sinne fehlertoleranter Systeme (failsoft), der Ausbau der Rechnerverbundfunktionen, wie gemeinsamer Spoolout/spoolin und Job Distribution und last not least die Erweiterung der Funktionen zur Automatisierung wie Performance Control System, Programmiertes und Fern-Operating und Fernadministration.

Von unten im Sinne der Rechnerleistung wird die Sinix-Familie immer näher an das System 7.500/BS2000 heranreichen. Entsprechend werden BS2000 und Sinix kooperieren. Das bedeutet, Siemens deckt mit den beiden Betriebssystemen BS2000 und Sinix und jeweils durchgängiger Hardware dann den gesamten Bereich vom PC bis hin zum größten Universalrechner ab. Damit ist die Voraussetzung für optimale DV-Lösungen geschaffen.

Eine revolutionierende Rolle spielen die Bürosysteme. Hier sind nicht programmierte Abläufe gefordert, sondern ein Werkzeug auf dem Schreibtisch, das mit schnellem Zugriff kurze Arbeitsschritte in frei wählbarer Reihenfolge erledigt. Wegen der verschiedenen Anforderungen und Ausprägungen in den Büros wird sich keine Büro-Einheitslösung herauskristallisieren. Je nach Situation der Anwender können die Bürofunktionen wie folgt abgedeckt werden:

- Den Anwendern der genannten Siemens-Systeme stehen Bürosysteme zur Verfügung, und zwar als Zusatznutzen zu ihrer DV-Lösung, zum Beispiel auf den Systemen 7.500 OASE (Office Automation Services).

- Bei besonderen und umfangreichen Anforderungen an die Bürofunktionen können spezielle Bürosysteme von verschiedenen Leistungsbreiten eingesetzt werden, zum Beispiel EMS 5800. Diese Systeme können mit den DV-Lösungen integriert zusammenarbeiten.

Das zweite Bein des Siemens DV-Konzeptes ist die Servicepalette. Die mit der DV zusammenhängenden Dienstleistungen für die Anwender werden in den nächsten Jahrzehnten eine dominierende Rolle spielen. Dazu gehören alle Dienstleistungen im Umfeld des DV-Einsatzes der Problemanalyse, über Lösungs-Design, Kosten/Nutzen-Betrachtungen, Implementierung, Echteinsatz, Schulung, Einweisung, Optimierung bis hin zur Pflege der DV-Lösung.

Siemens bietet diese Dienstleistungen als Beratung, Unterstützung und Betreuung an, durchgeführt von den regionalen Fachberatungszentren, von zentralen, eigenen "Softwarehäusern" (derzeit zirka 1000 Mitarbeiter) und über externe Softwarehäuser und Unternehmensberater (derzeit etwa 300 allein in der BRD). Heute stehen funktionsreiche und ausgereifte Standard-Anwendersoftware-Pakete mit zum Teil branchenübergreifenden Eigenschaften zur Verfügung, die als Lösungs-Basis eingesetzt werden, wie zum Beispiel IS, SEV oder SICAD.

Die eingangs aufgeworfene Frage des Wachstums von Mainframe-Anlagen muß also in einem größeren Zusammenhang gesehen werden. Die Antwort:

- Die Mainframe-Anlagen von Siemens machen das rasante Leistungswachstum mit.

- Der Maßstab für den Erfolg der DV-Hersteller wird zunehmend in der Vermarktung von DV-Lösungen liegen, die die anwendenden Unternehmen wettbewerbsfähiger, erfolgreicher und effektiver machen.

*Dipl.-Ing. Dieter Elze, Siemens AG Bereich Datentechnik, Marketing